Laura Dahlmeier (l.) ist in Sotschi, Franziska Preuß fehlt noch ein Top-15-Resultat © getty

Der große Erfolg bleibt bisher aus. Dennoch gibt es positive Tendenzen. Gössners Schicksal stimmt nachdenklich. Zwischenbilanz.

Aus Hochfilzen berichtet Andreas Kloo

Hochfilzen - Nicht einmal mehr zwei Monate sind es, bis die deutschen Biathleten in Sotschi um olympische Medaillen kämpfen werden.

Fünfmal Edelmetall holten sich die deutschen Skijäger bei den Spielen in Vancouver 2010.

Nach den ersten beiden Weltcup-Stationen dieses Winters mit nur einer Podestplatzierung verfestigt sich der Eindruck, dass es schwer werden wird, diese Bilanz zu wiederholen.

Wobei ein Vergleich mit der goldenen Ära um Magdalena Neuner und Co. natürlich von vorneherein hinkt.

Die Rennen in Hochfilzen haben aber zumindest gezeigt, dass der DSV alles andere als chancenlos nach Sotschi reisen wird (DATENCENTER: Ergebnisse Hochfilzen).

SPORT1 zieht eine Zwischenbilanz:

Hoffnungsschimmer:

Anlass zu Optimismus auch über Sotschi hinaus geben bei den Damen vor allem die beiden Jüngsten, Laura Dahlmeier und Franziska Preuß (BERICHT: Happy End dank Tunnel-Laura)

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Beide absolvieren in diesem Winter ihre allererste komplette Weltcup-Saison und bringen schon bessere Leistungen als viele alte Hasen im Weltcup-Zirkus.

Dahlmeier hat sich das Ticket für Sotschi bereits gesichert, Preuß fehlt nur noch ein weiterer Platz unter den besten 15 für die Qualifikation.

Damen-Bundestrainer Gerald Hönig spricht von einem echten Gewinn für die Mannschaft: "Wir wussten, dass wir zwei richtig gute Athletinnen in die Mannschaft kriegen. Durch die beiden kam Bewegung in die Mannschaft, und Reibung schafft Leistung."

Dahlmeier sicherte mit ihrem furiosen Auftritt als Schlussläuferin der Damen-Staffel in Hochfilzen Rang zwei. Sie knüpfte damit an die Leistung bei der WM in Nove Mesto und bei der Olympia-Generalprobe in Sotschi an.

Den verantwortungsvollen Job als Nummer vier im Quartett hat sie fast schon sicher.

Zudem ist sie mit ihren starken Schießleistungen auch eine Medaillenkandidatin für das Einzelrennen über 15 Kilometer.

Von ihrer Zimmerkollegin Preuß erwarten die deutschen Coaches in diesem Winter ebenfalls noch einiges.

"Da ist noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, sie kann noch mehr", versprach Hönig.

Im September hatte die 19-Jährige mit drei Titeln bei den Deutschen Meisterschaften bereits ihr Können aufblitzen lassen.

Mehr und mehr legt sie auch ihre Nervosität ab.

Herren stark mit dem Gewehr

Die Herren zeigten beim Auftakt in Östersund - von Daniel Böhm abgesehen - Probleme am Schießstand.

In Hochfilzen war eine deutliche Steigerung bei den Leistungen mit dem Gewehr zu erkennen. Die Folge: zwei starke Mannschaftsergebnisse in Sprint und Verfolgung, als sich jeweils vier DSV-Athleten unter den besten 15 platzierten.

Bundestrainer Uwe Müssiggang hatte mit dieser Steigerung fest gerechnet: "Wir wissen, was sie können, weil sie das im Training gezeigt haben. Das haben sie jetzt lediglich bestätigt. Es sind jetzt keine Wunderdinge passiert."

Die mannschaftliche Ausgeglichenheit lässt für die Herren-Staffel in Sotschi einiges erwarten.

"Die Staffel-Medaille werden wir auf jeden Fall ins Auge fassen, wir können aber auch eine Einzelmedaille anvisieren. Man hat aber gesehen, dass am Renntag nicht der kleinste Fehler passieren darf."

Woran es noch hakt:

Ausgerechnet die beiden erfahrensten Athleten suchen noch nach ihrer Topform. Dabei schien sie Andrea Henkel bereits vor Saisonstart gefunden zu haben.

In Norwegen gewann sie direkt hintereinander zwei Testrennen.

"Ihre zwei Testrennen in Sjusoen waren vom Feinsten. Diese Lockerheit, die sie dort gehabt, die sucht sie jetzt", erklärt Hönig.

Andi Birnbacher wurde im Sommer durch einen Innenbandriss ausgebremst und fing sich dann in Östersund eine Erkältung ein.

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In Hochfilzen fehlte ihm an den ersten beiden Renntagen noch die Sicherheit am Schießstand. "Ich bin noch nicht richtig in der Wettkampfroutine drin", gab er am Samstag zu, nachdem er mit zwei Strafrunden die DSV-Staffel um einen Podestplatz gebracht hatte.

Am Sonntag in der Verfolgung zeigte die Leistungskurve beim Oberbayern aber bereits nach oben. Von Rang 33 aus arbeitete er sich bis auf Platz 15 nach vorne.

Die Sorgenkinder:

Miriam Gössner schien noch im vergangenen Winter die größte deutsche Goldhoffnung im Biathlon zu sein. (BERICHT: Rätselraten um traurige Gössner)

Drei Weltcupsiege feierte sie in der Vorsaison. Doch nach ihrem schlimmen Fahrradsturz im Mai ist alles anders. Man darf froh sein, dass sie ihre Karriere nicht beenden musste.

Ihren Traum von einer Olympia-Medaille hat sie aber noch nicht aufgegeben. Derzeit ist sie aber so weit davon entfernt wie Sotschi von rein positiven Schlagzeilen. Die Plätze 48, 47 und 58 stehen bislang für sie zu Buche.

Das Ausblenden der ständigen Rückenschmerzen als Folge der Lendenwirbelbrüche kostet sie mental viel Kraft.

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Offenbar fehlt ihr diese Energie dann aber am Schießstand. In Hochfilzen setzte sie jeden zweiten Schuss neben das Ziel.

"Sie stellt sich diesen Schmerzen, sie kann damit immer besser umgehen. Es ist wichtig, dass sie jetzt Rennen hat und dadurch wieder zurück in die Weltspitze findet. Dann wird sie auch ruhiger und abgeklärter am Schießstand", gab Hönig zuletzt als grundsätzliche Parole aus.

Doch es besteht auch die Gefahr, dass Gössners Selbstvertrauen zu sehr unter den Negativerlebnissen am Schießstand leidet. Denn nach Aussagen der Coaches zeigt sie sich im Training durchaus als starke Schützin.

Und dann ist da noch Evi Sachenbacher-Stehle. Die Langlauf-Olympiasiegerin trat nach Rang 62 im Sprint verfrüht die Heimreise aus Hochfilzen an.

Der Druck wird für die 33-Jährige größer. Die erste Saison nach ihrem Wechsel zum Biathlon hatte sie noch zum Übergangsjahr erklärt. In diesem Winter aber muss sie liefern, schon allein die Olympia-Qualifikation wird aber in den nächsten Wochen ein hartes Stück Arbeit für sie.

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