Miriam Gössner gehört seit 2006 dem Biathlon-Nationalkader an © getty

Die Deutschen reden das Mixed-Debakel klein, Gössner wischt alle Sorgen weg. Nur Birnei warnt: "Die Stimmung darf nicht kippen."

Nove Mesto - Erst der Weltmeistertitel von Maria Höfl-Riesch konnte Miriam Gössner wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Als die 22-Jährige bei der Biathlon-WM kurz vor dem Training vom Gold-Coup der Skirennläuferin aus ihrer Heimatstadt Garmisch-Partenkirchen erfuhr, riss sie die Arme in die Luft und jubelte: "Gold for Germany!"

Es war aber nur ein kurzer Moment der Freude, die Ernüchterung nach dem Mixedstaffel-Debakel vom Vortag war noch zu groß. Die deutschen Biathleten versuchten trotzdem, das völlig verkorkste WM-Auftaktrennen ganz schnell abzuhaken.

Schlechtestes Ergebnis der WM-Geschichte

"Wieso soll ich groß grübeln? Ich weiß, dass viel passieren und es zwei Tage später außergewöhnlich gut gehen kann", sagte Schlussläufer Andreas Birnbacher.

Der 13. Platz der Mitfavoriten um Hoffnungsträgerin Miriam Gössner im tschechischen Nove Mesto lässt allerdings durchaus viele Fragen offen. Das schlechteste Ergebnis der WM-Geschichte macht wenig Hoffnung auf erfolgreiche Weltmeisterschaften. (DATENCENTER: Die WM-Ergebnisse)

In Einzelgesprächen analysierten die Trainer die schwachen Leistungen mit den Athleten. Gössner, die einmal in die Strafrunde musste und bittere Tränen vergoss, wurde aber nicht zum Sündenbock gemacht. "Wir wissen alle, was sie kann", sagte Birnbacher.

Die Kunst des Abhakens

Bundestrainer Uwe Müssiggang analysierte stattdessen: "Wir haben zu lange am Schießstand gebraucht. Während bei den anderen die Post abging, waren wir immer noch beim Schießen."

Aber auch in der Loipe lief es ungewöhnlich schlecht, Laufwunder Gössner verlor viel an Boden. "Um meine Form mache ich mir aber keine Sorgen", sagte die 22-Jährige fast schon trotzig.

Nun hoffen die Skijäger, dass "Miri" das Negativerlebnis schnell verarbeitet. "Es ist für sie jetzt die Kunst, das abzuhakem. Sie ist eben keine Maschine, bleibt aber eines der Aushägeschilder der Mannschaft", sagte Frauentrainer Ricco Groß. Müssiggang ergänzte: "Sie wird das wegstecken."

"Eine Negativstimmung wäre nicht gut"

Fünf bis sechs Medaillen sollen die Skijäger nach Wünschen des Deutschen Skiverbandes (DSV) gewinnen, bei noch verbleibenden zehn Wettkämpfen würde das Edelmetall in jedem zweiten Rennen bedeuten.

"Das erste Ergebnis ist schon bitter und eine riesige Enttäuschung, aber wir wollen uns nicht zu lange damit aufhalten", sagte Müssiggang.

"Die Chancen sind definitiv da, aber viele Medaillen zu holen, wird sicherlich schwierig", sagte dann auch Birnbacher: "Man darf die Stimmung jetzt aber nicht sofort kippen lassen. Eine Negativstimmung wäre nicht gut, denn es ist nicht so, dass wir nichts drauf hätten."

Zehn Nachlader, eine Strafrunde

Die Fehler addierten sich. Gössner, Birnbacher, Andrea Henkel und Simon Schempp erreichten keine Normalform. 2:40,7 Minuten Rückstand auf Weltmeister Norwegen, zehn Nachlader und eine Strafrunde standen am Ende in der Statistik.

"Kein Part war zu 100 Prozent perfekt", sagte Birnbacher: "Es haben schon viele im Sport eine Klatsche gekriegt. Das passiert immer wieder mal, aber damit können wir umgehen."

Schon beim Training am Freitagmittag war das kein Thema mehr. Der Fokus richtete sich auf die Sprints am Samstag (ab 13 Uhr im LIVE-TICKER) und die Verfolgung einen Tag später. Wir haben weiter das Ziel, in jedem Rennen um die Medaillen mitzukämpfen", sagte Müssiggang.

Lieber nicht auf den Putz hauen

Gössner und Birnbacher sind die Hoffnungsträger und sollen den Favoriten um die Norwegerin Tora Berger und den Franzosen Martin Fourcade Paroli bieten.

"Wir werden fokussiert und mit Selbstvertrauen in die nächsten Rennen gehen. Jeder kann bessere Leistungen bringen, als es in der Mixedstaffel der Fall war", meinte Birnbacher.

Eine echte Kampfansage war ihm aber nicht zu entlocken: "Klar ist das Ziel eine Medaille. Aber ich bin bisher immer besser damit gefahren, wenn ich ein bisschen tief staple und nicht vorher auf den Putz haue."

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