Die Montreal Canadiens stehen erstmals seit 2010 im Conference-Finale der NHL © getty

Seit dem letzten Titel der Montreal Canadiens 1993 wartet Kanada auf den Stanley Cup. Das Team um den Österreicher Thomas Vanek darf träumen.

München - Auch der kanadische Premierminister schien fast zu platzen vor Genugtuung. "Es ist großartig zu sehen", teilte Stephen Harper wie gewohnt über Twitter mit, "dass eine kanadische Mannschaft endlich mal die Bruins in einem siebten Spiel rauswirft."

In Montreal, der Heimatstadt jener Mannschaft, die gerade das ganze Land vertritt, flippten derweil die Menschen kollektiv aus (Die NHL LIVE im TV auf SPORT1 US und im Livestream).

Tausende strömten aus den Sportbars hinaus auf die Straßen, selbst die zahlreichen Polizisten, die Ausschreitungen wie in der Vergangenheit verhindern sollten, stießen begeistert die Fäuste in den Nachthimmel.

"Wir wollen den Cup", hallte es durch die Stadt.

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Kanada wartet seit 21 Jahren

Etwa 500 Kilometer weiter südöstlich hatte sich der "Club de Hockey de Montreal", auch bekannt als Montreal Canadiens, in einer nach Meinung aller Beobachter epischen Playoff-Serie im entscheidenden siebten Spiel mit 3:1 bei den Bosten Bruins durchgesetzt (News). SHOP: Jetzt Eishockey-Artikel kaufen

"Eight down, eight to go", titelte die "Montreal Gazette". Übersetzt heißt das: Die Canadiens haben acht Spiele gewonnen auf dem Weg ins Viertelfinale - acht Siege sind nun noch nötig, um erstmals seit 21 Jahren den Stanley Cup wieder nach Kanada zu holen.

2011 scheiterte Christian Ehrhoff mit den Vancouver Canucks im Finale - eines von fünf kanadischen Teams, die nach 1993 in den Endspielen das Nachsehen hatten (1994 Canucks, 2004, Calgary Flames, 2006 Edmonton Oilers, 2007 Ottawa Senators). Im Halbfinale trifft Montreal ab Samstag auf die New York Rangers.

Canadiens sind eine Religion

Die Canadiens sind nicht irgendeine Mannschaft, nicht in Kanada, und schon gar nicht im lebensfrohen Montreal.

Die Verehrung für die "Habs", abgeleitet aus "les habitants", wie die ersten französischsprachigen Siedler in Kanada genannt wurden, hat seit den erfolgreichen 1950-er Jahren beinahe religiöse Züge angenommen ( 890717 DIASHOW: Die deutschen Cracks in der NHL ).

Die Canadiens gehören zu den "original six", jenen sechs Mannschaften, aus denen von 1942 bis 1967 die NHL bestand. Mit 23 Titeln sind sie Rekordtitelträger. In diesem Jahr zogen sie außerdem als einzige kanadische Mannschaft in die Playoffs ein.

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Spieler glauben an die Chance

Seit 1993 haben die Habs nur noch einmal das Halbfinale erreicht, 2010 gegen die Philadelphia Flyers.

Der Erfolg über die Bruins, Erzrivale der Canadiens seit der "original six"-Ära, Titelträger von 2011 und beste Mannschaft der Vorrunde, nährt die Hoffnung, dass es endlich was werden könnte mit Stanley Cup Nummer 24.

In Thomas Vanek gehört auch ein Österreicher zu den Leistungsträgern. Mit seinem Doppelpack in Spiel 6 machte er das Weiterkommen überhaupt erst möglich.

"Hey, wir haben gerade das beste Team der Liga geschlagen", sagte Coach Michel Therrien. Und das, obwohl Montreal in der Serie bereits mit 2:3 zurücklag. "Wir haben das verdient. Wir haben alles gegeben. Nichts ist uns geschenkt worden", betonte Verteidiger P.K. Subban.

Verteidiger als bester Scorer

Pernell Karl Subban ist das neue Gesicht der Canadiens - und es ist ein dunkelhäutiges.

In den Playoffs ist der giftige Abwehrspieler der beste Scorer der Mannschaft. In Spiel fünf der Serie gegen Boston stand er auch deshalb im Mittelpunkt, weil ihm Bostons Shawn Thornton von der Bank aus Wasser aus einer Flasche ins Gesicht spritzte.

Thornton erhielt von der NHL 2850 Dollar Geldstrafe aufgebrummt. Beim obligatorischen Händeschütteln nach Spiel sieben gerieten Spieler beider Mannschaften dann noch verbal aneinander - und Subban schien Thornton ein Küsschen zuzupusten.

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Price winkt das Double

Der zweite große Gewinner der Serie war Carey Price. Der Torhüter hielt erst in Spiel sechs (4:0) sein Tor sauber, dann brachte er die Bruins in deren TD Garden zur Verzweiflung. Dafür gab es höchste Anerkennung vom Gegner.

"Carey Price war herausragend. Jede Nacht hat er ihnen die Chance zum Sieg gegeben. Wenn er so spielt, gibt er seinem Team jede Menge Selbstvertrauen und einen der Schlüssel zum Sieg", sagte Bruins-Coach Claude Julien.

Im Februar hatte Price bereits der kanadischen Nationalmannschaft zur Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Sotschi verholfen.

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