Andrea Henkel ist zweimalige Olympiasiegerin und achtmalige Weltmeisterin © getty

Vor ihrem letzten WM-Einzelstart glaubt die Grande Dame an den großen Coup. Sie denkt auch an Sotschi - und ans Auswandern.

Nove Mesto - Von ihrem Ehrgeiz hat Andrea Henkel auch mit 35 Jahren nichts verloren.

Nach ihrem verkorksten Sprintrennen bei der Biathlon-WM in Nove Mesto brach die Doppel-Olympiasiegerin im Ziel in Tränen aus und musste von Teamkollegin Miriam Gössner getröstet werden (DATENCENTER: Die WM-Ergebnisse).

Einen Tag später meldete sich die Thüringerin eindrucksvoll zurück, stürmte ohne Schießfehler von Platz 33 auf Rang sechs - und ist nun eine der Medaillenkandidatinnen für das schwere Einzelrennen am Mittwoch (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER).

"Warum soll das nicht klappen?"

"Ich will bei dieser WM ganz klar noch eine Einzelmedaille gewinnen, das ist mein großes Ziel", sagt die achtmalige Weltmeisterin. Henkel hat mit der besten Nettozeit im Verfolger bewiesen, dass sie in der Lage ist, ihre 17. WM-Medaille zu gewinnen.

"Ich habe dieses Jahr schon zweimal auf dem Podest gestanden, warum sollte es also nicht klappen?", fragt Henkel.

Bei den letzten drei Weltmeisterschaften hat sich die Großbreitenbacherin durch einen schwachen Sprint die Verfolgungsrennen verdorben.

Hönig ärgert sich

"Weil sie sich manchmal zu viel Druck macht, es braucht aber auch Coolness. Eigentlich weiß sie, dass sie das alles kann", sagte Frauen-Trainer Gerald Hönig, seit vielen Jahren einer von Henkels engsten Vertrauten.

Hönig ärgerte sich maßlos, dass ihr das Missgeschick schon wieder passiert ist, ansonsten hätte sie dem Deutschen Skiverband (DSV) bereits die erste WM-Medaille bescheren können (BERICHT: Gössner sieht keine Krise).

Noch bis zu den Olympischen Spielen in Sotschi will die "Grande Dame" des deutschen Teams weitermachen, ein weiterer WM-Start ist nicht geplant. "Ich bin in Sotschi 36, und irgendwann ist dann auch gut. Deswegen denke ich, dass das meine letzte Weltmeisterschaft sein wird", sagte Henkel.

Höhepunkt Hochfilzen

Wenn die nur 1,58 m große Henkel auf insgesamt 14 WM-Teilnahmen zurückblickt, muss sie vor allem an die Titelkämpfe 2005 in Hochfilzen denken, bei denen sie zum ersten Mal Weltmeisterin wurde.

"Der erste Titel ist immer ein besonderer, vor allen Dingen, weil ich damals als Ersatzfrau von der Ersatzfrau angereist war", sagt sie: "Aber es gab sehr viele schöne Momente, natürlich war jeder Titel besonders schön."

In den Staffeln ist die frühere Gesamtweltcupsiegerin an der Seite von Magdalena Neuner, Kati Wilhelm und Uschi Disl gelaufen, hat in den letzten 18 Jahren alles mitgemacht, was es im Biathlon gibt.

Mit dem Freund in die USA

Nach der Karriere will sie mit ihrem Freund, dem US-Biathleten Tim Burke, in die USA auswandern. "Das ist aber nicht so einfach. Deswegen habe ich noch nichts konkretisiert und kümmere mich erst darum, wenn es so weit ist", sagt Henkel.

Bis zu ihrem letzten Rennen gilt die gesamte Konzentration dem Sport, dem die 21-malige Weltcupsiegerin seit ihrem Debüt im März 1995 alles untergeordnet hat. "Ich habe noch Lust auf Siege und weiß, dass ich vorne mitmischen kann", sagt sie.

Im letzten WM-Einzelrennen ihrer Karriere will sie das beweisen.

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