Mihai Paduretu debütierte 1991 beim ASV Dachau in der Bundesliga © imago

Der Ausverkauf bei Generali Haching hat begonnen, Profi-Volleyball rückt in weite Ferne. Manager Köck hofft bei SPORT1 aber noch.

Von Reinhard Franke

München - Ruhige Nächte hatte Mihai Parduretu schon länger nicht mehr.

Der Trainer von Generali Haching bangt um seinen Verein. Sportlich beendeten Hachings Volleyballer die Saison zwar auf Platz drei, aber wie es mit dem Klub weitergeht, steht nach wie vor in den Sternen. Freitag ist für Paduretu ein wichtiger Tag: Um 12.30 Uhr findet eine Pressekonferenz statt, auf der die Zukunftspläne der Hachinger präsentiert werden.

Dann geht es ums nackte Überleben - und das nicht erst seit gestern. Seit einem Jahr ist bekannt, dass Hauptsponsor Generali am Ende der Runde aussteigen wird. Bisher fanden Paduretu und Manager Josef Köck keinen Geldgeber. Ernüchterung und Angst machen sich breit.

"So viel Herzblut"

"Wir haben hier so viel Herzblut reingesteckt", sagt Köck im Gespräch mit SPORT1: "Es geht hier nicht nur um die Profimannschaft, sondern um den Sport an sich, um den Nachwuchs und die Fans."

Und um das Lebenswerk von Paduretu, der 1997 als Spielertrainer aus Dachau nach Unterhaching wechselte und aus einem kleinen Provinzverein ein europäisches Spitzenteam geformt hat.

Drei Pokalsiege in den vergangenen vier Jahren zeigen, dass sportlich einiges richtig gemacht wurde. Doch finanziell kam der Crash.

2013 kurz vor dem Aus

Eigentlich wollten Paduretu und Köck schon Ende 2013 das Aus verkünden für den Fall, dass kein neuer Sponsor gefunden wird. Den suchen sie immer noch, doch "die Hoffnung stirbt zuletzt", so Köck.

Er macht gute Miene zum bösen Spiel. Der 65-Jährige weiß, wie ernst die Lage ist. Er und Paduretu hängen am Klub ähnlich wie ein Uli Hoeneß an seinem FC Bayern.

Deshalb hatten die beiden bereits am 15. April ihre Hausaufgaben gemacht, fristgerecht alle Unterlagen für eine neue Erstliga-Lizenz eingereicht, damit auch gar nichts schief gehen konnte, auch die nachzuweisenden 25 Prozent des Mini-Budgets von 200.000 Euro, sprich 50.000 Euro.

Deadline: 50 Prozent des Etats

Am Freitag nun kommt der Tag, an dem eine Entscheidung fallen wird. "Dann müssen wir 50 Prozent des Etats nachweisen", verrät Köck, "oder 5500 Euro Strafe zahlen."

Den Kopf in den Sand stecken? Das ist nicht sein Ding. Er kämpft für Haching. Immer weiter, immer weiter. "Ich führe immer noch Gespräche mit Firmen und warte da auf eine Rückmeldung, aber es wird verdammt knapp."

Es gebe nicht mal einen Trend, bedauert Köck: "Ich habe kein Gefühl bei den Leuten in den Unternehmen. Es kann so oder so ausfallen." Die Frage ist: Kann Haching mit dem Geld, was man kriegen würde, weitermachen oder muss man in die Zweite Liga?

Horrorszenario Abstieg

Es geht um etwa eine Million Euro im europäischen Spielbetrieb. "Das könnten sich auch vier oder fünf Unternehmen aufteilen", erklärt Köck hoffnungsvoll. Aufgeben will er nicht.

Doch bei einem Abstieg würde nicht mehr viel übrig bleiben von der "Disko der Liga", wie die Hachinger ihre Halle am Utzweg selbst nennen. Wie groß sind die Erfolgsaussichten?

"Die sind sehr gering", räumt Köck ganz realistisch ein.

Weniger Attraktivität

"Man muss sich fragen, wie attraktiv das dann noch für die Sponsoren ist", sagt Köck. Alles müsste zurück auf null gestellt werden, internationale Stars ließen sich nicht mehr locken.

Im Gegenteil. "Wir haben den Spielern von Anfang an gesagt, was Sache ist, sie wussten alles", betont Köck:

"Am Saisonende haben wir den Jungs gesagt, dass wir ihnen vor Ende Mai nichts sagen können. Wir sagten ganz ehrlich, wenn ihr gute Angebote habt, dann schnappt zu." (SHOP: Jetzt Volleyball-Artikel kaufen)

Ausverkauf beginnt

Der Ausverkauf hat längst begonnen. Drei Spieler sind schon weg: Den niederländischen Außenangreifer Ewoud Gommans zieht es nach Frankreich zum RC Cannes, Zuspieler Philipp Jankowski wechselt nach Rottenburg.

Am Dienstag gab in Libero Ferdinand Tille der dienstälteste Hachinger bekannt, dass er sich dem polnischen Erstligisten SKRA Belchatow anschließen wird.

Außenangreifer Tom Strohbach und Diagonalspieler Simon Hirsch werden wohl auch nicht zu halten sein.

"Kämpfen die ganze Zeit"

"Wir können es leider nicht ändern", weiß Köck, "wir kämpfen die ganze Zeit, doch die Jungs brauchen auch Sicherheit, und du kannst die Firmen nicht zwingen, uns zu helfen."

Bleibt diese Hilfe bis Freitag weiter aus, dürfte es das endgültig gewesen sein mit Profi-Volleyball in Unterhaching.

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