Magdalena Neuner nimmt Glückwünsche von NOK-Präsident Thomas Bach entgegen © imago

In unantastbarer Manier holt sich Neuner im Sprint von Ruhpolding ihr 11. WM-Gold. Eigene und fremde Trainer ziehen den Hut.

Aus Ruhpolding berichtet Andreas Kloo

Ruhpolding - Lachend stand Magdalena Neuner wenige Minuten vor Rennbeginn mit ihren Teamkolleginnen zusammen.

Locker war sie, gelöst.

Dabei stand ihr eines der wichtigsten Rennen ihrer Karriere bevor: der Sprint-Wettbewerb bei der WM im eigenen Land.

28.000 Zuschauer waren in die Ruhpoldinger Chiemgau-Arena gekommen, um Neuner siegen zu sehen. Der Druck war enorm.

"Wusste, ich hab's drauf"

Aber Neuner wirkte tiefenentspannt wie beim Shopping-Ausflug mit ihren Freundinnen.

"Ich wusste, ich hab's drauf und dass ich es schaffen kann."

Mit dieser Selbstsicherheit ging sie auf die Strecke und war auf dem Weg zu ihrem 11. WM-Gold (Bericht) durch nichts und niemanden aufzuhalten.

Domracheva klar distanziert

"Ja, ich hab's geschafft!", dachte sie sich, als sie auch den zehnten und letzten Schuss ins Ziel gesetzt hatte. "Am liebsten hätte ich innerlich geschrien."

Da Neuner auch in der Loipe eine Klasse für sich war, war der Doppel-Olympiasiegerin der Sieg nicht mehr zu nehmen (SERVICE: Der Medaillenspiegel).

15 Sekunden betrug der Rückstand der Silbermedaillengewinnerin und größten Neuner-Rivalin Darya Domracheva aus Weißrussland im Ziel.

Die Ukrainerin Vita Semerenko lag nach den 7,5 Kilometern schon 31 Sekunden zurück.

Konzentration auf sich selbst

Mit jeder Menge positiver Energie war Neuner auf die Strecke gegangen. "Ich hatte richtig Bock auf's Laufen, am Liebsten wäre ich schon im Hotel losgelaufen", erzählte sie.

Den Druck, den sie sich durch ihre Medaillen-Sixpack-Ansage auch selbst auferlegt hatte, blendete sie aus.

Wie zuvor angekündigt, ging sie das Rennen total fokussiert an. "Ich habe versucht, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Das ist mir gelungen", erklärte die Doppel-Olympiasiegerin ihr Erfolgsgeheimnis.

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Bayerisches Lob vom Russen-Coach

Die frenetischen Fans machten die 25-Jährige nicht nervös, sondern motivierten sie noch zusätzlich. "Die Fans haben mich dann förmlich über die Strecke getragen", obte sie die Ruhpoldinger Zuschauer.

Neuner bekam dafür Lob vom Gegner.

Der russische Damen-Chefcoach Wolfgang Pichler zollte ihr großen Respekt. Die Art und Weise, wie souverän sie ihr Ziel von Gold umsetzte, beeindruckte sogar den erfahrenen Trainer.

"Sie ist schon a verreckt's Luder", sagte der gebürtige Ruhpoldinger auf gut Bayerisch.

Bestätigung nach harter Arbeit

Ihre erste Goldmedaille bei dieser WM hat Neuner nun in der Tasche. Erleichterung kam bei ihr deshalb aber nicht auf. "Ich würde eher sagen: Bestätigung. Ich habe dafür hart gearbeitet und bin dafür belohnt worden."

Glücklich machte "Gold-Lena" sowohl ihre Fans als auch ihre Trainer.

"Heute sind viele Wünsche in Erfüllung gegangen", brachte es Disziplin-Coach Gerald Hönig auf den Punkt. Damen-Trainer Ricco Groß war einfach nur "sprachlos".

Zwölftes Gold winkt

Satt ist die Wallgauerin aber nun noch lange nicht.

Die nächste Chance auf Gold hat sie bereits in der Verfolgung, die sie am Sonntag (ab 16 Uhr im LIVE-TICKER) als Erste in Angriff nimmt.

"Es gibt noch vier weitere Rennen, und die will auch noch genießen", zeigt sie bereits Vorfreude auf den nächsten Coup.

Kolleginnen enttäuschen

Bei ihren DSV-Kolleginnen hielt sich die Freude in Grenzen ( 523184 DIASHOW: Der DSV-Kader für Ruhpolding ).

Miriram Gössner verließ nach vier Schießfehlern und Platz 37 mit Tränen in den Augen den Zielraum. Andrea Henkel war ebenfalls bedient. "Ich weiß nicht, wo die Form hin ist", kommentierte sie ihren 34. Platz ratlos.

Tina Bachmann als 22. und Franziska Hildebrand als 29. erging es nur unwesentlich besser.

Greis wiederauferstanden

Bei den deutschen Herren hatte zumindest einer Grund zur Zufriedenheit.

Michael Greis, erst auf den letzten Drücker für die WM qualifiziert, meldete sich mit der zehnten Laufzeit zurück (Bericht).

"Ich bin von den Toten auferstanden", freute er sich über sein Sprint-Rennen. Dass es trotzdem nur zu Platz 26 für den Dreifach-Olympiasieger von Turin reichte, lag an seinen drei Schießfehlern.

Heimvorteil nicht genutzt

Vor allem die beiden Patzer im Liegendschießen ärgerten ihn "maßlos":

"Auf Bahn eins trainiere ich seit 15 Jahren, dort habe ich schon 100.000 Schuss gemacht."

Doch die Erleichterung überwog. Ähnlich wie Neuner hatte er Spaß bei seinem Rennen. "Die Stimmung war besser als bei Olympia", lobte er ebenfalls die Fans.

Chance auf Staffel-Einsatz

Läuferisch war Greis bester Deutscher und sammelte damit auch Argumente für einen Einsatz im Einzelrennen am Dienstag und einen Start in der Staffel.

Er gab sich zwar bescheiden: "Die anderen vier haben bislang seine sehr gute Saison gezeigt und sind erst einmal vorne dran".

Birnbacher patzt

Doch von dieser guten Saisonleistung war beim übrigen Quartett nur wenig zu sehen.

Andreas Birnbacher konnte am Schießstand nicht an seine Leistung aus der Staffel anknüpfen und setzte Stehend zwei Schüsse daneben.

"Das waren meine eigenen Fehler, Ich habe angefangen zu überlegen", übte er nach Rang 16 Selbstkritik.

Schlechte Ausgangslage

Arnd Peiffer gelang nach seinem Fehlschuss-Malheur aus der Mixed-Staffel keine Wiedergutmachung. Als 37. war er schlechtester Deutscher.

"Es hat in allen Bereichen etwas gefehlt, dann kommt so ein Rennen zustande", gab er sich enttäuscht.

Simon Schempp landete auf Platz 19, Florian Graf kam als 34. Ins Ziel.

Für das Verfolgungsrennen (So., ab 13.15 Uhr im LIVE-TICKER) ist die deutsche Ausgangslage damit nicht gerade positiv. Die Medaille scheinen bei über einer Minute Rückstand außer Reichweite.

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