In der Staffel (l. Birnbacher) holen die deutschen Männer ihre erste WM-Medaille © getty

Die DSV-Staffel beendet die WM mit einem Ausrufezeichen: Bronze! Lange liegt das Team auf Silber-Kurs. Norwegen holt Gold.

Nove Mesto - Völlig entkräftet schleppte sich Schlussläufer Erik Lesser über die Ziellinie.

Dem Schock am Schießstand folgte aber nur kurze Zeit später die Freude über die Bronzemedaille: Mit der Staffel sind die deutschen Biathleten bei der WM in Nove Mesto auf das Podest gestürmt und haben nach einer guten Leistung das erste Edelmetall in Tschechien geholt. (DATENCENTER: Die WM-Ergebnisse)

Über 4x7, 5 Kilometer musste sich die DSV-Auswahl nur der überragenden Mannschaft aus Norwegen und der französischen Staffel geschlagen geben. ( 672976 DIASHOW: Bilder der WM )

Lesser versagen Nerven

Bis vor dem letzten Schießen war für die deutsche Mannschaft aber sogar noch mehr möglich. Am Schießstand versagten Schlussläufer Lesser auf Position zwei liegend allerdings die Nerven, zweimal musste er nach seiner wackeligen Einlage in die Strafrunde.

"Druck habe ich eigentlich nicht verspürt, es war einfach Unvermögen. Ich weiß nicht, warum ich die Dinger danebenschieße. Man kann sich natürlich über die Bronzemedaille freuen, aber ich brauche noch ein bisschen", sagte Lesser.

Svendsen in Balotelli-Pose

Im Ziel hatte Deutschland 1:18,5 Minuten Rückstand auf die überragenden Norweger, die sich in 1:15:39,0 Stunden (fünf Nachlader) souverän vor der Staffel aus Frankreich (+1:12,8/7) durchsetzte.

Schlussläufer Emil Hegle Svendsen, der nach dem letzten Schießen mit der Balotelli-Pose feierte, holte sein viertes Gold bei den Titelkämpfen.

Desaster verhindert

Mit Bronze verhinderten die Männer noch vor dem Schlusstag ein drohendes Desaster. Seit Zakopane 1969 waren die Biathleten von jeder WM mit mindestens einer Medaille heimgekehrt.

Den abschließenden Massenstart am Sonntag können Birnbacher und Co. nun zumindest mit weniger Druck angehen und mit der ersten Einzelmedaille für einen versöhnlichen Abschluss sorgen.

Plan geht auf

"Die Jungs wissen selber, dass es Tage gibt, die schlechter laufen. Sie geben aber immer alles. Manchmal reicht es aber eben nicht ganz nach vorne. Heute haben sie aber gezeigt, dass es geht. Wir wollen nicht über die Strafrunden, sondern über die Bronzemedaille reden", sagte Männer-Trainer Mark Kirchner.

Damit ging auch der ausgeklügelte Plan der deutschen Trainer auf, mit einer offensiven Aufstellung die so ersehnte Medaille zu erhaschen. Von Beginn an sollte das DSV-Quartett auf Tuchfühlung zur Spitze sein, schon Schempp und Birnbacher hielten dank starker Vorstellungen mit der Konkurrenz während ihrer Runden mit.

Schempp erholt

Startläufer Schempp, der im kräftezehrenden Einzelrennen am Donnerstag noch ausgesetzt hatte, schien die schöpferische Pause gut getan zu haben.

In der Loipe mit den Besten auf einem Niveau, blieb er auch am Schießstand fehlerfrei.

"Ich wollte mich beim Schießen konzentrieren. Das Tempo in den ersten zwei Runden war nicht hoch, deshalb musste man am Schießstand gut arbeiten. Ich glaube, ich hatte heute den besten Ski der gesamten Saison", sagte Schempp. Mit dem knappen Vorsprung von vier Sekunden übergab der 24-Jährige als Erster an Birnbacher.

Der Routinier im deutschen Team nutzte die gute Vorlage. Wie Schempp glänzte auch der 31-Jährige mit der Waffe, blieb ebenfalls ohne Fehlschuss und vergrößerte zusammen mit dem Norweger Henrik L'Abee-Lund den Vorsprung zu den Verfolgern.

Chance auf versöhnlichen Abschluss

Danach machte auch "Mr. Zuverlässig" Arnd Peiffer seinem Spitznamen endlich mal wieder alle Ehre.

Mit der nötigen Ruhe trotzte er dem Lärm in der Skiarena, ließ sich auch von der Schnellfeuereinlage des Norwegers Tarjei Boe nicht beeindrucken und traf wie seine Vorgänger ohne Nachlader.

Im ersten Anschlag hatte auch Lesser noch furios geschossen, ehe ihm stehend die Fehler unterliefen.

Im abschließenden Massenstart über 15 km am Sonntag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) haben die Männer die Chance zu einer weiteren Medaille und einem versöhnlichen Abschluss. Zuvor werden die Frauen über 12,5 km (ab 12 Uhr im LIVE-TICKER) ihr zweites Edelmetall in Tschechien anpeilen.

Weiterlesen