Miriam Gössner (l., mit Andreas Birnbacher) gewann bei Olympia 2010 Silber im Langlauf © getty

Die DSV-Biathleten beenden die WM in Nove Mesto mit einer historisch schwachen Bilanz. Gössner vergibt die letzte Siegchance.

Nove Mesto - Miriam Gössner verballerte erneut die Chance auf ihre erste WM-Einzelmedaille.

Und auch der tapfere Debütant Erik Lesser verpasste als Fünfter im Massenstart das Edelmetall knapp.

Die deutschen Biathleten haben es am Abschlusstag der WM in Nove Mesto nicht mehr geschafft, ein historisch schlechtes Abschneiden zu verhindern ( 672976 DIASHOW: Bilder der WM ).

Jeweils eine Silber- und Bronzemedaille bedeuten das schlechteste Abschneiden, seitdem Frauen und Männer ihre Titelkämpfe im Jahr 1985 gemeinsam austragen(DATENCENTER: Die WM-Ergebnisse).

Erstmals kein Titel seit 1986

Erstmals seit 2005 in Hochfilzen gewannen die erfolgsverwöhnten Frauen keine Goldmedaille.

Die gesamte deutsche Mannschaft tritt sogar erstmals seit 1986 die Heimreise ohne WM-Titel an.

Vor allem Gössners Fehlschüsse am Schlusstag schmerzten, hatte sie doch im Massenstart am Sonntag aussichtsreich auf der zweiten Position gelegen und sogar Gold in Reichweite gehabt.

"Leider ein bisschen vergeigt"

"Ich habe es im letzten Schießen leider ein bisschen vergeigt", sagte Gössner, die kein wirklich positives WM-Fazit ziehen konnte:

"Das Laufen war gut, das Schießen durchwachsen. Ich war oft knapp an einer Medaille dran, habe es aber nicht geschafft, bis zum Ende durchzuziehen."

Durch Gössners sechsten Platz im Massenstart blieb Einzel-Silber von Andrea Henkel unter der Woche für das Team des Deutschen Skiverbandes (DSV) die einzige Einzel-Medaille.

Die Vorgabe von insgesamt fünf oder sechs Medaillen verfehlten die deutschen Skijäger vor allem wegen eklatanter Schwächen am Schießstand klar.

Kaltschnäuzigkeit fehlt

"Wir haben eine WM gesehen, die für uns schwierig gelaufen ist. Wir haben aber auch gewusst, dass wir nicht an die erfolgreichen letzten Jahre anknüpfen können", resümierte Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig.

"Wir haben drei sechste Plätze, die wir uns immer beim Schießen eingehandelt haben. Irgendwas fehlt uns, um kaltschnäuzig, abgezockt und frech zu sein. Jetzt stehen wir eben wieder neben dem Podest", sagte Hönig nach dem Massenstart der Frauen.

Dort hatte die 22-jährige Gössner bis kurz vor Schluss auf Medaillenkurs gelegen, nach den Staffel-Erfolgen in den vergangenen zwei Jahren war ihre erste Einzelmedaille greifbar nah.

Domratschewa siegt

Dann passierte aber das, was dem "Laufwunder" leider viel zu oft unterläuft: Die Patronen fanden einfach nicht den Weg in das 50 Meter entfernte Ziel.

Drei Strafrunden musste Gössner daraufhin drehen, die Konkurrenz zog davon, und der Medaillentraum war mal wieder geplatzt.

Beim Sieg der Weißrussin Darja Domratschewa ging Silber an die überragende Norwegerin Tora Berger, die im sechsten Rennen die sechste Medaille sammelte. Bronze holte Monika Hojnisz aus Polen.

Hörmann: "Muss man ihnen zugestehen"

"Wir haben so eine WM-Bilanz nicht erwartet und erhofft", sagte DSV-Präsident Alfons Hörmann: "Aber die Biathleten haben uns über Jahrzehnte so viel Freude gemacht, dass man ihnen zugestehen muss, dass eine WM mal so laufen kann, wie sie jetzt gelaufen ist."

Fast schon erwartet worden war das mäßige Abschneiden der Männer. Bronze in der Staffel war am Samstag mit Blick auf die durchwachsenen Einzelleistungen und angesichts der starken Konkurrenz schon ein Erfolg.

Ausgerechnet WM-Debütant Lesser stand am Wochenende im Mittelpunkt. In der Staffel versetzte er der deutschen Mannschaft mit zwei Strafrunden beim letzten Schießen erst eine Schrecksekunde, dann rettete er gerade noch die Bronzemedaille.

Lesser ist glücklich

Im Massenstart stürmte Lesser nach einer beeindruckenden Leistung dann auf den fünften Rang und verpasste die Medaille nur um 5,4 Sekunden.

Hoffnungsträger Andreas Birnbacher patzte beim letzten Schießen und wurde Elfter.

Lesser musste nicht enttäuscht sein, war stattdessen "überglücklich" über ein "geiles Rennen".

Die Gesamtbilanz rettete es aber nicht mehr.

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