Der 43-jährige Teemu Selänne hört nach 21 Jahren und 684 Toren in der NHL auf © getty

Mit dem Aus in den Playoffs endet die große NHL-Karriere des Teemu Selänne. In Anaheim hebt er das Spiel auf ein neues Niveau.

Von Rainer Nachtwey und Eric Böhm

München/Anaheim - Langsam, so, wie man ihn sonst nie auf dem Eis sah, drehte er eine Runde. Erst eine, dann eine zweite. Arm in Arm mit dem gegnerischen Keeper.

Er winkte seinen Fans zu, die unentwegt seinen Namen riefen: "Teemu, Teemu!"

Zwei Wochen ist es her, dass Teemu Selänne sich von seinen Fans im Honda Center, der Heimstätte der Anaheim Ducks, verabschiedet hatte (Die NHL LIVE im TV auf SPORT1 US und im Livestream).

Es war nach dem letzten Spiel der Regular Season. Seiner letzten. Nach 21 Jahren NHL und 684 Toren ist für den 43 Jahre alten Finnen Schluss. Das hatte er bereits vor dem Saisonstart angekündigt.

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15 Saisons in Anaheim

Das bittere 2:6 in Spiel 7 der Conference-Halbfinals gegen die Los Angeles Kings (Bericht) war nun der endgültige Schlusspunkt einer großen Karriere. SHOP: Jetzt Eishockey-Artikel kaufen

Es ist typisch für den stillen Finnen, dass er im ersten Moment nur an sein Team denken mochte, schließlich ging er insgesamt 15 Jahre für seine Ducks auf Torejagd.

"Wir wussten, dass es entweder eine riesengroße Party oder eine große Enttäuschung gibt. Eine riesengroße Enttäuschung ist es geworden", sagte Selänne. Teamkollegen und Gegner hätten dem Sympathieträger ein anderes Ende gewünscht:

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Große Emotionen

Eine letzte Ehrenrunde durch den Arrowhead Pond, der heute Honda Center heißt und am 6. Februar 1996 zu seinem zweiten Zuhause wurde, ließ dann doch die Emotionen herausbrechen (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).

Teamkollege Ryan Getzlaf überreichte Selänne nach der Sirene den Puck, auch die Kings traten beiseite und trommelten mit ihren Schlägern respektvoll aufs Eis.

"Es sind großartige Erinnerungen, die mich den Rest meines Lebens begleiten werden. Ich hätte so eine Karriere nie erwartet. Dafür bin ich unendlich dankbar", erzählte der Inhaber von zwölf Ducks-Rekorden.

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Fantastischer NHL-Start

In Winnipeg eroberte der Rechtsaußen die NHL in der Saison 1992/93 im Sturm. 76 Tore schoss er als Rookie - ein Rekord, dem seither niemand auch nur nahe kam. "Das war der absolute Wahnsinn", erinnert sich SPORT1-Experte Rick Goldmann.

Beim 54. Treffer, der die alte Bestmarke von Mike Bossy löschte, warf Selänne seinen Handschuh in die Luft und schoss ihn mit dem Schläger demonstrativ runter.

"Ich hatte mir vorher einige Sachen überlegt, aber in dem Moment war alles weg. Es war dann das beste, was mir einfiel", sagte er später einmal.

Geniales Duo mit Kariya

Trotzdem tauschten ihn die Jets im Februar 1996 ein. Der geschockte Selänne erfuhr davon beim Training und verließ die Arena wortlos. Schon bald erkannte er aber, dass Anaheim "die beste Sache war, die mir je passiert ist".

Dort dufte er zunächst mit seinem großen Idol Jarri Kurri spielen und bildete mit dem Kanadier Paul Kariya ein geniales Duo. Beide glänzten mit 50-Tore-Saisons und jeweils über 100 Punkten. 1997 führten sie die damaligen Mighty Ducks zum ersten Mal überhaupt in die Playoffs.

"Vor allem seine Geschwindigkeit war herausragend. Damit hat er gemeinsam mit Paul Kariya in Anaheim das Spiel auf ein neues Niveau gehoben", schwärmt Goldmann.

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Schwere Jahre im Exil

Den ersten kleinen Karriereknick brachte der Trade nach San Jose zu den Sharks - dort wurde der "Finish Flash" Teamkollege von Marco Sturm.

Trotz weiterhin guter individueller Zahlen lief es bei dem Team nicht rund. Als Free Agent ging der zehnmalige All-Star 2003 nach Colorado, wo er wieder mit Kariya zusammenspielte.

Aufgrund von Verletzungen und Formschwäche rutschte Selänne aber in die vierte Reihe der Avalanche ab. Der NHL-Lockout 2004/2005 gab ihm jedoch die unverhoffte Möglichkeit, seine Knieprobleme auszukurieren.

Triumphale Rückkehr

Das Angebot zur Rückkehr nach Anaheim kam als es wieder losging wie gerufen. Sofort trumpfte Selänne wie in alten Zeiten auf. 2006 gelang im sein 1000. Punkt, und er führte das Team ein Jahr später zum historischen Stanley-Cup-Sieg über die Ottawa Senators.

Danach hörte er auf, spielte ein halbes Jahr nur Golf. Während der Saison kam er doch zurück und hing noch sieben weitere Jahre dran.

Die fast schon sprichwörtliche Geschwindigkeit ließ zwar mit den Jahren nach, aber der Torriecher blieb ihm treu. Genau wie die anderen Großen vor ihm stellte er sein Spiel im Herbst der Karriere etwas um.

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Olympia als letztes Hurra

Bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi ließ er seine Qualitäten noch einmal aufblitzen, führte Finnland zu Bronze und wurde nebenbei zum erfolgreichsten Punktesammler der olympischen Geschichte (43).

Nach den vielen Absagen bei den "Leijonat" hatten ihm zahlreiche Experten es nicht mehr zugetraut, das Team zu führen. Denen bewies er als MVP des Turniers eindrucksvoll das Gegenteil, obwohl es auch im letzten Anlauf mit dem ersehnten Titel für Finnland nicht klappen wollte.

"Er ist der beste finnische Spieler aller Zeiten. Es war beeindruckend, bei internationalen Begegnungen gegen ihn zu spielen", betont Goldmann.

Seinen großen Stellenwert untermauerte auch sein letzter Auftritt in Winnipeg. Dort wurde Selänne im Oktober mit Standing Ovations gefeiert, obwohl er die Jets vor mehr als 17 Jahren verlassen hatte.

Das Aus gegen L.A. war zwar der letzte Akt, der vorgezogene Abschied zwei Wochen zuvor mit Colorados Goalie Jean-Sebastien Giguere - dem Goalie beim Stanley-Cup- Triumph 2007 - beschrieb aber noch treffender seinen Charakter. Bei ihm kam das wir immer vor dem ich.

Die stille Legende wird der NHL fehlen.

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