Miriam Gössner gewann diese Saison drei Weltcuprennen © getty

Die schwachen Ergebnisse zu Beginn sieht Miriam Gössner als Motivation für die zweite WM-Hälfte. Für Frust gäbe es keinen Grund.

Nove Mesto - Um das Hotel Lisensky Dvur mitten im tschechischen Nirgendwo pfiff am Montagmorgen ein eisiger Wind.

Drinnen vor dem Kamin im deutschen Teamquartier versuchten die Biathleten derweil zu erklären, warum es bei den Weltmeisterschaften in Nove Mesto nicht so recht läuft.

Das Auftaktwochenende mit Sprint und Verfolgung endete erstmals seit 1997 ohne Medaille, von Katerstimmung wollen Miriam Gössner und Co. aber nichts wissen (BERICHT: Biathleten mit historischem Fehlstart).

"Ich finde nicht, dass unser Team in einer Krise steckt", sagte Gössner: "Ich habe vor der WM auch nicht jedes Rennen gewonnen und weiß nicht, warum ich jetzt total frustriert sein soll."

Wohlfühl-Hose und Wollsocken

Die 22-Jährige aus Garmisch wirkte gut gelaunt, kam zum Medientermin in grauer Wohlfühl-Jogginghose und mit dicken Wollsocken.

Sie lachte viel, die Rückschläge hat sie anscheinend weggesteckt.

Nach Rang 13 mit der Mixedstaffel gab es für die Hoffnungsträgerin in den Einzelwettbewerben die Plätze sechs (Sprint) und 21 (Verfolgung) (DATENCENTER: Die WM-Ergebnisse).

Gas geben in Hälfte zwei

Gössner nimmt den durchwachsenen Auftakt sportlich.

"Ich bin mit der ersten Woche überhaupt nicht zufrieden, bin jetzt aber noch viel motivierter, in der zweiten WM-Hälfte noch mehr Gas zu geben", sagte die Bayerin, die im Einzel, Massenstart und mit der Staffel noch drei Chancen auf Edelmetall hat.

"Sicher hätte ich jetzt schon lieber eine Medaille in der Tasche, aber es hat eben nicht geklappt und ist vorbei. Ich habe ja noch Möglichkeiten", betonte die zweimalige Staffel-Weltmeisterin.

Henkel: "Man sollte uns nicht abschreiben"

Ihre Teamkollegen sehen die Situation ähnlich.

"Man sollte uns noch nicht abschreiben, es ist erst die Hälfte der WM vorbei. Ich habe weiter das Ziel, eine Einzelmedaille zu gewinnen", sagte Doppel-Olympiasiegerin Andrea Henkel.

Die achtmalige Weltmeisterin will angreifen, aufgeben zählt nicht.

Der positive Ausreißer fehlt

Auch das Männerteam versprühte Optimismus. "Uns fehlt einfach nur der positive Ausreißer nach oben", meinte der frühere Sprintweltmeister Arnd Peiffer vor dem Einzelrennen am Donnerstag.

Der war vor der WM vor allem Andreas Birnbacher zugetraut worden, doch der zweimalige Saisonsieger schwächelte. "Ich bin enttäuscht, es fehlen viele Kleinigkeiten, und das muss ich jetzt so hinnehmen. Doch in den Einzelrennen will ich wieder angreifen", sagte der 31-Jährige aus Schleching.

"Werden nicht verrückt spielen"

Zeit für eine genaue Analyse sei während der WM nicht vorhanden. "Wir werden uns danach genau mit den Problemen auseinandersetzen. Hier können wir nichts ändern", sagte Bundestrainer Uwe Müssiggang.

Herren-Trainer Mark Kirchner ergänzte: "Wir werden aber nicht verrücktspielen und unser Gesamtkonzept über den Haufen werfen."

Angepeiltes Ziel kaum noch zu erreichen

Doch Fakt ist: Die vom Deutschen Skiverband (DSV) geforderten fünf bis sechs Medaillen wird es wohl nicht geben. "Ob es eine oder sechs werden, spielt nicht die große Rolle. Wichtig ist, dass die Athleten am Start stehen und selbst Medaillen holen wollen", sagte Müssiggang.

"Wir können uns nichts vorwerfen. Wir haben in der Vorbereitung alles getan und geben auch jetzt in jedem Rennen unser Bestes", sagte Gössner, auf der nach wie vor großer Druck lastet.

Am Ende der Welt

Sie will bis zum Einzelrennen am Mittwoch (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) ihre Kräfte sammeln.

Im Teamhotel dürfte das ganz gut gelingen, denn das alte Landgut liegt abgeschieden, weit entfernt vom Trubel in der WM-Arena.

"Es ist wirklich am Ende der Welt. Wenn man aus dem Fenster schaut, sieht man nichts. Aber es ist schön und ganz entspannt", sagte Gössner.

Weiterlesen