Björn Andrae wurde dreimal zu Deutschlands Volleyballer des Jahres gewählt © imago

Das DVV-Team hat das Olympia-Ticket in Sofia verpasst. Nun ruhen die Hoffnungen auf dem Weltturnier - vor eigenem Publikum.

Sofia - Der Stolz überwog, nachdem die ersten Tränen der deutschen Volleyballer getrocknet waren.

"Wir werden ohne Angst nach Berlin reisen und dort das Ticket nach London holen", sagte Kapitän Björn Andrae mit Blick auf die letzte Olympia-Chance selbstbewusst.

Beim Weltturnier in der Hauptstadt (8. bis 10. Juni, LIVE im TV auf SPORT1) hat die Mannschaft von Bundestrainer Vital Heynen noch eine letzte Chance, sich nach dem verlorenen Finale von Sofia für die Sommerspiele zu qualifizieren.

"Wir sind auf dem richtigen Weg"

Bei Heynen überwog einen Tag nach dem 2:3 gegen Italien im Endspiel des europäischen Qualifikationsturniers allerdings nach wie vor die Enttäuschung (London-Ticket verpasst: Letzte Hoffnung Berlin).

"Nun ist doch das Gefühl da, dass wir die Qualifikation für London das erste Mal verpasst haben", sagte Heynen kurz vor dem Rückflug nach Frankfurt.

Die Gemütslage der Mannschaft sah am Flughafen derweil schon anders aus. "Die Spieler waren gestern Abend ganz schwer enttäuscht. Aber heute sehe ich eine Gruppe, die zwar nicht froh ist, aber sehr entschlossen wirkt und weiß: wir sind auf dem richtigen Weg", so Heynen.

Besser verkauft als erwartet

Der 42-Jährige hatte die Auswahl des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) erst vor gut zweieinhalb Monaten übernommen, seine Schützlinge verkauften sich in Bulgarien deutlich besser als erwartet.

"Wir sind hierhin gefahren und haben gesagt, wir gucken mal, was wir können. Wenn wir ein Spiel gewinnen, sind wir froh", sagte der Bundestrainer: "Ich hatte vorher nicht erwartet, dass wir schon mit den besten Mannschaften Europas mithalten können."

Nach nur einer Woche Vorbereitung hatte sich das DVV-Team von Spiel zu Spiel gesteigert, im Halbfinale überraschend den Gastgeber ausgeschaltet und Italien in einem spannenden Endspiel nach einem 0: 2-Satzrückstand noch an den Rand einer Niederlage gebracht.

Neuer Führungsstil

Dieser Leistungssprung ist auch das Verdienst von Heynen, der beim DVV für einen neuen Führungsstil steht.

Dabei ist die Maxime des ehemaligen belgischen Nationalspielers der Spaß am Spiel. Unter seinem ungeliebten Vorgänger Raul Lozano war dem Team genau der abhanden gekommen, das Mannschaftsgefühl fehlte.

Mit Heynen fanden Andrae und Co. nun sowohl ihre Freude am Volleyball als auch den Teamgeist wieder.

Gegen Kuba, Tschechien und Indien

Heynen blickt daher auch optimistisch nach Berlin. "Wenn die Mannschaft so weitermacht, dann kann jeder kommen", sagte er.

Gegner in der Max-Schmeling-Halle sind Vize-Weltmeister Kuba, Tschechien und Indien. Bereits am Mittwoch holt Heynen sein Team in Heidelberg wieder zusammen und beginnt mit insgesamt 16 Spielern mit der Vorbereitung.

Zu einem Härtetest auf dem Weg nach London kommt es im Rahmen der World League in Frankfurt, wo die Deutschen vom 25. bis 27. Mai gegen den Weltranglisten-Achten Argentinien, Bulgarien und Portugal antreten. Danach folgen zwei Testländerspiele in Dessau (2. Juni) und Nordhausen (3. Juni). Der Gegner steht noch nicht fest.

Weiterlesen