Miriam Gössner schloss den Gesamtweltcup 2010/11 auf Platz 14 ab © getty

Der Frühlingseinbruch bei der WM in Ruhpolding setzt Veranstalter und Sportlern zu. Ein ungewöhnliches Hilfsmittel soll helfen.

Aus Ruhpolding berichtet Andreas Kloo

Ruhpolding - Bei Höchsttemperaturen von 13 Grad plus wurden am Donnerstag bei Miriam Gössner Frühlingsgefühle wach.

Angesichts des Wärmeeinbruchs kündigte die deutsche Biathletin an, beim Sprint am Samstag (ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) unter ihrem Rennanzug nur ein kurzes Top tragen zu wollen.

Doch die Sonnenstrahlen in Ruhpolding haben auch ihre Schattenseiten. Arnd Peiffer musste das bei der Mixed-Staffel feststellen, als ihn die Sonne beim letzten Schießen behinderte und er so den deutschen Sieg aus der Hand gab (Bericht: Mit letztem Schuss: Peiffer schießt Gold in den Wind).

Und der Schnee wird durch die Wärme aufgeweicht, er schmilzt zwar nicht davon, wird aber als Unterlage für die Ski der Biathleten sehr langsam.

Neuner beschwert sich

"Am Mittwoch haben wir uns beim Training in der Abfahrt fast rückwärts überschlagen", erläuterte Gössner die schwierigen Bedingungen näher.

Auch Gössners Zimmerkollegin Neuner hatte sich bereits über den stumpfen Schnee beschwert ( 523184 DIASHOW: Der DSV-Kader für Ruhpolding ).

Die eigentlich gut vorbereitete harte Schneeunterlage wurde durch Regen anfangs der Woche aufgeweicht, die Frühlingssonne setzte der Loipe weiter zu.

110 Kilo Salz auf der Strecke

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Um die WM-Strecke rund um die Chiemgau-Arena einigermaßen befahrbar zu machen, greifen die Veranstalter nun in die Trickkiste, beziehungsweise in die Zutatenliste eines Bäckers.

Auf die Loipe wird Brezensalz gestreut. "Das entzieht dem Schnee die Feuchtigkeit, dadurch wird er hart", erklärt Wettkampfchef Norbert Baier.

110 Kilo Salz verteilten 20 Helfer vor dem Mixed-Rennen auf der Strecke.

"In Ruhpolding gibt es jetzt alle Brezen ohne Salz", sagte Baier mit einem Schmunzeln.

[kaltura id="0_gdzlwz64" class="full_size" title="Deutschland im Biathlon-Fieber"]

Vorbild Alpinsport

Das Lachen könnte Baier jedoch vergehen, sollten die warmen Temperaturen anhalten. Baier scheint darauf keine Antwort parat zu haben: "Dann müssen wir sehen, was wir machen können."

Die Brezensalz-Methode haben die Verantwortlichen des Biathlon-Weltverbandes IBU aus dem Alpinsport adaptiert. Dort ist dieses Vorgehen fast schon Standard, um stark beanspruchte Pisten in ihrer Konsistenz zu stärken.

Dabei ist aber das richtige Maß wichtig. Zu viel Salz kann die Grundstruktur der Loipe völlig zerstören.

"Wir waren sehr vorsichtig damit", verspricht Baier deshalb.

Skitests hinfällig

Die Athleten haben nun allerdings das Problem sich auf diese veränderten Pistenverhältnisse einzustellen. "Alle Skitests vor der WM sind damit hinfällig", stöhnte Tina Bachmann.

Am Donnerstag begab sich deshalb eine ganze Armada an Skitestern aus allen Nationen auf die Strecke, um herauszufinden, welcher Ski zu der Mischung aus Weich- und Brezensalz-Schnee am besten passt.

Zwischen sechs und acht verschiedene Paar Ski testeten die deutschen Techniker nach DSV-Angaben. Keine ungewöhnliche Anzahl. Die Skier auf die unterschiedlichen Schneeverhätnisse an schattigen und sonnigen Stellen auszusuchen, erschwerte jedoch die Auswahl.

Franziska Hildebrand hofft, dass die deutschen Techniker dabei die richtige Wahl treffen, "damit wir eine richtige Granate unter den Füßen haben."

Anspruchsvolle Strecke

Gössner wünscht sich einen Ski wie bei der Langlauf-WM 2009. Als Biathlon-Ausleihe führte die Garmischerin damals die DSV-Staffel zu Silber. "Da hatte ich von der Manuela Henkel einen echten Überflieger-Ski", erinnert sie sich.

Und der Schnee ist nicht das einzige Problem, das die Biathleten in Ruhpolding bewältigen müssen. Auch das Streckenprofil macht einigen zu schaffen. "Es geht rauf und runter, nicht so harmonisch wie in Oslo."

Zum Ausruhen bleibt den Läuferinnen auf der 2,5 km langen Schleife (3 km bei den Herren) keine Zeit. Auch nicht zum Genießen der Frühlingsgefühle.

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