Oliver Venno schaffte 2009/10 mit ACH Volley Bled das slowenische Double © getty

Nach sieben Meistertiteln in Folge scheitert der Serienmeister im Bundesliga-Halbfinale an Berlin. Andernorts atmet man auf.

Berlin - Als die Wachablösung perfekt war, gab sogar Bundestrainer Vital Heynen für einen Moment seine Neutralität auf.

"Ich sollte das vielleicht nicht sagen, aber es ist gut, dass Friedrichshafen Konkurrenz bekommt", sagte der Belgier nach dem Halbfinal-Aus von Seriensieger VfB Friedrichshafen im Kampf um die deutsche Meisterschaft bei den Berlin Recycling Volleys.

Die 7042 Zuschauer in der Berliner Max-Schmeling-Halle hielt jedenfalls nichts mehr auf ihren Sitzen, als die so erfolgreiche die Ära der Häfler erstmal beendet war.

Mit 1:3 verlor der Dauer-Champion die Halbfinalserie. Zum ersten Mal nach acht Jahren muss der VfB bei der Titelvergabe zuschauen.

"Konkurrenz belebt das Geschäft"

"In Friedrichshafen ist man sicherlich not amused, aber Konkurrenz belebt das Geschäft", sagte Berlins Volleyball-Präsident Rene Hecht.

Beim Verlierer herrschte Frust. "Die Meisterschaft ist für uns zu Ende - so früh wie selten", sagte Trainer Stelian Moculescu.

Der ehemalige Bundestrainer hatte den VfB zum FC Bayern München des Volleyballs geformt. Seit seinem Dienstantritt 1997 gab es pro Jahr mindestens einen Titel - manchmal ohne Notiz der Öffentlichkeit.

"Jetzt werden wir so viel Presse haben wie selten. Wenn wir gewinnen, ist das ja uninteressant", wetterte Moculescu.

Sieben Titel, elf Pokalsiege

Im restlichen Volleyball-Lager war die Erleichterung unüberhörbar. Zu mächtig, zu überlegen war die Rolle, die Friedrichshafen in den letzten Jahren eingenommen hatte.

Sieben deutsche Meistertitel, elf Pokalsiege. Als einziges europäisches Team waren die Häfler seit Gründung der Champions League 2000/2001 immer in der Königsklasse vertreten.

Das wird in der kommenden Saison anders sein, wenn der Antrag des Klubs auf eine Wildcard abgelehnt wird.

Umzug lässt Kasse klingeln

Chancen auf die neue Nummer eins rechnen sich nun die BR Volleys aus Berlin aus.

Zumindest die Fans sind jetzt schon spitze. Mit 7042 Zuschauern wurde der eigene Liga-Rekord von 2009 (7700) knapp verpasst.

Der Umzug in die Schmeling-Halle erwies sich als Glücksfall und lässt beim Klub aus Charlottenburg die Kasse klingeln. Zum Vergleich: Zu den Spielen von Generali Haching, ab Samstag Gegner in der Finalrunde, kommen gerade mal ein paar hundert Zuschauer.

Carroll: 24 Punkte in drei Sätzen

Auch sportlich überzeugten die Berliner am Sonntag im vierten Spiel der Halbfinal-Serie. Zwar wurde der erste Satz mit 17:25 abgegeben, doch spätestens mit der Einwechslung von Paul Carroll drehte sich das Spiel.

Der Aussie, der zuletzt an einem Sehnenriss in der Schulter laborierte, machte unglaubliche 24 Punkte in drei Sätzen.

"Ich hatte keine andere Wahl und musste 100 Prozent geben. Und wenn die Schulter gerissen wäre, wäre sie eben gerissen", sagte der Diagonalangreifer.

Serienmeister in Schmollecke

Der entthronte Serienmeister zog sich nach der Niederlage in die Schmollecke zurück.

"Ich habe keine Idee, was ich jetzt machen soll. Das habe ich nicht erwartet", sagte Mittelblocker Matthew Denmark.

Am Montag ging es aus Berlin per Flieger von Tegel zurück Richtung Heimat. Gegen zehn Uhr holten die Spieler ihre Autos vom Vorplatz der Friedrichshafener Sporthalle ab und fuhren gefrustet nach Hause.

Am Donnerstag soll es eine Saisonabschlussfeier geben - mit allen Freunden und Fans des Klubs und so früh wie seit Jahren nicht mehr beim VfB Friedrichshafen.

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