Monique Angermüller holte 2010 ihren ersten Weltcupsieg © getty

Die Berlinerin galt als Friesinger-Nachfolgerin, dann warf sie eine mysteriöse Krankheit aus der Bahn. Die Leidenszeit ist kurios.

Berlin - Tomaten sind tabu, Salami sowieso, und der Verzicht auf Weizenbier fällt ihr besonders schwer: Mit einer simplen Ernährungsumstellung hat Monique Angermüller ein Riesenproblem gelöst. Doch darauf war nur keiner gekommen.

Etliche Spezialisten hatten sie erfolglos behandelt, ehe sie zufällig doch noch auf Hilfe stieß. Am Wochenende gibt die 28-Jährige bei der Eisschnelllauf-DM ein Comeback, mit dem viele nicht mehr gerechnet hatten.

"Ich wollte schon mit dem Sport aufhören, schwanger werden oder irgendwas", erzählt Angermüller vor ihrer Rückkehr. Sie war verzweifelt, konnte keinen Arzt mehr sehen.

Die Olympia-Elfte hatte die besten Schulmediziner in Berlin aufgesucht, bekam Spritzen in den Bauch, Kortison - nichts half. "Ich war am Tiefpunkt", sagt die Kurz- und Mittelstrecken-Spezialistin.

Erste Symptome an Weihnachten

Weihnachten 2011 fing alles an. Angermüller bemerkte größere Flecken auf ihrer Haut. Sie fühlte sich schlapp, müde, hundeelend, hatte Schmerzen in der Bauchgegend. Ihr Zustand verschlechterte sich.

"Die Augen schwollen an, meine Lippen sahen aus, als hätte ich eine Schönheitsoperation hinter mir", erzählt die gebürtige Berlinerin. An Sport war nicht mehr zu den denken. Im Januar ging sie vom Eis.

Ex-Trainer hilft

Die Wende kam, als sie zufällig ihren alten Trainer Uwe Hüttenrauch traf. "Der sagte zu mir: Jetzt reichts mir. Hier hast Du eine Telefonnummer. Da gehst Du morgen hin."

Am nächsten Tag stand sie bei Cornelius Reincke in der Praxis. Der Sportmediziner und Immunologe schaute einmal auf die Befunde und blickte sie an - voller Zuversicht. `Er wusste sofort, was ich habe. Eine Histamin-Intoleranz."

Rotstift beim Einkaufszettel

Reinke ordnete eine Umstellung der Ernährung an. Tomaten, Schinken, Käse, Salami und Weizenbier verschwanden vom Speiseplan.

Nach nur wenigen Tagen stellte sich eine Besserung ein. "Ich merkte, dass ich wieder zu Kraft kam", sagt Angermüller. Im Mai nahm sie das Training wieder auf. Jetzt folgt der erste Wettkampf. "Unser Teamarzt Dr. Lutz rief mich an und sagte: Monique, das ist ein kleines Wunder."(DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender 2012/13)

Mitbringsel aus Kasachstan

Angermüller, die selbst immer gerne Medizin studieren wollte, las fortan medizinische Fachtexte. Schnell wurde ihr einiges klar.

"Ich denke, dass ich mir beim Weltcup in Kasachstan die Krankheit eingefangen habe", sagt Angermüller. Dabei kann der Darm das Hormon Histamin nicht mehr ausreichend abbauen. `Bei mir drang das über die Haut nach außen", glaubt Angermüller.

Ärzte fordern Selbsthilfegruppe

Jetzt scheint das Problem gelöst. "Die Ärzte wundern sich alle und sagen, ich solle mit meiner Geschichte eine Selbsthilfegruppe eröffnen", berichtet Angermüller. Großen Anteil an ihrer Heilung hat Sportmediziner Reincke, der früher auch für den Verband der Eisschnellläufer arbeitete, ehe es zu Zerwürfnissen kam.

Start ohne Erwartungen

Gestärkt, aber noch nicht bei 100 Prozent, geht Angermüller aktuell aufs Eis. Bei den nationalen Titelkämpfen startet sie über 1000 und 1500 m."Die Erwartungen sind nicht hoch. Es geht nicht um Bestzeiten. Es ist eine Zwischensaison", sagt die Blondine. Ihr großes Ziel ist Olympia 2014 in Sotschi - dann aber ohne Histamin-Intoleranz.

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