Andrea Henkel gewann bei den Olympischen Spielen 2002 zwei Goldmedaillen © getty

Bei ihrem letzten WM-Einzelstart schießt Henkel fehlerfrei und holt die erste deutsche Medaille. Berger ist nicht zu schlagen.

Nove Mesto - Andrea Henkel stürmte mit letzter Kraft ins Ziel, nur ganz kurz zeigte sie die "Silberfaust".

Dann lächelte sie und ließ sich von der gesamten Mannschaft feiern.

Mit dem zweiten Platz im Einzel bescherte die 35-Jährige den deutschen Biathleten im sechsten WM-Rennen von Nove Mesto endlich die erste Medaille - und sie erfüllte sich damit ihren größten Traum.

Nach fünf Jahren ohne Podestplatz im Einzel schaffte die "Grande Dame" des DSV-Teams in Tschechien mit einem fehlerfreien Gala-Auftritt wieder alleine den Sprung aufs Treppchen. (DATENCENTER: Die WM-Ergebnisse)

Hönig feiert Henkel

"Manchmal funktioniert es auch, wenn ich besonders viel Druck habe", sagte die überglückliche Doppel-Olympiasiegerin nach dem wohl letzten WM-Klassiker ihrer Karriere:

"Es gab viel Kritik an unserer Mannschaft, wir wollten diesen Erfolg unbedingt haben und gut in die zweite Woche starten. Ich habe jetzt den Anfang gemacht - und so kann es weitergehen."

Trainer Gerald Hönig, seit vielen Jahren einer der engsten Vertrauten von Henkel, fiel nach dem 20. Treffer am Schießstand vor Freude auf die Knie, er jubelte über die tadellose Leistung der Thüringerin und war den Tränen nahe.

DSV-Pressesprecher Stefan Schwarzbach stürmte im Zielraum auf den 1,58 m kleinen Biathlon-Floh zu und schrie: "Gut gemacht, Alte!" Die Erleichterung bei den Verantwortlichen war nach dem schlechtesten WM-Start seit 16 Jahren deutlich zu spüren.

"Die Erleichterung ist sehr groß, wir sind nach der ersten Woche ohne Medaille schon ins Grübeln gekommen. Es war ein unheimlicher Druck auf dem Team", sagte Hönig: "Das war eine fantastische Leistung. Ich bin unheimlich stolz auf Andrea."

Henkel hat geübt

Henkel, die sich bei ihren 14. Weltmeisterschaften über ihre 16. Medaille freute, hatte nahtlos an ihre fehlerfreie Schießleistung aus dem Verfolgungsrennen angeknüpft, bei dem sie am Sonntag von Rang 33 auf Platz sechs gelaufen war.

Erneut traf die achtmalige Weltmeisterin aus Großbreitenbach alles, und sie zeigte auch auf den 15 km in der Loipe eine starke Leistung.

"Ich habe mich auf jedes Schießen einzeln konzentriert. Ich habe ja im Verfolger geübt. Das ist pure Freude und eine tolle Motivation.", sagte Henkel.

Berger nicht zu schlagen

Einzig die überragende Norwegerin Tora Berger, die in Nove Mesto bereits ihren dritten Titel feierte, war bei schwierigen Bedingungen und leichtem Schneefall noch besser.

Bronze sicherte sich Walj Semerenko aus der Ukraine.

Gössner enttäuscht

Miriam Gössner leistete sich ein neuerliches Fehler-Festival und landete nach sechs Schießfehlern nur auf Rang 35.

"Die ersten drei Schießen waren wirklich gut. Ich denke auch, dass meine Laufform richtig gut war", sagte die 22-Jährige aus Garmisch: "Ich freue mich jetzt richtig auf den Massenstart, weil es da keine Minuten geben wird."

Nach jeweils drei Fehlern in den ersten drei Schießeinlagen kassierte die zweimalige Staffel-Weltmeisterin beim letzten Auftritt mit der Waffe drei Strafminuten - dadurch war sie chancenlos.

Horchler überrascht

Zweitbeste deutsche Starterin wurde überraschend Nadine Horchler, die nach einem Fehler auf Rang 28 landete.

Franziska Hildebrand musste sich nach fünf Strafminuten mit Rang 51 begnügen.

Am Donnerstag (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) steht für die Männer der Klassiker an. Über 20 km gehen Andreas Birnbacher, Arnd Peiffer, Florian Graf und Erik Lesser für den DSV in die Loipe und wollen die erste Einzelmedaille seit zwei Jahren einfahren.

Henkels Silbermedaille sollte die beste Motivation sein.

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