Miriam Gössner gewann zweimal WM-Gold mit der Staffel © getty

Gössner erleidet bei der Verfolgung von Hochfilzen einen Rückschlag bei dem Unternehmen Olympia. Eine Rennpause steht im Raum.

Aus Hochfilzen berichtet Andreas Kloo

Hochfilzen - Als die beste Deutsche an diesem Tag, Franziska Preuß, schon die ersten Interviews gab, war Miriam Gössner noch auf der Strecke unterwegs.

Nach zehn Schießfehlern war sie in der Verfolgung von Hochfilzen hoffnungslos ins Hintertreffen geraten, fast eine komplette Runde hatte die 23-Jährige Rückstand auf die Besten.

Unermüdlich feuerten die deutschen Fans die Blondine an, aber das Schießen wollte ihr am Sonntag überhaupt nicht gelingen.

Jeweils dreimal ballerte sie bei den ersten drei Besuchen am Schießstand daneben, beim letzten Schießen kam noch eine weitere Strafrunde hinzu.

Tränen unter der Sonnenbrille

Als 58. und Vorletzte kam sie schließlich frustriert ins Ziel.

"Ich kann mir selbst nicht erklären, was am Schießstand los war", zeigte sie sich nach den Rennen ratlos.

Zum Auslaufen kehrte sie mit einer Sonnenbrille zurück, wohl auch um die darunter kullernden Tränen zu verdecken.

Teamkollegin Laura Dahlmeier tat zwar alles um Gössner aufzubauen, klopfte ihr auf die Schulter und nahm sie in den Arm.

Aber für Gössner bedeutete das enttäuschende Erlebnis vom Sonntag einen Rückschlag auf ihrem Weg Richtung Olympischer Spiele in Sotschi.

Hoffnungsvoller Aufwärtstrend gestoppt

Dabei schien zuletzt das Glück zu Gössner zurückgekehrt zu sein nach ihrem schlimmen Fahrradunfall.

Im Mai war sie haarscharf an der Querschnittslähmung vorbeigeschrammt, im Juni konnte sie kaum gehen, erst im August begann sie mit dem Skirollertraining.

Und doch lief sie im November bei einem hochklassig besetzten Testrennen in Norwegen bereits in die Top 10. Schneller als erwartet kehrte sie ins Weltcup-Team zurück.

Rätselraten beim Bundestrainer

Läuferisch ist die zweimalige Langlauf-Medaillengewinnerin tatsächlich schon wieder in guter Form, aber ihre Probleme am Schießstand bekommt sie nicht in den Griff. Auch die Trainer finden nicht so recht eine Erklärung dafür.

"Wir können es nicht nachvollziehen, was mit ihr heute gewesen ist. Sie hat sehr gut angeschossen und hatte auch sehr gute Trainingstage. Die Schießeinlagen heute waren aber wirklich schlecht. Man konnte nicht mal eine Tendenz erkenn, die Schüsse waren sehr verstreut", rätselte Damen-Bundestrainer Gerald Hönig.

"Die Motivation ist dahin"

Stellt sich die Frage, wie es nun mit Gössner weitergeht.

Sie benötigt Wettkampfpraxis und für die Olympia-Qualifikation zudem zwei Platzierungen unter den besten 15.

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Dennoch ist es gut möglich, dass sie einige der nächsten Weltcup-Rennen auslässt ? auch um weitere niederschmetternde Erlebnisse wie in Hochfilzen zu vermeiden.

Denn Spaß machte ihr das Rennen am Sonntag keinen: "Nach den vielen Fehlern ist die Motivation natürlich dahin", gab sie zu.

Rennpause denkbar

Wie Gössners Wettkampfprogramm beim Weltcup im französischen Annecy in der kommenden Woche aussieht und ob sie dort überhaupt antritt, konnte Hönig auf SPORT1-Nachfrage am Sonntag noch nicht sagen.

"Sie braucht zweifellos Rennen, aber es muss Sinn machen. Die Psyche spielt eine große Rolle"?, erklärte Hönig.

Die Trainer werden nach Gesprächen mit Gössner in den nächsten Tagen das weitere Vorgehen erörtern.

Preuß gibt Grund zur Freude

Während Gössner den Coaches Sorgen bereitet, war mal wieder eines der beiden Biathlon-Küken für den Lichtblick bei den Damen zuständig.

Die 19-jährige Franziska Preuß schaffte mit Rang zwölf die halbe Olympia-Qualifikation, Hönig zog den Hut vor der gebürtigen Wasserburgerin: "Wenn man sieht, mit was für großen Namen sie auf der Schlussrunde gefightet hat. Das muss man erst mal machen, sie ist ja doch eine sehr junge Juniorin."?

Für Preuß ist der Biathlon-Weltcup ein vollkommen neues Erlebnis, das sie in vollen Zügen genießt: "Es hat total Spaß gemacht vor den Fans zu laufen, die einen auf der Strecke so toll anfeuern."?

Ihre steile sportliche Entwicklung überrascht die dreifache Jugend-Olympiasiegerin selbst ein wenig: "Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht."

Schempp vergibt letzten Schuss

Positiv ist auch die Tendenz bei den deutschen Herren, obwohl es am Sonntag noch immer nicht zum ersehnten ersten Podestplatz des Winters reichte.

Simon Schempp war in der Verfolgung drauf und dran, einen Platz auf dem Podium zu ergattern.

Als Zweitplatzierter kam er zum letzten Schießen und setzte dann ausgerechnet den allerletzten Schuss daneben.

"Wenn man 19 trifft, kann man auch den Zwanzigsten treffen"?, ärgerte er sich ein wenig, fügte aber hinzu: "Ich bin sehr zufrieden mit meinem Rennen."

Im November war der 25-Jährige zwei Wochen krank und hat deshalb noch etwas konditionellen Rückstand. Auf der Schlussrunde musste er so im Duell mit dem starken Duo Ustjugov und Björndalen abreißen lassen.

"Ich hoffe dass ich die nächsten Tage noch bisschen besser in Schwung komme. Das Schießen klappt sehr gut, da bin ich sehr zufrieden damit", lautete Schempps Fazit.

Mannschaftliche Geschlossenheit

Bundestrainer Uwe Müssiggang war ebenfalls nicht unzufrieden mit den Herren: ?"Wir haben mannschaftlich ein sehr gutes Ergebnis gebracht", sagte er mit Blick auf vier Deutsche unter den besten 15.

Im Sprint war ein DSV-Quartett gar unter den besten Zwölf klassiert.

Nur das absolute Spitzenergebnis lässt noch auf sich warten.

Müssiggang resümierte: "Das ist das, was wir aus Hochfilzen mitnehmen, dass wir in Schlagdistanz sind. Aber fürs Podest muss alles passen, da darf nicht der kleinste Fehler passieren."

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