Schlussläuferin Andrea Henkel musste im zweiten Schießen zwei Mal nachladen © getty

Ausgerechnet der Grand Dame wackelt in der Staffel am Ende die Hand. Dabei hatte Debütantin Dahlmeier furios die Spitze erobert.

Nove Mesto - Erst brachte Debütantin Laura Dahlmeier die Frauenstaffel sensationell in Führung, dann versagten der routinierten Andrea Henkel die Nerven.

Mit einer fehlerfreien Schießleistung ließ die 19 Jahre alte Dahlmeier die deutschen Biathletinnen bei der WM in Nove Mesto kurz von der Titelverteidigung träumen, ehe die an der Spitze liegende Henkel nach drei Nachladern noch auf den fünften Platz zurückfiel.

Nach einer emotionalen Berg- und Talfahrt blieben die erfolgsverwöhnten Skijägerinnen in Tschechien erstmals seit 18 Jahren ohne WM-Staffelmedaille und hatten nach 4x6 km und elf Nachladern 30,9 Sekunden Rückstand auf Weltmeister Norwegen (DATENCENTER: Die WM-Ergebnisse).

"Das Schießen wurmt mich"

"Im Moment ist es schon sehr schade. Das Schießen wurmt mich schon ganz schön. Es ist sehr bitter, dass die anderen noch mit dranhängen", sagte die 35 Jahre alte Henkel. Bundestrainer Ricco Groß meinte: "Leider war der Ausgang für uns am Ende sehr bitter. Wir haben uns zurückgekämpft und dürfen trotzdem nicht bei der Siegerehrung dabei sein."

Seit 1995 hatten die deutschen Frauenteams zuvor 14 Medaillen in Serie gewonnen, 1993 in Bulgarien waren sie zuletzt ohne Edelmetall geblieben. Silber für Henkel im Einzel bleibt damit vor den letzten drei Rennen die einzige deutsche Medaille.

Norwegen vor der Ukraine

Vor 27.000 Zuschauern in der ausverkauften Vysocina Arena sicherte sich die Ukraine hinter Norwegen Silber, Bronze ging an Italien.

"Das Rennen war wirklich perfekt für mich, ganz ohne Nachlader", sagte die unbekümmerte Dahlmeier, die als einzige DSV-Starterin mit ihrem Rennen zufrieden war. Sie war eigentlich nur als Ersatzfrau zur WM gereist, rutschte aber kurzfristig überraschend für die formschwache Nadine Horchler ins Team und war erstmals Teil einer deutschen Frauenstaffel.

Doch davon war überhaupt nichts zu sehen, die Partenkirchnerin wirkte cool und voll fokussiert. Die dreimalige Junioren-Weltmeisterin traf alle zehn Schüsse, hielt auch in der Loipe perfekt mit der Weltspitze mit und führte ihr Team von Rang acht auf eins nach vorne.

"Wie im Traum"

"Es war einfach wie im Traum. Ich war schon nervös, aber ich habe dann einfach versucht, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren", sagte die Bayerin.

Startläuferin Hildebrand hatte nach einem Sturz auf der zweiten Runde zuvor nur knapp den Gang in die Strafrunde vermieden und benötigte drei Nachlader.

"Laufwunder" Miriam Gössner übernahm mit knapp 40 Sekunden Rückstand an Position 14, benötigte aber bereits beim ersten Schießen drei Extrapatronen und fiel weiter zurück. Auf der leichten Laufrunde konnte die zweimalige Staffel-Weltmeisterin kaum Zeit aufholen.

"Das war nicht ganz so glücklich, ich hätte gerne mehr Zeit aufgeholt", sagte Gössner: "Es ist ein bisschen schade, dass man auf der Strecke nicht so viel gut machen kann. Ich habe trotzdem versucht, alles zu geben."

Dahlmeier überrascht

Dahlmeier, die sich mit Gössner das Hotelzimmer teilt, wuchs dann förmlich über sich hinaus und überraschte. "Sie hat sich schon am Morgen richtig auf das Rennen gefreut, sie war überhaupt nicht nervös", sagte Gössner, die vor den Monitoren mit ihren Teamkolleginnen lachte und jubelte, als Dahlmeier Treffer um Treffer ins Ziel brachte.

Schlussläuferin Andrea Henkel benötigte im Liegendschießen zunächst einen Nachlader und im letzten Schießen zwei Extrapatronen. Das war schlussendlich zu viel, um mit der Spitze mitzuhalten.

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