DAVID WOLF (Calgary Flames, Stürmer, 24): Von Hamburg in die große NHL-Welt: Wolf ist ein kräftiger Angreifer, der nicht nur über einen Guten Schuss verfügt. Die Flames sehen in ihm eine potenzielle Verstärkung und geben dem Ex-Freezer einen Einjahres-Vertrag
David Wolf unterschreibt bei den Flames einen Einjahresvertrag © getty

David Wolf spricht im SPORT1-Interview über das Schinden für die NHL, Härte im Spiel und Nachholbedarf im deutschen Eishockey.

Von Patrick Mayer

München/Hamburg - David Wolf gilt als einer der talentiertesten Angreifer des deutschen Eishockeys - und als harter Spieler.

Anfang April schlug der 24-Jährige seinem Ingolstädter Gegenspieler Benedikt Schopper im Halbfinale der DEL-Playoffs sechs Zähne aus (Die NHL LIVE im TV auf SPORT1 US und im Livestream).

Die Liga sperrte ihn für sieben Partien, er musste 2100 Euro Strafe zahlen (News). Die Staatsanwaltschaft prüft eine Anzeige wegen Körperverletzung.

Einjahresvertrag in Kanada

Daran hat sich nach SPORT1-Informationen bis heute nichts geändert. An seinem Arbeitgeber schon. Die Calgary Flames aus der NHL haben den Stürmer der Hamburg Freezers verpflichtet (News). Er unterschrieb einen Einjahresvertrag.

Im SPORT1-Interview spricht Wolf über das Schinden für den Traum NHL, Härte im Spiel und Nachholbedarf im deutschen Eishockey.

SPORT1: Herr Wolf, es ist soweit. Sie haben einen NHL-Vertrag unterschrieben - und sich Ihren Kindheitstraum erfüllt?

David Wolf: Auf jeden Fall. Jeder, der mit der Absicht einmal Profi zu werden mit dem Eishockeyspielen anfängt, träumt von der NHL. Das habe ich von Kindheit an.

SPORT1: Ein Ziel, das einen immer motiviert - im Kraftraum, auf dem Laufband, beim Schinden?

Wolf: Es ist im Kopf drin. Man hat als junger Spieler immer die Hoffnung im Hinterkopf, irgendwann einmal entdeckt zu werden und gut genug zu sein, um dort einen Vertrag unterschreiben zu dürfen. Ich habe gesehen, umso besser ich werde, umso näher komme ich ran. Schließlich habe ich gemerkt, dass auch andere Leute auf mich aufmerksam wurden. Dann wirfst du noch mal alles in die Waagschale.

SPORT1: Sie sprechen von Scouts aus Nordamerika?

Wolf: Wenn du gut spielst, ist es egal, ob du in der DEL spielst, in der Schweiz, in Schweden oder sonst wo. Das spricht sich rum. Wenn der eine oder andere aus Nordamerika auf so einen Spielertypen steht, fliegt er rüber und schaut sich den an. Die Scouts beobachten dich ein paar Spiele und reden mit dir, wenn ihnen gefallen hat, was sie gesehen haben. Es kann sein, dass sie dich über Jahre beobachten ?

SPORT1: ? ganz schön lange ?

Wolf: Ja, sie rufen Leute an, die dich kennen, um möglichst viele Informationen über dich einzuholen. Wenn es dann soweit ist, reden sie mit dir.

SPORT1: Wann gab es die erste offizielle Anfrage?

Wolf: Das erste Treffen war im Januar. Da habe ich mich mit mehreren Scouts aus verschiedenen Klubs getroffen.

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SPORT1: Welche Klubs haben mit Ihnen gesprochen?

Wolf: Es waren zwei mit denen ich gesprochen habe, insgesamt drei haben mich beobachten lassen. Bei den Flames habe ich sofort gespürt, dass die mich wirklich wollten, und war nach den Gesprächen Feuer und Flamme.

SPORT1: Wie haben die Flames Ihr Interesse begründet?

Wolf: Calgary sucht große Spieler, die alles können. Sie wollen größer werden. Brian Burke, President of Hockey Operations, betont das immer wieder in Interviews. Deshalb sind sie auf mich zugekommen. Ich bin ein Spieler, der groß ist, hart spielen kann, sprich Checks zu Ende fährt, hart zum Tor geht, dabei auch Tore schießen und Pässe spielen kann - was nicht typisch ist für einen Powerforward.

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SPORT1: Und wie geht's jetzt weiter?

Wolf: Es wird ein Camp geben, das MItte September beginnt und einen Monat dauert. Ich werde mit Sack und Pack rüber fliegen und solange im Hotel wohnen. Jede Woche werden Spieler aussortiert, die in die AHL in die zweite Mannschaft, die Abbotsford Heat, gehen. Wenn du danach noch dabei bist, sieht es gut aus, dass du auch für die Flames spielen wirst. Ich muss gut arbeiten im Sommer.

SPORT1: Sprich Kraft bolzen?

Wolf: Im Sommer bist du wenig auf dem Eis. Ich arbeite an der Athletik und an der Kraft. Sechs Mal in der Woche wird trainiert.

SPORT1: Wie sieht Ihr Training aus?

Wolf: Ich mache viel Freihantel-Training. Montags Kraftübungen, zum Beispiel Umsetzen und Kniebeugen. Dienstags bin ich zum Beispiel im Leichtathletikzentrum, mache Sprünge, Sprints, koordinative Sachen. Da geht's um Spritzigkeit. Nachmittags spielt man ein wenig Fußball oder Tennis.

SPORT1: Das alles fürs große Ziel. Das Privatleben ist eine andere Sache. Fliegt die Freundin mit?

Wolf: Ani bleibt im ersten Jahr hier. Ich werde mich auf vieles Neues einstellen müssen und viel rumreisen. Sie macht hier ihre Ausbildung zu Ende, während ich rüber gehe und versuche, mein Ding durchzuziehen. Wenn ich mich durchsetze, wird sie nachkommen.

SPORT1: Sie werden einer der wenigen deutschen Spieler drüben sein.

Wolf: Gerade für einen deutschen Spieler ist es schwierig, den Schritt nach Nordamerika zu machen. Das sind Ausnahmen.

SPORT1: Warum?

Wolf: Es gibt einiges, was man im deutschen Eishockey verbessern kann, damit die Nationalmannschaft sich mal etabliert. Ich bin in Mannheim groß geworden. Um mich hat man sich gekümmert, ich hatte zweimal die Woche Training, Unterricht mit der Mannschaft, bin auf internationale Turniere gefahren. Wenn einer irgendwo in Bayern oder in Hamburg zum Nachwuchs geht, sind solche Strukturen nicht immer gegeben. Wenn wie in Mannheim, vielleicht auch in Berlin und in Köln mit dem Nachwuchs gearbeitet werden würde, würden wir auch für die Zukunft bessere Spieler raus bringen. Hamburg ist da aber auf dem richtigen Weg.

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