Andrea Henkel (l. mit Bachmann) gewann acht Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften © imago

Henkel und Co. trainieren hart für den Weltcup, um nach Neuners Rücktritt glänzen zu können. Die Rekordweltmeisterin relaxt.

Muonio - In der Stimme von Ricco Groß schwingt ein leises Lächeln mit, als er die Tage von Muonio auf den Punkt bringt: "Es war ein sehr hartes Trainingslager."

Der viermalige Olympiasieger hat zusammen mit Gerald Hönig den deutschen Biathletinnen im Jahr eins nach dem Rücktritt von Magdalena Neuner in der finnischen Einsamkeit den letzten Schliff verpasst.

Was die Mühen wert sind, wird sich im am kommenden Wochenende im schwedischen Östersund beginnenden Weltcup zeigen.

"Wir wollen wie immer in die Medaillenränge. An diesem Ziel sollten wir festhalten. Etwas anderes würde die Öffentlichkeit auch nicht akzeptieren. Ob es dann klappt, ist eine andere Sache", sagte Bundestrainer Uwe Müßiggang.

Lesser ersetzt Birnbacher

Den ersten Beweis müssen die erfolgverwöhnten deutschen Skijäger am Sonntag (ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) in der Mixedstaffel antreten.

Die Staffel-Weltmeisterinnen Andrea Henkel und Tina Bachmann sind gesetzt, dazu kommen Ex-Sprintweltmeister Arnd Peiffer und Erik Lesser Das bestätigte Müßiggang.

Lesser ersetzt dabei den letztjährigen Dritten im Gesamtweltcup, Andreas Birnbacher. Den Schlechinger plagen gesundheitliche Probleme.

Gössner als Ersatz

Ersatzfrau ist Miriam Gössner, die sich nach ihrer Zahnoperation und einem signifikanten Gewichtsverlust "sehr fit und läuferisch bemerkenswert" in Muonio präsentierte.

"Auch im Schießen macht sie deutliche Fortschritte", betonte Groß.

Sachenbacher-Stehle muss Ticket erkämpfen

Für Quereinsteigerin Evi Sachenbacher-Stehle kommt Östersund zu früh, doch die Langlauf-Olympiasiegerin liegt voll im Soll.

"Evi hat das Trainingslager gut überstanden. Sie konnte konditionell überzeugen und hat gute bis sehr gute Schießergebnisse gezeigt", sagte Groß.

Beim IBU-Cup in Idre (24./25. November) muss sich Sachenbacher-Stehle ihr Weltcup-Ticket erst erkämpfen.

Ein Platz unter den ersten Drei oder eine Leistung, die maximal 15 Prozent schlechter als die des Top-Trios ist, öffnen die Tür zur ersten Liga.

Müßiggang macht Hoffnung

"Sie muss Wettkämpfe laufen, um das Flair zu erleben. Wettkämpfe lassen sich nun mal nicht simulieren", sagte Groß, der sich sicher ist, dass die 31-Jährige in diesem Winter Weltcup-Niveau erreichen kann, auch wenn es "für sie eine reine Lernsaison ist".

Laut Müßiggang könnte sie beim dritten Weltcup Mitte Dezember im slowenischen Pokljuka zum Team stoßen.

Sachenbacher-Stehle selbst geht optimistisch in ihre Premieren-Saison: "Ich habe wirklich keine Angst vor dem Versagen", sagte sie der "Welt am Sonntag" und betonte:

"Wenn es beim Biathlon funktioniert, kann es durchaus sein, dass ich noch nicht nach Sotschi aufhöre, sondern sogar weitermache."

Hartes Training

Die Tage von Muonio, 200 km nördlich vom Polarkreis, haben Sachenbacher-Stehle den Spaß am Biathlon nicht nehmen können.

Auch wenn die Trainer ihre Schützlinge richtig rangenommen haben.

"Die Bedingungen waren so gut wie selten. Wir hatten viel Schnee, konnten bei den Kompensationseinheiten große Runden im klassischen Stil laufen", berichtete Groß.

Ein bisschen vermisst haben sie Magdalena Neuner trotzdem. "Lena hat mit ihren Siegen der Mannschaft, den Trainern und den Fans weltweit sehr viel Freude bereitet. Es ist immer schade, wenn so jemand fehlt", sagte Groß.

Neuner nach Karriereende zufrieden

Die Wallgauerin dagegen genießt den Ruhestand. (BERICHT: "Mein Beruf ist es, Magdalena Neuner zu sein")

"Wenn ich daran denke, dass jetzt die deutschen Biathletinnen in Finnland trainieren, wo es zu dieser Jahreszeit kaum noch hell wird, dann juckt's mich gar nicht mehr", sagte Neuner vor gut einer Woche. ( 492945 DIASHOW: Neuners Karriere in Bildern )

Erst recht nicht, wenn sich ein Trainer wie Ricco Groß anschließend über ein "sehr hartes Trainingslager" freut.

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