Das DSV-Team um Miriam Gössner (l.) und Erik Lesser enttäuschte bei der Biathlon-WM © getty

Die deutschen Skijäger sind über das Abschneiden bei der WM enttäuscht. Mit Blick auf Olympia 2014 gibt es viele Baustellen.

Nove Mesto - Schwache Schießleistungen, fehlende Form, keine Konstanz:

Ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Sotschi stehen die erfolgsverwöhnten deutschen Biathleten nach enttäuschenden Weltmeisterschaften vor einer Vielzahl ungeahnter Probleme.

"Wir haben so eine WM-Bilanz nicht erwartet und erhofft", sagte Präsident Alfons Hörmann vom Deutschen Skiverband (DSV):

"Aber die Biathleten haben uns über Jahrzehnte so viel Freude gemacht, dass man ihnen zugestehen muss, dass eine WM mal so laufen kann, wie sie jetzt gelaufen ist."

Ziele klar verfehlt

Mit dem Abschneiden in Nove Mesto ist beim DSV niemand zufrieden. ( 672976 DIASHOW: Bilder der WM )

Das von Sportdirektor Thomas Pfüller ausgegebene Ziel von fünf bis sechs Medaillen wurde bei der ersten WM nach den Rücktritten von Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner und Dreifach-Olympiasieger Michael Greis klar verfehlt.

Silber für Andrea Henkel im Einzel und Bronze für die Männerstaffel blieben die raren Höhepunkte. Das bedeutete das schlechteste Abschneiden, seitdem Frauen und Männer ihre Titelkämpfe im Jahr 1985 gemeinsam austragen.

Ohne Goldmedaille waren die Skijäger zuvor letztmals bei der WM 1986 geblieben. (DATENCENTER: Die WM-Ergebnisse)

Viel Eigenverschulden

Das lag vor allem am eigenen Unvermögen. "Die Frauen haben in der Staffel eine Medaille weggeschmissen, den Männern wäre es fast schon wieder passiert. Das ist inakzeptabel", sagte Pfüller, nachdem die Frauen nur auf Platz fünf landeten und die Männer Silber an Frankreich verschenkten.

Besonders bitter: Die Hoffnungsträger erreichten zum Saisonhöhepunkt nicht ihre Topform. Miriam Gössner verpasste nach einem schwachen letzten Schießen mit drei Fehlern im Massenstart erneut die ersehnte Einzelmedaille und wurde zum Abschluss nur Sechste.

Mit "blauem Auge davon gekommen"

Während Miriam Gössner und Co. im ersten Saisondrittel noch starke Leistungen zeigten, fehlte in Nove Mesto vor allem in der ersten Woche die Dynamik.

"Man muss die Frage aufwerfen, ob die Vorbereitungsphase so richtig war", sagte Pfüller. In Oberhof trainierte die Mannschaft zehn Tage lang, hatte dort aber ganz andere Bedingungen als im Herzen Tschechiens.

"Wir sind nicht glücklich über diese Weltmeisterschaften", sagte Pfüller: "Aber wir sind noch mit einem blauen Auge davon gekommen."

Birnbacher unzufrieden

Auch Andreas Birnbacher, Elfter im finalen Massenstart, war mit sich selbst unzufrieden.

"Es ist viel Kopfsache, da muss man überlegen, ob man da nicht etwas macht. Die mentale Komponente wird die nächsten Jahre noch wichtig werden", sagte der 31-Jährige.

Die schwachen Auftritte einfach so hinzunehmen, wäre mit Blick auf Sotschi ein großer Fehler, meinte auch Hörmann: "Ich sehe das als wirksamen Fingerzeig."

Es könne ein wichtiger Impuls sein, um jetzt kritisch und detailliert zu hinterfragen, "was wirklich die entscheidenden Elemente waren, die dazu beigetragen haben."

Müssiggang hakt Ziele ab

Die Fehlersuche soll im Anschluss an die WM beginnen, während der Titelkämpfe wollte man sich nicht damit beschäftigen.

"Wir können hier sowieso nichts ändern", sagte Bundestrainer Uwe Müssiggang, der das (zu) hohe Medaillenziel schon nach einer Woche abhakte: "Wichtig ist, dass die Athleten selbst Medaillen gewinnen wollen und mit diesem Ziel am Start stehen."

Verpflichtung eines Schießtrainers möglich

Den Trainern gab Hörmann trotz mauer Ausbeute eine Jobgarantie. Sie hätten schon in den letzten 15 Jahren "die Kastanien aus dem Feuer geholt", deswegen werde man sie jetzt nicht verteufeln.

Änderungen seien trotzdem möglich, die Verpflichtungen eines eigenen Schießtrainers zum Beispiel.

Wenn Müssiggang "sich mit Thomas Pfüller in dem Thema einig ist, dann gibt es morgen einen Schießtrainer", sagte der oberste DSV-Funktionär.

Gerade am Schießstand hatten die DSV-Athleten ungewohnte Probleme.

DSV hofft auf Talente

Nun hofft der Verband unter anderem auf Talente wie die 19-jährige Laura Dahlmeier, die bei ihrem WM-Debüt verblüffte und die deutsche Frauenstaffel am Freitag zwischenzeitlich in Führung brachte.

"Die Laura ist nicht die Einzige, es gibt zwei, drei weitere hoffnungsvollste Talente, die aus unserer Sicht absolut auf dem Weg in die Weltspitze sind", sagte Hörmann.

Ob sie bis Sotschi schon den Anschluss finden, scheint jedoch fraglich.

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