MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Arnd Peiffer vergab beim letzten Schießen die sichergeglaubte Goldmedaille © getty

Nur Bronze zum Auftakt der Heim-WM: Peiffer verschenkt beim letzten Schießen einen Vorsprung von 45 Sekunden.

Ruhpolding - Magdalena Neuner schlug entsetzt die Hände vor dem Gesicht zusammen.

Hilf- und fassungslos musste der deutsche Biathlon-Superstar auf der Videowand ansehen, wie der in Führung liegende Schlussläufer Arnd Peiffer Schuss um Schuss daneben setzte.

Die Weltmeisterschaften in Ruhpolding hatten damit direkt zum Auftakt ihr erstes Drama.

Zwar gewannen die DSV-Skijäger noch Bronze in der Mixedstaffel hinter dem erfolgreichen Titelverteidiger Norwegen und dem Überraschungsteam aus Slowenien. (DATENCENTER: Ergebnisse der Mixed-Staffel)

Doch vor 26.000 Zuschauern überwog die Trauer um das vergebene Gold.

Peiffer versagen am Ende die Nerven

Andrea Henkel (3 Nachlader), Neuner (3) und der fehlerfreie Andreas Birnbacher hatten fast eine Minute Vorsprung auf die Konkurrenz erarbeitet, doch Sprintweltmeister Peiffer zeigte Nerven.

So ging Gold wie im Vorjahr an Norwegen in der Besetzung Tora Berger, Synnoeve Solemdal, Ole Einar Björndalen und Emil Hegle Svendsen vor Slowenien ( 523184 DIASHOW: Der DSV-Kader für Ruhpolding ).

Weil ein Treffer von Rekordweltmeister Björndalen, der sein 17. Gold gewann, nicht angezeigt worden war, legten die Skandinavier erfolgreich Protest ein und bekamen eine Zeitgutschrift von 28,4 Sekunden.

Neuner und Co. trösten Peiffer

"Es ist keiner hier, dem das noch nicht passiert ist", sagte Neuner nach Peiffers Missgeschick: "Wir haben Arnd versucht zu trösten und gesagt: Super, wir haben Bronze gewonnen."

Startläuferin Henkel erwischte am Schießstand einen gebrauchten Tag und musste bereits beim Liegendschießen zweimal nachladen. (SERVICE: Alles zur Biathlon-WM)

Berger fährt als Startläuferin souverän

Ein weiterer Fehler im Stehendschießen erhöhte den Rückstand auf die führende Norwegerin Tora Berger, die nach einer starken Schlussrunde beim Wechsel 46,3 Sekunden Vorsprung auf die sechstplatzierte Henkel hatte.

"Es war nicht einfach für mich. Ich wollte gut starten, war aber ganz schön nervös. Das kenne ich so gar nicht von mir", sagte Henkel: "Am Schießstand bin ich nicht zufrieden. Drei Nachlader waren unnötig, denn die Bedingungen waren optimal."

Neuner startete die erwartete Aufholjagd, musste aber insgesamt auch dreimal nachladen.

Neuner riskiert beim Schießen alles

Trotzdem etablierte sie die Doppel-Olympiasiegerin in der Spitzengruppe, schnappte sich auf der Schlussrunde die Norwegerin Synnoeve Solemdal und lag beim Wechsel nach einer insgesamt sehr starken Vorstellung nur 7,2 Sekunden hinter Marie Dorin Habert, die für Frankreich die Spitze erobert hatte.

"Ich war schon nervös vor dem Rennen. Nach dem ersten Fehler stehend habe ich alles riskiert und einfach durchgezogen", sagte Neuner.

Eine überragende Vorstellung zeigte der dreimalige Saisonsieger Birnbacher.

Der 30-Jährige aus Schleching schoss schnell und fehlerfrei, war auch in der Loipe schnell unterwegs und setzte damit die Konkurrenz unter Druck.

Fourcade im Stehen katastrophal

Die größten Konkurrenten Björndalen und Simon Fourcade (Frankreich) mussten im Stehendschießen sogar in die Strafrunde und machten den Weg frei für Birnbacher, der mit 58,7 Vorsprung auf Slowenien als Erster wechselte.

"Ich habe mich heute beim Schießen super gefühlt", sagte Birnbacher: "Beim Laufen war es dann nicht mehr so, nochmal hätte ich nicht laufen wollen."

Allerdings legte Norwegen Protest ein, weil beim ersten Schuss von Björndalen weder Fehler noch Treffer angezeigt worden war. Nach Überprüfung durch den Weltverband IBU wurde der Schuss als Treffer gewertet, die norwegische Staffel bekam die in diesem Fall übliche Zeitgutschrift. (SERVICE: Der Zeitplan zur Biathlon-WM)

Sprintweltmeister Peiffer musste bereits im Liegendschießen einmal nachladen und war dann im Stehendanschlag völlig von der Rolle.

Svendsen am Ende zu stark

Nach drei Nachladern stand immer noch eine Scheibe, der Niedersachse musste in die Strafrunde.

Slowenien übernahm die Führung, Peiffer musste auch noch Olympiasieger Emil Hegle Svendsen passieren lassen.

Der sicherte schließlich dank der Zeitgutschrift Norwegen die Goldmedaille.

"Ich hatte die Sonne genau im Visier und habe nichts gesehen. Ich hätte auch fünf Fehler schießen können, das war reines Glück", sagte der enttäuschte Peiffer.

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