Manuel Machata holte bei der WM 2011 Gold im Vierer und Silber im Zweier © imago

Erst Shootingstar, dann Sorgenkind: Nach der enttäuschenden Vorsaison will Ex-Weltmeister Machata seine Lehren gezogen haben.

Lake Placid/Berlin - Mit seinem akkurat gestutzten Bart könnte Manuel Machata durchaus auch als Türsteher oder als Sänger einer Hard-Rock-Band durchgehen.

Dieser Bart verleiht dem ohnehin kantigen Bayern etwas Bedrohliches. Vielleicht ist das ja so gewollt, denn der Bobpilot, der "Machete" genannt wird, nimmt für den Erfolg in der neuen Saison keine Rücksicht - am wenigsten auf sich selbst.

"Ich habe alles Private hinten angestellt. Meine Maxime im Sommer war, jede Form der Ablenkung zu vermeiden", sagte Machata vor dem Weltcupstart am Freitag in Lake Placid (USA).

Hinter der Trainingswut der vergangenen Monate im Kraftraum und im Eiskanal steckt das bittere Eingeständnis: Im letzten Jahr war die Ablenkung wohl zu groß gewesen. (SERVICE: Alles zum Wintersport)

Zuviel Ablenkung nach Gala-Saison

Noch im Sommer 2011 genoss der für den SC Potsdam startende Berchtesgadener den Rummel um seine grandiose Premierensaison mit WM-Triumph und Weltcup-Gesamtsieg in der Königsdisziplin Vierer.

Pressetermine, Ehrungen, PR-Aktionen - Machata wollte seine Rolle als Shootingstar in der Öffentlichkeit gerecht werden - nicht nur aus Eigeninteresse.

Die Kalenderfotos des halbnackten Fahrers und seiner Anschieber sollten Werbung für den Bobsport sein - stattdessen wurden sie zum bildhaften Argument für seine Kritiker, die ihm fehlende Fokussierung vorwarfen.

Machata zieht bittere Lehre

Zwar konnte der Berufssoldat die vergangene Saison mit WM-Bronze im Vierer noch einigermaßen retten, doch die Erwartungen an ihn waren höher.

"Wenn man als Weltmeister Dritter wird, dann fragt jeder: Ja, was ist denn mit dir los?", sagt der 28-Jährige, der eine bittere Lehre aus der Vorsaison gezogen hat: "Wenn man nur ein bisschen nachlässt, rächt sich das sofort."

Mehr Kraft für besseren Start

Das soll ihm in diesem Winter nicht passieren, zumal Olympia 2014 in Sotschi immer näher rückt.

Seine Kraftwerte seien viel besser geworden, die teilweise großen Zeitrückstände beim Start, so hofft Machata, gehören der Vergangenheit an: "Im letzten Jahr hatte ich einen Hänger, aber ich bin wieder topmotiviert und gebe Vollgas. "

Bundestrainer noch zurückhaltend

Drei Siege in vier internen Weltcup-Ausscheidungsrennen bestätigen das, dennoch ist Bundestrainer Christoph Langen noch zurückhaltend.

"Ich gehe davon aus, dass Manuel gut trainiert hat, denn das ist sein Job. Letztes Jahr hat er das nicht so gemacht - und dafür hat er die Rechnung bekommen", sagte der ehemalige Weltklasse-Pilot.

Poser ersetzt Bredau

Seinen Zweier-Anschieber Andreas Bredau hat Machata ans Team des Olympia-Zweiten Thomas Florschütz verloren.

Bredaus Job soll nun Christian Poser übernehmen, der zwar mit seinen 95 Kilogramm Körpergewicht etwas zu leicht ist, "aber bislang bin ich zufrieden", sagt Machata.

Mit sich selbst dürfte er erst wieder ganz zufrieden sein, wenn er am Ende des Winters wieder da steht, wo er schon einmal war: ganz oben.

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