Martin Fourcade gewann bei Weltmeisterschaften fünf Gold-Medaillen © getty

Martin Fourcade ist im Weltcup allen überlegen und strebt seinen dritten Gesamtsieg an - was zuletzt sein großer Landsmann schaffte.

Von Sebastian Krause

München - Wenn man an Frankreich und Biathlon denkt, dann wird einem wohl nicht viel einfallen. Das Nachbarland hat in dieser Sportart nun wahrlich noch nicht viel bewegt.

In diesem Winter bekommen die Franzosen zum ersten Mal in diesem Jahrtausend die Chance einen Biathlon-Weltcup auszutragen.

Ab Donnerstag (14.15 Uhr LIVE-TICKER) starten die Ski-Jäger nach Annecy-Le Grand Bornand, der Region, die sich um die Olympischen Winterspiele 2018 beworben hatte - und mit lediglich sieben Ja-Stimmen sang- und klanglos abgelehnt wurde.

Trotz der geringen Popularität im eigenen Land ist Martin Fourcade aktuell der Biathleth, der alle überragt: Die Deutschen, die Norweger, die Schweden und auch die Russen.

Die Vorfreude auf sein Heimrennen ist dementsprechend groß: "Ich freue mich auf meine Rückkehr nach Frankreich, ich war seit mehreren Wochen nicht mehr dort. Das werden schöne Rennen dort werden", sagte Fourcade in Hochfilzen.

Rekorde, Rekorde, Rekorde

Der 25-Jährige hat in den letzten beiden Jahren den Gesamtweltcup nicht nur gewonnen - er hat ihn speziell im letzten Winter dominiert. Dabei gelang ihm ein Kunststück, dass bei den Herren zuvor nur der große Raphael Poiree schaffte: Der Gewinn sämtlicher Kristallkugeln in einer Saison.

Doch damit nicht genug: Mit 1248 Punkten stellte der jüngere Bruder von Simon Fourcade einen neuen Punkterekord auf. Landsmann Poiree schaffte in seiner besten Saison 2003/2004 gerade einmal 1010 Punkte.

Es verwundert daher auch nicht, dass der Silbermedaillengewinner im Massenstart bei Olympia 2010 in Vancouver bei insgesamt 26 Rennen 19-mal auf dem Podest stand ? ebenfalls Rekord.

Erfolg führte zum Streit

Die Erfolge der vergangenen Jahre brachten dem "kleinen" Fourcade viel Ansehen, Anerkennung und Beachtung - aber eben auch dunkle Seiten.

Der größte Schatten, der über ihn schwebt, ist ausgerechnet Bruder Simon. Von den Errungenschaften Martins kann Simon nur träumen: Größter Erfolg des vier Jahre Älteren ist Gold in der Mixed-Staffel bei der WM im südkoreanischen Pyeongchang 2009.

"Es ist ja offensichtlich, dass er besser ist als ich. Da muss ich schon zugeben, dass ich zu Beginn schwer damit zu kämpfen hatte", gestand Simon bei Laola1.at.

Das ansonsten gute Verhältnis der beiden musste eine harte Probe überstehen, Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten waren ihr ständiger Begleiter.

Olympische Tränen des Bruders

Trauriger Höhepunkt der inneren Zerrissenheit des Bruders war ausgerechnet Martins Olympische Silber-Medaille im Massenstart. Simon wurde bei dem Rennen nur 14. und durfte sich wie so oft die Zeremonie aus der Entfernung anschauen.

Martins Siegerlächeln schien die ganze Welt zu erfreuen, als er im Publikum ein in sich aufgelöstes Gesicht entdeckte: "Ich habe meinen Bruder weinen sehen, das war schrecklich", erzählte er.

Mittelweile haben sich beide mit ihrem Schicksal abgefunden - Simon wohl mehr als Martin. "Unsere Beziehung hat sich nach meiner Silbermedaille geändert. Jeder geht eben seinen Weg", sagt Martin, der im Hause Fourcade auch in Zukunft für die großen Erfolge zuständig ist.

Schon wieder auf Rekordkurs

Und an Siegen hat der Ausnahme-Athlet auch in diesem Winter schon wieder reichlich. Von den bislang vier ausgetragenen Einzel-Rennen hat Fourcade drei gewonnen. Nur im Sprint in Hochfilzen musste er sich völlig überraschend den bärenstark laufenden Lars Berger aus Norwegen geschlagen geben und mit Platz zwei vorlieb nehmen.

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Mit seinem anschließenden Erfolg in der Verfolgung vom vergangenen Wochenenden in Tirol hat sich der nun 27-fache Weltcupsieger ganz nebenbei in den Geschichtsbüchern seines Sports verewigt. Es war sein zwölfter Auftritt bei einer Siegerehrung in Folge - einsamer Rekord im Biathlon-Zirkus.

Vorsprung durch Technik

Seinem Siegeszug verdankt der aus der südfranzösischen Kleinstadt Ceret Stammende gleich mehreren Eigenschaften: Seiner Spurtfähigkeit, enormen Ausdauer und der sehr feinen Langlauftechnik. "Martin Fourcade gleitet über den Schnee, er kann dank seiner vorzüglichen Technik ein Rennen dominieren", schwärmt der deutsche Cheftrainer Uwe Müssiggang.

Aber auch beim Schießen hat sich Fourcade gesteigert und setzt zunehmend auf den Faktor Sicherheit - was beispielsweise seine 20 Treffer im Einzel in Östersund belegen. Die wenigen Sekunden, die er durch das etwas langsamere Schießen verliert, holt er meist problemlos wieder auf.

Nicht alles ist perfekt

Trotz seiner großen körperlichen sowie mentalen Stärke sind auch bei einem derartigen Überflieger gelegentlich Blackouts festzustellen - was oftmals an die zurückgetretene Magdalena Neuner erinnert.

Der Weltcupführende kam in der Mixed-Staffel von Östersund deutlich in Führung liegend zum letzten Stehendschießen, verfehlte drei Scheiben und ließ regelwidrig einen Nachlader ungenutzt. Als er mit seiner Staffel im Ziel als Dritter ankam, brummte ihn die Jury zusätzlich eine Zwei-Minuten-Strafe auf ? die französische Staffel rutschte auf den fünften Platz zurück.

Weltcup wohl nur über Fourcade

Dennoch ist es in diesem Jahr erneut schwer vorstellbar, dass ein anderer Biathlet den Gesamtweltcup gewinnen kann - die Konstanz ist fast übermächtig.

Während die Konkurrenz aus den Biathlon Groß-Nationen mit Form-, Lauf- oder Schießschwächen zu kämpfen hat, peilt der Franzose bereits jetzt seinen dritten Gesamtweltcup in Folge an.

Er wäre dann der legitime Nachfolger des großen Raphael Poiree.

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