Miriam Gössner gewann 2010 Olympia-Silber mit der Langlauf-Staffel © getty

Miriam Gössner hat auch in Hochfilzen mit Rennausgang nichts zu tun. SPORT1 erklärt sie, worum es ihr nach dem Unfall geht.

Aus Hochfilzen berichtet Andreas Kloo

Hochfilzen - Diesmal fiel selbst Miriam Gössner das Lächeln schwer.

Abgekämpft stand sie im Zielraum von Hochfilzen und berichtete von ihren Leiden:

"Mein Rücken tut sehr weh", sagte die sonst so fröhliche Garmischerin.

Nach ihrem schlimmen Fahrradunfall sind die Schmerzen Gössners ständiger Begleiter.

Lautstarke Anfeuerung

Nun ist sie froh, wieder laufen zu können, froh, wieder durch die Loipe zu jagen.

Beim Sprint in Hochfilzen tat sie das - angefeuert von zehntausend Fans. Und nicht nur die deutschen Anhänger jubelten Gössner zu. Ihre Leidensgeschichte hat sich im Biathlon-Zirkus herumgesprochen.

Mit einem sportlichen Erfolg konnte sich Gössner bei den Anhängern nicht bedanken, im Vergleich zu ihrem ersten Rennen in Östersund steigerte sie sich um einen Platz auf Rang 47.

Aber das Ergebnis ist nach wie vor zweitrangig für sie.

"Es geht um jeden Meter"

Sie sieht die Rennen derzeit als Training unter Wettkampfbedingungen, wie sie SPORT1 erklärte:

"Es geht derzeit um jeden Meter, den ich unter Wettkampfbedingungen laufe. Deshalb versuche ich auch die letzte Runde nochmal schnell zu laufen. Ich versuche mich an das hohe Tempo zu gewöhnen um die Laktatvertäglichkeit wieder zu bekommen, weil mir die Einheiten vom ganzen Sommer noch fehlen."

Ihr Formaufbau ist voll auf die Olympischen Spiele im Februar ausgerichtet:

"Sotschi ist das große Ziel, und dafür kämpfe ich", stellte sie zuletzt immer wieder klar.

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Verzicht aufs Staffelrennen

Zwischendrin will sie sich immer wieder mal Pausen gönnen.

Auf einen Start im Staffelrennen am Samstag (11.30 Uhr im LIVE-TICKER) verzichtet sie (NEWS: Preuß gibt Staffel-Debüt).

"Ich bin froh, dass ich mir morgen keine Waffe auf den Rücken schnallen muss", sagte die Blondine am Freitag erleichtert.

Altbekannte Probleme am Schießstand

Die Waffe bereitet ihr nicht nur Schmerzen, sondern nach wie vor auch Probleme am Schießstand.

Läuferisch gehört sie trotz ihres großen Trainingsrückstandes beinahe wundersamerweise schon wieder zu den schnellsten Biathletinnen im Feld.

Aber am Schießstand blieben diesmal insgesamt fünf Scheiben stehen.

"Die Fehler beim Liegenschießen waren sehr ärgerlich, ich habe den Wind falsch eingeschätzt, ich hätte einfach nur bei rechts drehen müssen. Stehend war das Gefühl ganz gut, schätze die waren nicht so weit weg. Ich hoffe, dass ich es auch mal im Wettkampf umsetzen kann", kommentierte sie hinterher ihre Schießleistung.

Hönig sauer über Fahrkarten-Festival

Gössner war am Freitag nicht die einzige Deutsche, die am Schießstand patzte.

Evi Sachenbacher-Stehle musste fünf Mal in die Strafrunde und landete auf dem enttäuschenden 63. Rang. Olympiasiegerin Andrea Henkel ballerte beim Stehendschießen vier Mal daneben. Der 55. Platz ist für die erfahrene Athletin indiskutabel.

Bundestrainer Gerald Hönig verließ deshalb auch sichtlich angefressen den Schießstand. "Das darf uns nicht passieren", schimpfte er und stellte bei SPORT1 klar: "Die Bedingungen waren beherrschbar."

Kein Vergleich zu den Wetter-Turbulenzen am vergangenen Wochenende in Östersund, als die Biathletinnen mit starken Windböen zu kämpfen hatten und das Verfolgungsrennen schließlich abgebrochen wurde.

Küken als Lichtblicke

Einzige Lichtblicke aus DSV-Sicht waren die beiden Küken Laura Dahlmeier und Franziska Preuß.

Die 20-jährige Dahlmeier buchte als 15. das Olympia-Ticket für Sotschi und war hinterher glücklich:

"Ich bin sehr zufrieden, es ist supergut gelaufen", freute sie sich. Lediglich beim allerletzten Schuss patzte die Garmischerin und sie brachte sich um eine noch bessere Platzierung.

Respekt vor Zuschauerkulisse

Ihre 19-jährige Zimmerkollegin Preuß glänzte in der Loipe und gehörte zu den Laufschnellsten.

Nur beim Schießen lief es mit drei Fehlern nicht wie erwünscht.

Die Zuschauerkulisse mit 10.000 Fans flößte ihr an ihrem erst zweiten Weltcup-Wochenende offenbar noch zu viel Respekt ein.

"Man kann das nie ganz ausblenden, das ist doch etwas Neues für mich, die Atmosphäre hier, das ist nochmal eine hundertprozentige Steigerung im Vergleich zu Östersund", gab sie im Gespräch mit SPORT1 zu.

Gasparin schreibt Sportgeschichte

Etwas vollkommen Neues erlebte auch die Schweizerin Selina Gasparin.

Mit ihrem Sieg im Sekunden-Krimi vor der Tschechin Veronika Vitkova und der Russin Irina Starykh schrieb sie Sporthistorie.

Es war der erste Sieg für die Schweiz in der Geschichte des Biathlons.

Ihren Erfolg konnte sie selbst kaum glauben: "Ich habe immer von einem Podiumsplatz geträumt, an einen Sieg hab ich wirklich nicht gedacht", erklärte sie überglücklich.

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