In Sorge: Mihai Paduretu kam 1991 nach Deutschland zum ASV Dachau © getty

Der Erfolgsklub Generali Haching steht vor dem Aus, weil der Hauptsponsor abspringt. Auch Hoeneß kann wohl nicht helfen.

Von Reinhard Franke und Martina Farmbauer

München - Vier Pokalsiege und drei Mal Vizemeister.

Das ist die stolze Bilanz von Generali Haching in den letzten fünf Jahren.

Der Verein entwickelte sich in dieser Zeit Stück für Stück weiter, wurde in Deutschland hinter dem VfB Friedrichshafen, so etwas wie der FC Bayern im Volleyball, zu einem Spitzenteam und machte sich auch international einen Namen.

Erfolge, die dem Klub aktuell nichts mehr nutzen: Er steht am Abgrund.

Gehen die Lichter aus?

Statt eine besinnliche Vorweihnachtszeit zu genießen, bangen die Verantwortlichen und Fans um das Überleben des Münchener Vorortklubs.

Der Grund: Hauptsponsor Generali steigt nach dieser Saison aus, weil der Vertrag nicht verlängert wird. Bis spätestens Ende Januar muss ein neuer Geldgeber gefunden werden.

"Es sieht düster aus und momentan ist kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen", sagt Hachings Manager Josef Köck im Gespräch mit SPORT1: "Doch die Hoffnung stirbt zuletzt."

"Wir spielen die Saison aber voll durch. Das ist alles finanziell gesichert." Köck klingt tief traurig.

Es sei "einfach tragisch, dass eine langjährige Top-Arbeit zu Grunde geht. Aber man hatte in den letzten Jahren den Eindruck, dass Volleyball in München keinen interessiert."

"Werden weiter kämpfen"

So ganz will der 65-Jährige aber noch nicht aufgeben. "Wir werden weiter kämpfen, wollen die Saison gut abschließen, jetzt kommen die Playoffs, das Team ist gut", so Köck.

Durchhalteparolen, mehr sind es wohl nicht. Die Zukunft von Trainer und Geschäftsführer Mihai Paduretu, der 1997 aus Dachau nach Haching kam und mit dem Klub 2000 in die erste Liga aufstieg, ist offen.

Köck sagt: "Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht, weil wir uns nur auf die Sponsorensuche konzentrieren."

Die Anforderungen an einen Geldgeber benennt er so: "Am liebsten wäre uns natürlich ein Unternehmen aus München - in einer solchen Sportstadt könnten beide Seiten profitieren."

Kündigung der Spielerverträge

Sollte das jedoch nicht gelingen, kommt es knüppeldick für die klammen Hachinger. Dann nämlich müssten Spielerverträge und Wohnungen der Spieler kurzfristig gekündigt werden.

Zweitklassigen Volleyball wird es nicht geben, betont Köck: "Wir müssen uns dann abmelden, es wird in München keinen Volleyball auf diesem Niveau mehr geben, weil wir gar nicht das Geld dazu haben."

Es könne zwar sein, "dass wir im März noch einen Sponsor finden, aber dann stellt sich die Frage, ob wir noch Spieler für die neue Saison zusammen kriegen."

Sponsor unterm Weihnachtsbaum

Paduretu gibt den Glauben nicht auf, dass ein neuer Sponsor unterm Weihnachtsbaum liegt: "Wir arbeiten daran und kämpfen bis zum letzten Tag", sagt der Rumäne zu SPORT1.

Ein Finanzier für die Hachinger stehe "nicht nur auf meinem Wunschzettel, sondern auch auf dem von vielen Leuten".

Doch der Erfolgscoach ist Realist genug und weiß: "Die Tage sind gezählt, das ist die Realität."

Im Etat des viermaligen Pokalsiegers klafft ein Loch in Höhe von mehr als einer Million Euro.

Aus im Pokal

Auch sportlich gab es auf der "Abschiedstournee" für die Paduretu-Jungs jetzt einen Dämpfer. In der Liga ist man zwar Tabellenführer, im Pokal aber kam am Wochenende das Aus.

Haching verlor im Halbfinale um den DVV-Pokal bei Meister Berlin Recycling Volleys mit 0:3 (21:25, 24:26, 18:25). Eine sechste Final-Teilnahme in Halle/ Westfalen wird es in dieser Saison also nicht geben.

Keine Hilfe von Hoeneß

In den letzten Jahren haben sie in Haching immer etwas neidisch auf Bayerns Basketballer geschaut.

Doch auch FCB-Präsident Uli Hoeneß, der den Korbjägern vor dreieinhalb Jahren finanziell unter die Arme griff und so den Grundstein für deren Erfolgsstory legte, kann wohl nicht helfen.

"Wir haben alles Mögliche probiert, auch über Hoeneß, über die Verbände, über die Politik, Vermarktungsagenturen, alle wollen helfen", erklärt Köck: "Aber bis jetzt ist die Hilfe ausgeblieben."

Weiterlesen