Christoph Langen (l., mit Thomas Florschütz) ist seit Juli 2010 Bundestrainer des Bobkaders © imago

Trotz Verletzungen und Material-Problemen in der Vorbereitung stellt Bundestrainer Langen hohe Ansprüche an seine Teams.

Lake Placid/Berlin - Nur das verschmitzte Lächeln im Gesicht von Christoph Langen verriet, dass man seine forsche Ansage nicht so ganz ernst nehmen sollte.

"Drei Goldmedaillen bei der WM - dann bin ich zufrieden", sagte der Bob-Bundestrainer vor dem Saisonstart am Freitag beim Weltcup in Lake Placid (USA) über sein Hauptziel in diesem Winter.

Die Maximalausbeute bei den Titelkämpfen im Bob-Mekka St. Moritz (25. Januar bis 3. Februar) ist aber vorerst nur ein Traum, die Realität sieht etwas anders aus.

Die Vorbereitung auf die vorolympische Saison wurde von einigen Verletzungen und Erkrankungen getrübt, auch in Sachen Material und Athletik lief es nicht optimal.

Deutsches Team geschlossen stark

Dennoch herrscht im deutschen Lager überwiegend Zuversicht (SERVICE: Alles zum Wintersport).

"Jedes unserer Teams kann gewinnen", sagte Langen.

Ein Grund dafür sei vor allem die enorme Leistungsdichte innerhalb der deutschen Mannschaft: "Wer sich intern durchsetzt, der redet auch international ein Wörtchen mit."

Verletzungen plagen Top-Athleten

Doch wie schnell die deutschen Teams wirklich sind, wissen sie selbst nicht so genau.

Die langen Ausfälle von verletzten Top-Anschiebern wie Kevin Kuske (Potsdam) oder Petra Lammert (Potsdam) wiegen schwer, zudem beendete die starke Anschieberin Romy Logsch, die nach ihrem Horror-Sturz bei Olympia in Whistler immer wieder über Schmerzen im Fuß klagte, ihre Karriere.

"So ist leider das Geschäft, damit müssen wir leben", sagte Langen: "Wenn im Dezember wieder alle an Bord sind, dann wird unsere Truppe noch schlagkräftiger sein."

"Stimmung nicht so gut"

Doch es gibt auch andere Probleme. Mit den Startzeiten der Bobs ist Langen nicht restlos zufrieden, obwohl er seit seiner Ernennung zum Bundestrainer vor zwei Jahren auf ein verstärktes Athletiktraining drängt.

Der Olympiazweite Thomas Florschütz, der wegen Trainingsrückstands bei den ersten drei Weltcups in Übersee nicht startet, gab zu: "Bei allen fehlen noch ein paar Prozentpunkte, deswegen ist die Stimmung gerade nicht so gut. Jetzt müssen sich alle den Hintern aufreißen und Gas geben."

Junges Team am Start

Durch den Verzicht von Florschütz geht in Lake Placid, Park City (16./17. November) und Whistler (23./24. November) das jüngste Männer-Team in der 101-jährigen Geschichte des deutschen Verbandes an den Start.

Ex-Weltmeister Manuel Machata (Potsdam), Vierer-Europameister Maximilian Arndt (Oberhof) und Junioren-Weltmeister Francesco Friedrich (Oberbärenburg) bringen es im Schnitt auf nur 25 Jahre.

Doch kein neues Material

Shootingstar Arndt und Youngster Friedrich wollten in den internen Selektionsrennen eigentlich schon mit neuen Schlitten an den Start gehen, doch nach durchwachsenen Trainingseindrücken war ihnen das Risiko zu groß.

Einen Material-Rückschlag mit Blick auf Olympia 2014 in Sotschi sieht Langen deswegen aber nicht: "Das kann beim nächsten Test schon wieder ganz anders aussehen. Ich mache mir da keine Sorgen."

Unterschiedliche Stärken

Ein paar Sorgen macht sich dagegen Europameisterin Cathleen Martini, die wegen einer Wadenverletzung die internen Ausscheidungsrennen auslassen musste.

Während Ex-Anschieberin Anja Schneiderheinze (Erfurt) ihre Stärken am Start ausspielen möchte, setzt die WM-Zweite Sandra Kiriasis (Winterberg) auf ihre Fahrkünste in der Eisrinne: "Ich bin schon ein altes Mädchen, da geht es am Start nicht mehr so gut. Das muss ich an den Lenkseilen richten."

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