Arnd Peiffer gewann bislang schon sechs Medaillen bei Weltmeisterschaften © getty

Der Verzicht auf ein Hilfsmittel bringt die DSV-Staffel um Gold. Der Unglücksrabe hat eine Wiedergutmachungs-Chance.

Aus Ruhpolding berichtet Andreas Kloo

Ruhpolding - Bewusst mied Arnd Peiffer am Freitag den Unglücksort. Beim offiziellen Training war er nicht im Stadion von Ruhpolding zu sehen.

Zu schmerzhaft wäre die Erinnerung an sein Fehlschuss-Malheur in der Mixed-Staffel gewesen.

"Das tut schon weh, wenn man so nah an Gold dran war", hatte der 24-Jährige seine Enttäuschung nach dem Rennen in Worte gefasst (Bericht: Mit letztem Schuss: Peiffer schießt Gold in den Wind).

Andreas Birnbacher hatte Peiffer Gold quasi auf dem Silbertablett serviert. Mit einer knappen Minute Vorsprung war der deutsche Schlussläufer in die Loipe gegangen, musste aber nach einer Strafrunde beim letzten Schießen zunächst die Slowenen und schließlich auch den späteren Sieger aus Norwegen vorbei ziehen lassen.

Verzicht auf Sonnenblende

Bei der Suche nach Gründen für seinen Patzer wurde er bei der unglücklichen Sonneneinstrahlung fündig.

"Die Lichtverhältnisse sind ganz anders. Mich hat es kalt erwischt, weil das Training zu einer ganz anderen Zeit stattfand. Es hat mich schon beim ersten Schießen erschreckt", sagte der Niedersachse zu seinen Problemen am Schießstand.

Allerdings hätte es durchaus ein Gegenmittel gegen die Sonnenstrahlen gegeben. Einige andere Läufer befestigen für solche Fälle eine Blende an ihrem Gewehr.

"Das mache ich recht ungern an der Waffe, weil ich jemand bin, der gerne zwischen den Schüssen zur Windfahne guckt", erklärte Peiffer seinen Verzicht auf diese Schutzvorrichtung.

Müssiggang: "Eigenes Verschulden"

Chef-Bundestrainer Uwe Müssigang gestand das Versäumnis ein.

"Es ist ärgerlich, weil ein kleines Hilfsmittel ausgereicht hätte. Da müssen wir uns eigenes Verschulden eingestehen."

Neben einer Blende an der Waffe nannte Müssiggang auch einen Sonnenschutz aus Pappe an der Mütze als Alternative.

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Dank an tolerante Kollegen

Trotz des Ärgers über die Sonne gab er sich aber auch selbstkritisch: "Die anderen haben so toll vorgelegt. Ich hätte das Rennen nur noch nach Hause laufen müssen. Die Strafrunde war nur noch blöd", ärgerte sich der Niedersachse über sich selbst.

Dass ihm seine Teamkollegen Andreas Birnbacher, Andrea Henkel und Magdalena Neuner dennoch keine Vorwürfe machten, rechnet er ihnen hoch an. "Das ist schon ziemlich nett, dass sie so tolerant zu meiner Schießleistung sind, die ja ziemlich schlecht war", bedankte er sich vor allem bei Neuner.

Die Doppel-Olympiasiegerin hatte Peiffer im Ziel tröstend in den Arm genommen und versichert: "Es ist keiner hier, dem das noch nicht passiert ist."

Start als Titelverteidiger

Peiffer versucht nun Kampfgeist zu demonstrieren: "Das muss ich möglichst schnell abhaken, die WM hat ja gerade erst begonnen."

Doch viel Selbstbewusstsein hat er nun nicht für das nächste Rennen. Und das ist eigentlich sein Rennen ( 523184 DIASHOW: Der DSV-Kader für Ruhpolding )..

Am Samstag (ab 12.15 Uhr im LIVE-TICKER) geht er als Titelverteidiger in den Herren-Sprint. Fünf seiner sechs Weltcup-Siege feierte er außerdem über die 10 Kilometer.

[kaltura id="0_gdzlwz64" class="full_size" title="Deutschland im Biathlon-Fieber"]

"Nicht auf ein Rennen einschießen"

Vor der WM wies er allerdings darauf hin, sich nicht auf diesen einen Wettkampf besonders konzentrieren zu wollen. "Man sollte sich nicht auf ein Rennen einschießen. Wenn es dann nicht klappt, fällt man in ein Loch", lautet seine persönliche Marschroute.

Bleibt zu hoffen, dass er nach der Mixed-Enttäuschung nicht in eben dieses Loch fällt.

Zusatz-Ticket für Deutschland

Aus einem Loch rausgezogen hat sich Michael Greis. Überraschend qualifizierte er sich nach langwierigen körperlichen Problemen doch noch für die WM in Ruhpolding.

Er gehört am Samstag zu den fünf deutschen Teilnehmern. Durch den Weltmeister-Titel von Peiffer aus dem Vorjahr bekam der DSV einen zusätzlichen Startplatz zugeteilt.

Neben Greis und Peiffer gehen für Deutschland außerdem Andreas Birnbacher, Simon Schempp und Florian Graf an den Start.

Kampf mit dem Husten

Greis hält sich bei SPORT1 mit Prognosen und Kampfansagen aber zurück: "Ich will erst einmal schauen, wie ich mich fühle und will mich ins Rennen reinfinden." In den letzten Tagen machte dem Dreifach-Olympiasieger von 2006 ein hartnäckiger Husten zu schaffen.

Von den Betreuern will er sich nach dem Start über seinen Leistungsstand informieren lassen: Ich werde eine spätere Startnummer haben und lasse mir dann die Zwischenzeiten geben, dann sehe ich, wo ich stehe", erklärt er.

Birnbacher im Favoritenkreis

Der Kampf um die Medaillen gilt für den 35-Jährigen nicht als Hauptziel: "Ich bin froh, dass ich überhaupt dabei sein kann."

Heißestes deutsches Eisen scheint nach den Eindrücken aus der Mixed-Staffel Andreas Birnbacher zu sein. Sollten ihm erneut zwei solch fehlerfreie Schnellfeuereinlagen gelingen, dürfte dem Oberbayern ein Platz auf dem Podium kaum zu nehmen sein.

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