Simon Schempp zog als Schlussläufer gegen den Russen Schipulin den Kürzeren © getty

Hauchdünn verpasst die deutsche Männerstaffel den ersten Sieg seit knapp drei Jahren. Die Leistung stimmt dennoch optimistisch.

Le Grand-Bornand - Simon Schempp griff an, kämpfte wie ein Verrückter - und musste sich am Ende doch geschlagen geben: Am Tag nach dem Erfolg der deutschen Biathletinnen haben die deutschen Männer ihren ersten Staffelsieg seit 1055 Tagen nur um 0,3 Sekunden verpasst (DATENCENTER: Ergebnisse Annecy).

Beim Weltcup im französischen Le Grand-Bornand zeigte das Quartett des Deutschen Skiverbandes (DSV) mit Erik Lesser (Frankenhain/zwei Nachlader), Andreas Birnbacher (Schleching/1), Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld/1) und Schempp (Uhingen/1) eine hervorragende Leistung und weckte beim Sieg der russischen Staffel berechtigte Hoffnungen auf olympisches Edelmetall.

Auf den dritten Platz lief das Team aus Österreich (26,8 Sekunden zurück).

Schipulin im Spurt zu stark

"Ich habe versucht, hinter Anton Schipulin herzulaufen. Er hat auf der letzten Runde immer mal wieder angerissen und das Tempo hochgehalten, ich habe alles versucht", sagte Schempp im "ZDF" kurz nach dem dramatischen Finale noch außer Atem: "Aber er ist ein sehr starker Spurter. Leider hat es nicht gereicht."

Als Führender hatte Schempp das letzte Schießen in Angriff genommen.

Ein Nachlader leistete er sich dabei und ermöglichte Schipulin so aufzuschließen. Auf der Schlussrunde griff Schempp nochmal an, im Sprint setzte sich allerdings der Russe durch.

Lesser ins Team gerutscht

"Es kribbelt schon, wenn man als Erster in die Loipe geht, aber im Rennen vergisst man das schnell. Wir haben alle ein gutes und ordentliches Rennen gezeigt und können sehr zufrieden sein", sagte Schempp.

Lesser war im Vergleich zur ersten Staffel am vergangenen Wochenende in Hochfilzen, wo das DSV-Quartett den sechsten Rang belegt hatte, für Daniel Böhm als Startläufer in das Team gerutscht.

Der 25-Jährige bot auch eine ganz starke Vorstellung, übergab mit 13,2 Sekunden Vorsprung als Führender an Routinier Birnbacher.

Birnbacher zufrieden

"Ich wollte von Anfang an vorne sein, weil man dann ruhig laufen kann. Unser Material fühlte sich gut an, da muss ich ein großes Lob an unsere Techniker aussprechen. Die reißen sich jeden Tag den Arsch auf, wir müssen es dann nur umsetzen", sagte Lesser.

Dessen Steilvorlage nahm der 32-jährige Birnbacher, der sich nach einer Knieverletzung im Sommer und einer Erkältung zum Weltcup-Auftakt noch nicht in Topform befindet, dankend an.

"Ich habe versucht, mich auf das Schießen zu freuen. Und ich habe gemerkt, dass es gut geht, da ich die Ruhe gefunden habe. Die letzte Runde war sehr hart, aber ich denke, es war ein gutes Rennen von mir", sagte der Bayer, der den Vorsprung der deutschen Mannschaft nochmals minimal ausbaute.

Peiffer hält Vorsprung

An dritter Position laufend setzte auch der frühere Sprint-Weltmeister Peiffer die deutsche Galavorstellung fort. Energisch in der Loipe, abgeklärt am Schießstand - Peiffer knüpfte an Topleistungen vergangener Tage an und hielt den Vorsprung der Konkurrenz konstant.

"Ich war ganz alleine unterwegs, das kommt ja nicht so oft vor. Das war ein schönes Gefühl und ich freue mich, dass ich Simon einen Puffer mitgeben konnte", sagte Peiffer.

Einzelrennen am Wochenende

Sein Teamkollege versuchte alles - am Ende ging ihm aber die Luft aus.

Nach den beiden Staffeln wird der Weltcup am Wochenende mit den Einzelrennen (ab 10:30 Uhr im LIVE-TICKER) fortgesetzt. Am Samstag stehen zunächst die Sprints auf dem Programm.

Nach den Verfolgungsrennen am Sonntag verabschieden sich die Skijäger dann in eine kurze Weihnachtspause.

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