Martin Fourcade gewann die letzten beiden Jahre den Gesamtweltcup © getty

Die deutschen Herren profitieren in Tirol von ihren Startnummern. Der geschlagene Martin Fourcade spricht von unfairen Bedingungen.

Aus Hochfilzen berichtet Andreas Kloo

Hochfilzen - Martin Fourcade ist ein Mann der großen Gesten.

Bei seinem Einzelsieg in Östersund drehte er sich direkt nach dem letzten Schießen Richtung Publikum um und ließ sich feiern.

Beim Sprint in Hochfilzen wandte er den Blick beim Überqueren der Ziellinie vorwurfsvoll gen Himmel.

Petrus hatte es nicht gut gemeint mit dem Franzosen. Als er mit Nummer 69 ins 10-Kilometer-Rennen ging, wurde der Schneefall immer heftiger.

Fourcade hadert mit dem Schneefall

So reichte es für den Biathlon-Dominator der letzten beiden Jahre trotz einer fehlerfreien Vorstellung nicht zum Sieg, sondern nur zu Rang zwei.

?Die Schneebedingungen waren nicht wirklich fair. Bei meinen beiden Runden war viel Schnee auf der Strecke, es war sehr langsam, allein auf den Abfahrten habe ich elf Sekunden verloren, das ist nicht normal?, schimpfte er hinterher bei SPORT1.

Fourcade sprach von einem Startnummernrennen: ?Ein Blick auf die Ergebnisliste genügt doch, fast alle aus der ersten Startgruppe sind vorne gelandet.?

Berger wie Phönix aus der Asche

Das traf auch auf Sieger Lars Berger aus Norwegen zu. Zwei Strafrunden brockte sich der 34-Jährige ein und war am Ende dennoch schneller als der schnellste Läufer im Biathlon-Zirkus, Fourcade.

Zwar bewies Berger nicht zuletzt mit seinem Weltmeistertitel im Langlauf 2007 seine Stärke in der Loipe.

In den letzten Jahren war von ihm aber nichts mehr zu sehen gewesen, sein letzter Weltcup-Sieg liegt über drei Jahre zurück, zuletzt startete er gar nur in der Zweiten Liga des Biathlons, dem IBU-Cup.

Mit dem Sieg in Hochfilzen hatte er auch selbst nicht wirklich gerechnet. Ohne große Erwartungen ging er ins Rennen: ?Mein Ziel, war es gut zu schießen, und dann schauen, was passiert.?

Schempp angelt sich Olympia-Ticket

Auch der beste Deutsche des Tages profitierte von seiner niedrigen Startnummer. Simon Schempp ging als Achter in die Loipe und stand nach einem Schießfehler auch in der Endabrechnung auf diesem Platz.

Hinterher war er selbst ein wenig überrascht: ?Dass es gleich am Anfang so gut läuft, hätte ich nicht wirklich gedacht. Gleich auf Anhieb die Olympia-Qualifikation in der Tasche zu haben, ist optimal.?

Starke Schützen Böhm und Graf

Schempp führte in der Ergebnisliste ein deutsches Paket an. Auf den Rängen zehn bis zwölf reihten sich Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Florian Graf ein.

Die gute Leistung des Trios beruhte aber nicht auf der Startnummer, sondern resultierte aus einer starken Vorstellung am Schießstand. Böhm und Graf blieben jeweils fehlerfrei.

Böhm zieht Lehren

Vor allem Böhm hat seine Lehren aus den Vorjahren gezogen. Der einstige Staffel-Juniorenweltmeister konnte bislang nie sein Potential ausschöpfen. In den Vorjahren kam er nur sporadisch im Weltcup zum Einsatz.

Doch nun hat der 27-jährige Niedersachse an den richtigen Stellschrauben gedreht.

?Das Schießen ist die Basis für solch gute Ergebnisse, ich hoffe, dass ich daran anknüpfen kann?, sagte er nach seiner erneut überzeugenden Leistung. Das Ticket für Sotschi hatte er sich bereits in Östersund als Überraschungsfünfter gesichert.

Das gute deutsche Mannschaftsergebnis lässt für die Staffel (Sa., 14.30 Uhr im LIVE-TICKER) einiges erwarten.

Björndalen meldet sich zurück

Getoppt wurden die DSV-Skijäger nur noch durch die Norweger. Die ?Elche? belegten die Ränge 1,3,4 und 7.

Auf dem Podest meldete sich neben Berger auch Biathlon-König Ole Einar Björndalen zurück. Als er in der Vorsaison kein einziges Mal in einem Einzel-Rennen einen der ersten drei Plätze belegte, dachte man schon, nun nage der Zahn der Zeit auch an dem 39-Jährigen.

Aber wieder einmal belehrte der 93-fache Weltcupsieger als Dritter alle eines Besseren und gehört nun auch für Sotschi zu den heißen Medaillenkandidaten.

Anders als Fourcade bedankte sich Björndalen hinterher bei Petrus, der den Schnee geschickt hatte.

?Es war das Wetter für einen norwegischen Tag, ich mag dieses Wetter, ich bin sehr gerne hier in Hochfilzen.?

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