Rico Groß (r.) ist als Bundestrainer Damen für Evi Sachenbacher-Stehle zuständig © imago

Evi Sachenbacher-Stehle spricht im Interview über Druck und ihre Rolle im Team. Eine Rückkehr in den Langlauf schließt sie aus.

Von Andreas Kloo

München - Das erste Teilziel ist erreicht. Am Wochenende qualifizierte sich Evi Sachenbacher-Stehle über Leistungen im zweitklassigen IBU-Cup für den Biathlon-Weltcup.

Allerdings offenbarte die Neueinsteigerin dabei die schon erwarteten Schwächen beim Schießen.

Im Sprint am Samstag, den sie als 24. abschloss, unterliefen ihr vier Schießfehler, in der Verfolgung am Sonntag fünf. Dank einer starken Laufleistung schloss sie das zweite Rennen als 18. ab.

"Weltcup-Quali in der Tasche, Erfahrung gesammelt und die Laufform entwickelt sich auch prima. Heute habe ich mich in der Loipe wirklich gut gefühlt. Mit dem Schießstand in Idre konnte ich mich allerdings nur zum Teil anfreunden", lautete Sachenbacher-Stehles Fazit zu ihrem ersten winterlichen Biathlon-Auftritt bei "facebook".

Wann die zweifache Langlauf-Olympiasiegerin ihr Debüt im Weltcup feiert, ist noch offen. Zuletzt war von einem Start in Pokljuka (13. bis 16. Dezember) die Rede.

Bundestrainer Uwe Müssiggang gibt sich aber noch vorsichtig: "Wenn man im Weltcup ein Negativ-Ergebnis hat, wiegt das deutlich schwerer, als wenn man im IBU-Cup mal einen Hänger hat", merkte er an.

Neuner optimistisch

Eine, die vor allem positive Erlebnisse im Weltcup hatte, war Magdalena Neuner. Die Ruheständlerin gibt sich deutlich optimistischer, was Sachenbacher-Stehles Chancen im Biathlon angeht.

Spitzenränge der 31-Jährigen hält sie durchaus für möglich: "Kati Wilhelm kam damals auch vom Langlauf, war definitiv Weltspitze. Ich weiß nicht, in welchem Zeitraum sie das schaffen wird - ob dieses oder nächstes Jahr. Da müssen wir uns alle überraschen lassen", sagte Neuner im Audi Star Talk. (Neuner: "Will mich nicht mehr jeden Tag quälen")

Sachenbacher-Stehle selbst formuliert für dieses Jahr noch keine konkreten Ziele. "Es geht jetzt erst einmal darum, viel zu lernen und Wettkampfpraxis zu sammeln. Also das Positive herausziehen und Rückschläge schnell abhaken. Nächste Saison zählt's dann", hält die Oberbayerin gegenüber SPORT1 fest.

Außerdem spricht sie über ihre Probleme mit dem Wind und ihre Rolle im Team. Eine Rückkehr in den Langlauf schließt sie aus.

SPORT1: Frau Sachenbacher-Stehle, Ihre erste Saison als Biathletin hat begonnen. Wie nervös sind Sie derzeit?

Evi Sachenbacher-Stehle: Es gibt derzeit viele Interviewanfragen, alle wollen wissen, wie es derzeit läuft bei mir. Dadurch steigt die Anspannung und der Druck tatsächlich etwas.

SPORT1: Ist das Medieninteresse größer als in Ihrer Zeit als Langläuferin?

Evi Sachenbacher-Stehle: So extrem wie derzeit war es nicht. Zur Zeit stehe ich eben unter Beobachtung. Jeder fragt sich: Wie ist sie in Form? Was wird sie in den ersten Rennen leisten?

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SPORT1: Dann frage ich doch auch gleich: Wie steht es um Ihre Form?

Evi Sachenbacher-Stehle: Die Vorbereitung lief ganz gut, ich hatte richtig gute Phasen, musste aber auch Rückschläge verkraften. Das ist aber im Biathlon normal. Man muss lernen damit umzugehen. Für mich heißt es jetzt, die schlechten Tage zu minimieren. Daran arbeite ich momentan.

SPORT1: Mit schlechten Tagen meinen Sie wohl Tage, an denen es mit dem Schießen nicht so klappt wie gewünscht...

Evi Sachenbacher-Stehle: Genau.

SPORT1: Was konkret bereitet denn noch die größten Probleme beim Schießen?

Evi Sachenbacher-Stehle: Mit windigen Verhältnissen komme ich noch nicht so gut zurecht. Das liegt daran, dass wir im Sommer beim Training in Ruhpolding nur selten starken Wind hatten. Das ist deshalb eine ungewohnte Situation für mich. Außerdem gibt es einfach Tage, an denen geht's einfach nicht. Aber solche Tage hat jeder Biathlet.

SPORT1: Ist denn das Biathlon-Training auch zeitaufwändiger als das Langlauf-Training? Letztlich betreiben sie ja jetzt zwei Sportarten.

Evi Sachenbacher-Stehle: Das merkt man auf jeden Fall. Man muss definitiv mehr Zeit investieren.

SPORT1: Umso bemerkenswerter, dass Sie sich im fortgeschrittenen Sportlerinnen-Alter noch an diese neue Aufgabe heranwagen. Was hat Sie denn konkret am Biathlon gereizt?

Evi Sachenbacher-Stehle: Die neue Herausforderung an sich. Ein neuer Reiz, eine neue Aufgabe, an der man arbeiten kann. Das hat mir wieder zusätzliche Motivation verliehen.

SPORT1: Als Fernziel haben Sie Olympia 2014 verkündet. Haben Sie sich auch für diese Saison schon konkrete Ziele gesetzt?

Evi Sachenbacher-Stehle: Nein, überhaupt nicht. Es geht jetzt erst einmal darum, viel zu lernen und Wettkampfpraxis zu sammeln. Also das Positive herausziehen und Rückschläge schnell abhaken. Nächste Saison zählt's dann.

SPORT1: Der Druck von außen wird aber schon in dieser Saison da sein. Die Öffentlichkeit ist aus der Neuner-Ära Siege gewohnt. Und die Leute werden bei schlechten Ergebnissen schnell zweifeln, ob ihr Wechsel zum Biathlon richtig war.

Evi Sachenbacher-Stehle: Das ist mir klar. Aber einfach ist es nie. Wichtig ist, dass ich mir selbst nicht zu viel Druck mache und die Erwartungen von außen ausblende.

SPORT1: Ziehen Sie es wirklich die vollen zwei Jahre durch oder behalten Sie sich die Rückkehr zum Langlauf in der Hinterhand?

Evi Sachenbacher-Stehle: Ich ziehe es auf jeden Fall durch. Man muss sich einfach bisschen Zeit lassen. Von heute auf morgen funktioniert das nicht. Man muss geduldig sein und das bin ich.

SPORT1: Wie ist denn Ihre Rolle im Damen-Team? Sie sind nach Andrea Henkel die erfahrenste Sportlerin, aber im Biathlon eine Anfängerin. Können Sie eine Führungsrolle einnehmen?

Evi Sachenbacher-Stehle: Nein, die Führungspersönlichkeit ist die Andrea. Ich kann den anderen höchstens Tipps für die regenerative Nachmittagseinheit geben, aber das war's dann schon. Ich hole mir von den anderen wiederum Tipps fürs Schießen. Wir ergänzen uns ganz gut.

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