Die deutsche Damen-Staffel feiert in Hochfilzen ihren zweiten Platz © getty

Nach der furiosen Vorstellung der 20-jährigen Dahlmeier erklärt der Bundestrainer ihre Coolness, Henkel ihr Erfolgsgeheimnis.

Aus Hochfilzen berichtet Andreas Kloo

Hochfilzen - "Gut gemacht, Männer!", sagte Sportdirektor Thomas Pfüller und klopfte Cheftrainer Uwe Müssiggang und Damen-Bundestrainer Gerald Hönig auf die Schultern.

Mit ihrer Entscheidung für Laura Dahlmeier als Schlussläuferin der Damen-Staffel lagen die Coaches in der Tat goldrichtig.

Nachdem sich Franziska Hildebrand eine Strafrunde eingebrockt hatte, schienen die Chancen auf einen Podestplatz für das deutsche Team zu schwinden.

Dahlmeier bärenstark am Schlussanstieg

Aber die erst 20-jährige Dahlmeier ließ sich davon überhaupt nicht aus der Ruhe bringen.

"Komm, du machst das schon!", rief ihr Startläuferin und Zimmerkollegin Franziska Preuß vor dem Start zu - und Dahlmeier rechtefertigte das Vertrauen ihrer 19-jährigen Kameradin.

Mit zwei erstklassigen Vorstellungen am Schießstand blieb sie an der Französin Anais Bescond dran.

Am letzten Anstieg explodierte sie dann förmlich, hängte die lästige Rivalin locker ab und sicherte der DSV-Staffel Rang zwei hinter den siegreichen Ukrainerinnen.

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"Das macht so viel Spaß, es motiviert, wenn man gemeinsam auf die Schlussrunde geht. Vielleicht liegt mir die Position als Schlussläuferin einfach. Es ist sehr viel Verantwortung, aber ich mag das", sagte die glückliche Garmischerin im Ziel über ihre perfekt ausgefüllte Rolle.

Hönig: "Sie zieht ihr Ding durch"

Für Hönig kam die starke Leistung seines Schützlings alles andere als überraschend: "Die Laura überzeugt nicht nur durch ihr sehr sicheres Schießen sondern auch durch ihre kämpferische Vorstellung auf der Schlussrunde. Sie kann sich da so ausbelasten, dass selbst gestandene Weltspitzenathletinnen schwer tun, sie noch zu kriegen", beschrieb er ihre Qualitäten.

Beeindruckend war aber auch Dahlmeiers coole Vorstellung am Schießstand inmitten der gestandenen Weltklassebiathletinnen.

Aber auch dafür lieferte Hönig im Gespräch mit SPORT1 eine Erklärung:

"Ihr gelingt es, die Trainingsleistungen im Rennen unter höchsten mentalen Anforderungen umzusetzen und ruhig und kontrolliert zu bleiben, nicht hektisch zu werden und sich von den Ergebnissen auf den anderen Schießständen nicht anstecken zu lassen. Sie zieht ihr Ding durch, ist wie in einem Tunnel. Das macht sie richtig Klasse", lobte der Coach Dahlmeier.

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Drehbuch perfekt umgesetzt

Die Erleichterung über den ersten Podestplatz der deutschen Biathletinnen dieses Winters war Hönig anzumerken: "Die ersten Resultate waren nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben. Wir haben aber keine Panik aufkommen lassen, selbst gestern nach dem missratenen Sprint haben wir gesagt, wir haben eine schießstarke Truppe, heute konnten wir das andeuten."

Ein wenig war er auch stolz auf seine eigene richtige Aufstellungsentscheidung.

"Das war wie ein geschriebenes Drehbuch von uns heute. Es sind heute einige Dinge so aufgegangen, so wie wir es uns gewünscht haben", freute sich Hönig und zog vor Andrea Henkel den Hut:

"Die Andrea hat ein sehr gutes Rennen auf der Zwei gemacht und diesen kleinen Rückstand, den die Franzi Preuß hatte, sofort geschlossen. Das sollte sie machen und das ist ihr gelungen."

Weiter, immer weiter

Dabei hatte Henkel tags zuvor im Sprint mit vier Fehlern im Stehendschießen noch bitter enttäuscht.

Zurück in die Erfolgsspur am Schießstand hatte sie eine altbekannte Weisheit Oliver Kahns gebracht: "Man muss immer weitermachen, es ist nicht das erste Mal, dass ich einen schlechten Wettkampf hatte. Ich habe deswegen immer noch nicht aufgehört", erklärte die 36-Jährige SPORT1.

Birnbacher als Unglücksrabe

Andi Birnbacher konnte dieses Motto in der Herren-Staffel nicht umsetzen. Nach seinen drei Fehlern vom Freitag patzte er auch diesmal mit der Waffe und musste zweimal in die Strafrunde.

"Ich war immer einen Tick zu spät. Wenn man noch nicht drin ist im Wettkampfgeschehen, drückt man meist eine Zehntelsekunde zu spät. Das ist eine Kopfsache", lautete Birnbachers Erklärung für die Fehlschüsse.

Die Erfolgschancen für das deutsche Quartett waren so dahin, auch wenn Arnd Peiffer und Simon Schempp das Team zumindest noch von Rang 14 auf Rang sechs nach vorne brachten.

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