Christian Ehrhoff stand 2011 mit den Vancouver Canucks in den Stanley-Cup-Finals © getty

Trotz Stanley Cup als Ziel legen die Buffalo Sabres einen Fehlstart hin. Sein Vertrag blockiert einen möglichen Wechsel.

München/Buffalo - Das Angebot war für Christian Ehrhoff einfach zu verlockend. Der deutsche Eishockey-Nationalspieler hatte bei den Vancouver Canucks gerade seine beste Saison in der NHL gespielt, die Krönung im Stanley-Cup-Finale gegen Dennis Seidenberg und die Boston Bruins nur hauchdünn verpasst.

Ehrhoffs Vertrag in der Olympiastadt lief aus, er war einer der heißesten Namen auf dem Transfermarkt, und die Buffalo Sabres köderten ihn mit einem Mega-Deal.

40 Millionen Dollar bis 2021

"Ich möchte den Stanley Cup gewinnen, und ich glaube, dass ich in Buffalo gute Chancen habe, diesen Traum zu verwirklichen", sagte Ehrhoff damals.

40 Millionen Dollar kassiert der 31-Jährige bis 2021, zehn davon wanderten gleich im ersten Jahr auf sein Konto. Doch im Moment erweckt diese enorme Summe eher den Anschein von Schmerzensgeld.

Katastrophaler Saisonstart

Buffalo ist himmelweit vom großen Triumph entfernt, nach neun Saisonspielen und der 0:3-Pleite ausgerechnet gegen Ehrhoffs Ex-Klub Vancouver ist der Finalist von 1999 so langsam am Tiefpunkt angekommen.

Ein Sieg steht auf der Habenseite, kaum ein NHL-Team gibt ein ähnlich desaströses Bild ab. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

"Ich muss sagen, dass der Schuss zunächst nach hinten losgegangen ist", sagte Ehrhoff im Gespräch mit der "FAZ".

Der gebürtige Moerser hat noch einen vergleichsweise geringen Anteil an der ausgeprägten Misere. In der Bilanz, die ausweist, bei wievielen Gegentoren ein Spieler auf dem Eis steht, hat Ehrhoff den besten Wert seiner Mannschaft. Und das, obwohl er mit fast 26 Minuten im Schnitt die deutlich größten Spielanteile von Coach Ron Rolston erhält.

Aber vor allem in der Offensive sind die Sabres derzeit an Harmlosigkeit nicht zu übertreffen, elf Tore sind schon fast peinlich schlecht, auch der Deutsche hat bisher nicht getroffen.

Unruhe im Umfeld

"Uns fehlt es an einigen Ecken", stellte Ehrhoff noch eher untertreibend fest. Garniert wird die sportliche Talfahrt mit ziemlichem Getöse im Umfeld.

Über die Ablösung des langjährigen General Managers Darcy Regier wird spekuliert, Fans fordern immer lauter seine Entlassung. Rolston, der erst vor acht Monaten den Trainerjob erhalten hatte, steht im Kreuzfeuer der Kritik.

Franchise-Eigner und Multi-Milliardär Terry Pegula will plötzlich einen Neuaufbau starten. Von der einst vollmundigen Ankündigung, der Gewinn des Stanley Cups sei künftig "die einzige Existenzberechtigung" der Sabres, ist nichts mehr zu hören.

Stattdessen könnten von den neben Ehrhoff wenigen noch an den Niagara-Fällen verbliebenen Stars Torhüter Ryan Miller und der Österreicher Thomas Vanek bald ein anderes Trikot tragen. Beide sind im letzten Vertragsjahr, Verhandlungen mit den Edmonton Oilers sollen im Gange sein.

Vertrag macht Wechsel problematisch

Alles keineswegs rosige Aussichten für den deutschen Offensiv-Verteidiger, dessen einst so lukrativer Deal nun zu Ballast wird.

Interessenten gebe es auch für Ehrhoff reichlich. Doch sich mit ihm einen mächtigen Vertrag einzuhandeln, der ausläuft, wenn Ehrhoff 39 Jahre alt ist, dürfte in Zeiten einer Gehaltsobergrenze abschrecken. Er mache sich keine Gedanken über einen Wechsel, sagte Ehrhoff, "aber ich weiß, dass mein Vertrag ein Problem wäre."

Erst recht, wenn der Absturz anhält und der Frust ähnlich rasant steigt wie Ehrhoffs Sehnsucht nach der begehrtesten Trophäe im Welt-Eishockey.

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