Miriam Gössner gewann bei Olympia 2010 Silber in der Langlauf-Staffel © imago

Miriam Gössners Saisonvorbereitung war von Zahnweh und einer Ernährungsumstellung geprägt. Nun will sie angreifen.

Östersund/München - Nach einem erfolgreichen Tag belohnten sich Miriam Gössner und Magdalena Neuner in ihrem gemeinsamen Hotelzimmer schon mal mit einem Gläschen Eierlikör.

Auch Fön und Wasserkocher teilten sich die Biathletinnen auf ihren Reisen rund um die Welt.

Weil Rekordweltmeisterin Neuner ihre Karriere aber beendet hat, ist Gössner in dieser Saison erstmals auf sich alleine gestellt - nicht nur im Hotel.

Die 22-Jährige soll an die Erfolge ihrer ehemaligen Zimmerkollegin anknüpfen. Der Druck ist enorm.

Neuners "riesiges Erbe"

"Die Lücke, die Lena hinterlässt, ist riesengroß. Sie hinterlässt uns ein riesiges Erbe", sagt Gössner fast ehrfurchtsvoll ( 492945 DIASHOW: Neuners Karriere in Bildern ). Die Blondine aus Garmisch wird in diesen Tagen immer wieder auf ihre Freundin angesprochen.

Kein Interview ohne Neuner-Frage, kein Gespräch ohne Vergleich mit Gold-Lena. "Wir müssen als Team erst neu zusammenwachsen", sagt Gössner zur neuen Situation.

Ihre Augen strahlen dabei, die Staffel-Weltmeisterin ist heiß auf den Winter. Doch die Vorbereitung verlief schwierig.

Langes Leiden nach Zahn-OP

Nach einer komplizierten Zahn-OP musste Gössner in den letzten Monaten lange leiden. Im April wurde ihr ein neuer Kieferknochen implantiert ("Das war richtig schmerzhaft"), nachdem sich der alte durch eine eitrige Entzündung zersetzt hatte.

Zudem hat sie zehn Kilo abgenommen und wiegt bei einer Größe von 1,67 m nur noch knapp über 50 Kilogramm. "Letztes Jahr hatte ich zu viel drauf", sagt sie offen. Jetzt sei das anders: "Ich fühle mich wohl, schaut mich an, ich habe eine Topfigur."

Grund dafür ist auch eine Ernährungsumstellung. Erst im Frühjahr waren eine Weizenunverträglichkeit und eine Laktoseintoleranz festgestellt worden.

"Sie muss nicht in Lenas Fußstapfen"

Die schwere Zeit musste sie alleine durchstehen, ohne Neuner. Doch die 25-Jährige drückt "der Miri" auch in diesem Winter fest die Daumen.

"Ich hoffe, dass sie entspannt in die Rennen geht. Die Situation für sie ist nicht leicht", sagt Neuner: "Alle fragen sie jetzt: 'Wirst du die neue Lena?' Aber sie muss niemandem etwas beweisen."

Auch die Verantwortlichen des Deutschen Skiverbandes (DSV) versuchen den Druck zu lindern. "Sie muss nicht in Lenas Fußstapfen treten, das ist einfach nicht möglich", sagt Bundestrainer Uwe Müßiggang.

Das Problem mit der Waffe

Sie solle ihren eigenen Weg gehen und mit guten Schießleistungen wieder an vergangene Erfolge anknüpfen, denn vor allem die Probleme mit der Waffe verhinderten bisher größere Triumphe.

"Ich habe eine neue Waffe, aber sonst wurde nicht viel verändert", sagt Gössner: "Wir sind ja auch im letzten Jahr Wege gegangen, die unserer Meinung sehr erfolgreich waren, und glauben an das."

In der Mixed-Staffel am Sonntag (ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) in Östersund wird Gössner nicht laufen, erst beim Einzelrennen am Donnerstag beginnt für die bayerische Frohnatur in Schweden die Weltcup-Saison.

Schwaches Jahr soll in die Vergessenheit

"Ich freue mich, dass es losgeht", sagt Gössner, die das schlechte letzte Jahr vergessen machen will. Im Gesamtweltcup landete sie auf einem enttäuschenden 27. Platz, im ganzen Winter gab es nur eine Top-10-Platzierung.

Einzig der Sieg in der Staffel bei der Heim-WM in Ruhpolding rettete ihr das Jahr.

Alleine muss Gössner in diesem Winter übrigens nicht durch den Weltcup reisen. Das Zimmer teilt sie sich jetzt mit Tina Bachmann. Auch mit ihr soll es wieder Grund für den einen oder anderen Eierlikör geben.

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