Diesmal nur Bronze - 2010 holte Arnd Peiffer Gold mit der Mixed-Staffel © getty

Der Schlussläufer vergibt beim letzten Schießen den Sieg. Schuld ist die Sonne. Eine Scheiben-Panne sorgt für Verwirrung.

Aus Ruhpolding berichtet Andreas Kloo

Ruhpolding - Alles war gerichtet für einen perfekten Auftakt in die Heim-WM.

Die Sonne strahlte vom Himmel.

Andreas Birnbacher übergab beim letzten Wechsel der Mixed-Staffel in Führung liegend mit 59 Sekunden Vorsprung auf DSV-Schlussläufer Arnd Peiffer. ( 523184 DIASHOW: Der DSV-Kader für Ruhpolding )

Unter den 26.000 Fans in der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena machte sich laute Feierstimmung breit.

Zeitgutschrift für Norwegen

Doch dann ging alles schief. Beim Liegendschießen zeigte Peiffer schon erste Schwächen. Einen Schuss setzte er daneben, einen anderen zitterte er mit einem Randtreffer gerade noch ins Ziel.

Der Vorsprung schmolz. Zwischen erstem und zweitem Schießen platzte die Nachricht herein, dass die zu diesem Zeitpunkt Drittplatzierten Norweger eine Zeitgutschrift von über 20 Sekunden erhalten würden. Ein Treffer von Ole Einar Björndalen war nicht gewertet worden.

Damit rückten die Norweger um Emil Helge Svendsen rechnerisch bedrohlich nahe an Peiffer heran.

"Hätten auch fünf sein können"

Der Niedersachse erfuhr noch vor dem zweiten Schießen davon. "Die Jury hat uns das mitgeteilt und wir haben die Information sofort an die Betreuer auf der Strecke weitergeleitet", erklärte Damen-Disziplincoach Gerald Hönig hinterher.

Möglicherweise erhöhte das den Druck auf Peiffer noch zusätzlich.

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Beim Stehendschießen kam er dann überhaupt nicht zurecht. So blieb trotz Nachladern eine Scheibe stehen.

Der Sprint-Weltmeister hatte auch eine Erklärung für dieses Malheur: "Ich hatte die Sonne genau im Visier und habe nichts gesehen. Ich hätte auch fünf Fehler schießen können, das war reines Glück."

Neuner bestätigt Sonnen-Probleme

Auf die Frage, ob die Konkurrenz nicht die gleichen Probleme mit der Sonne gehabt hätte, antwortete Coach Hönig: "Weiter links war es nicht ganz so schlimm."

Peiffer hatte als Führender die Position ganz rechts am Schießstand bezogen.

Magdalena Neuner berichtete von ähnlichen Problemen wie Peiffer: "Beim Schießen war es heute schwer. Der Einfallswinkel der Sonne war extrem", bestätigte auch die Doppel-Olympiasiegerin.

Deshalb zeigte Neuner auch Verständnis für Peiffer: "Es ist keiner hier, dem das noch nicht passiert ist."

Neuner führt Staffel heran

Trotz behindernder Sonne legte Neuner aber ein deutlich besseres Schießen als ihr männlicher Kollege hin.

Mit insgesamt nur drei Nachladern und einer wie immer starken Vorstellung in der Loipe brachte sie die deutsche Staffel auf bis zu sieben Sekunden an die zu diesem Zeitpunkt führenden Franzosen heran.

Startläuferin Henkel hatte sich noch einen Rückstand von 46 Sekunden eingehandelt und als Sechste übergeben.

Schnellfeuereinlagen von Birnbacher

Eine absolut blitzsaubere Vorstellung bot Andreas Birnbacher an der dritten Position.

"Ich habe mich heute beim Schießen super gefühlt", bestätigte "Birnei", was jeder gesehen hatte. Mit zwei fehlerfreien Schnellfeuereinlagen brachte er die DSV-Staffel scheinbar uneinholbar in Führung.

Scheinbar.

Müssiggang enttäuscht

Peiffer brachte das deutsche Team dann doch noch um den perfekten Auftakt in die Heim-WM.

"Wenn man schon eine Minute vorn ist, dann hofft man natürlich schon auf Gold", machte Chef-Bundestrainer Uwe Müssiggang aus seiner Enttäuschung hinterher keinen Hehl.

Böse wollte Peiffer hinterher aber niemand sein. Neuner und Henkel nahmen in im Ziel tröstend in den Arm. "Wir haben Arnd versucht zu trösten und gesagt: Super, wir haben Bronze gewonnen", erzählte Neuner.

Doch die Beileidsbekundungen halfen nicht. Missmutig verließ Peiffer den Zielraum.

[kaltura id="0_gdzlwz64" class="full_size" title="Deutschland im Biathlon Fieber"]

Schneller norwegischer Protest

Dafür dass auch beim neuen und alten Mixed-Weltmeister keine Freude aufkam, sorgte eine ungewöhnliche technische Panne am Schießstand.

Obwohl Björndalen mit seinem ersten Schuss im Stehendschießen die Scheibe getroffen habe, fiel diese nicht um. "Ich dachte, der Schuss war drin, bin aber den Regeln entsprechend in die Strafrunde", erzählte der Biathlon-Superstar.

Ein norwegischer Trainer stellte den Fehler sofort fest und legte Protest ein.

Die Jury kontrollierte noch während des Rennens und erteilte Norwegen eine Zeitgutschrift: 20 Sekunden für die zusätzliche Strafrunde und 8,4 Sekunden für die Zeit, die Björndalen für seinen letzten Schuss zusätzlich benötigt hatte.

Komisches Gefühl bei Björndalen

So kam es zu dem ungewöhnlichen Bild, dass die Slowenen als Erste über Ziellinie liefen, aber dennoch nur Silber gewannen.

Svendsen lief als Zweiter über den Zielstrich, aber große Jubelstürme brachen auch bei den Skandinaviern nicht aus.

"Es ist komisch wenn du nicht als Erster über die Ziellinie läufst und dennoch Erster wird", beschrieb Björndalen seine Gefühlslage.

Der 38-Jährige erweiterte mit der Mixed-Goldmedaille seine Titelsammlung auf WM-Gold Nummer 17 und untermauerte damit seine Position als bester Biathlet aller Zeiten.

IBU gelobt Besserung

Hönig reagierte mit Kritik auf die Panne: "Es ist schade, dass so etwas ausgerechnet bei einer WM passiert."

Die IBU gelobte Besserung.

Der technische Delegierte Max Copp versprach eine "genaueste Untersuchung."

Es ist nicht die erste Scheiben-Panne in dieser Saison. Beim Weltcup in Nove Mesto war das Gleiche passiert.

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