Kings-Kapitän Dustin Brown (l.) steuerte in den Playoffs sieben Tore und neun Assists bei © getty

In Los Angeles bricht wieder das Eishockey-Fieber aus. Goalie Quick und Stürmer Penner erinnern an Gretzkys Heldentaten.

München/Los Angeles - Trotz frühsommerlicher Temperaturen ist in der südkalifornischen Metropole Los Angeles endgültig das Eishockey-Fieber ausgebrochen.

Die Kings sind als Überraschungsteam der Saison zum zweiten Mal nach 1993 ins Finale der NHL eingezogen und verzaubern mit der Chance auf den ersten Stanley-Cup-Triumph die Stadt der Engel.

Nach dem 4:3 nach Verlängerung im fünften Spiel des Conference-Finales gegen die Phoenix Coyotes, mit dem die Kings die "Best-of-seven"-Serie 4:1 für sich entschieden, lobte Coach Daryl Sutter seine Schützlinge entsprechend ausgiebig (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).

"Sie sind es, die schwitzen und bluten"

"Ich bin stolz auf die Spieler. Ihre Leistung ist beeindruckend, sie sind es, die schwitzen und bluten", sagte der kauzige Kings-Trainer.

L.A., das sich als Achter denkbar knapp für die Endrunde qualifiziert hatte, hat mit den Vancouver Canucks (4:1), St. Louis (4:0) und nun Phoenix die drei höchstgesetzten Teams des Westens ausgeschaltet.

"Die Dinge haben sich zur rechten Zeit für uns zusammengefügt", sagte Kings-Kapitän Dustin Brown und erklärte das Geheimrezept: "Jeden Abend haben wir andere Helden. Es ist wie ein Schneeballeffekt."

An diesem Abend in der Halle der "Koyoten" war es Dustin Penner, der mit seinem Treffer nach 17:42 Minuten der Overtime zum Matchwinner wurde.

Im Kampf um die begehrte Stanley-Cup-Trophäe treffen die Kings ab dem 30. Mai auf die New York Rangers oder die New Jersey Devils. In der Final-Serie im Osten steht es 2:2.

Im Staples Center herrscht wieder Eishockey-Atmosphäre

Die Stadt goutiert den Siegeszug der Kings, mit einem Mal ist es laut im Staples Center, und eine längst verloren geglaubte Begeisterung ist entbrannt.

Bester Indikator für das Interesse ist der Starfaktor bei den Heimspielen. Die Los Angeles Times schreibt von einer regelrechten "Kingsanity" - dem Wahnsinn rund um die Kings.

Da tummeln sich inzwischen Hollywood-Größen wie Tom Hanks oder Kurt Russell unter den Zuschauern, wirbt Basketball-Legende Magic Johnson um Unterstützung.

Erinnerungen an "The Great One" werden wach

Selbst Lakers-Star Kobe Bryant und die Fußballer der L.A. Galaxy mit Englands Glamour-Boy David Beckham und dem Ex-Bundesligaspieler Landon Donovan finden es schick, zum Eishockey zu gehen.

Die L.A. Kings erleben einen Aufschwung wie damals, als Wayne Gretzky die Filmmetropole mit seinen Kunststücken verzückte.

Es war ein Meilenstein für die US-Expansion der NHL, als "The Great One" 1988 die Edmonton Oilers verließ und unter Tränen seinen Wechsel nach Kalifornien bekannt gab.

Was in Alberta zu einer Eruption führte, löste nicht nur in L.A. eine nie geahnte Eishockey-Popularität aus, sondern lieferte das Fundament für die Gründung weiterer NHL-Teams im Süden der USA.

Zu Gretzkys Zeiten lebten die Kings vom Offensivspektakel, am aktuellen Erfolg hat US-Torhüter Jonathan Quick, der von den gegnerischen Stürmern bislang kaum zu überwinden war, den größten Anteil.

Offensive aus dem Dornröschenschlaf erwacht

Quick überzeugt mit extravagantem Stil und unglaublichen Reflexen. Dazu steht die Defensive um den Kanadier Doughty wie ein Fels in der Brandung, und selbst der Angriff offenbart plötzlich die Tiefe und Ausgeglichenheit, die in der Vorrunde lange vermisst worden war.

Nur die Minnesota Wild erzielten dort noch weniger Tore als Los Angeles.

Als Gretzky vor 19 Jahren die Chance auf den großen Pott hatte, unterlag L.A. im Stanley-Cup-Finale den Montreal Canadiens deutlich 1:4.

Das kalifornische Märchen soll diesmal mit der Krönung der Kings enden - doch ein nicht ganz unwichtiges Detail fehlt laut Dustin Penner noch für das hollywoodreife Ende: "Wir müssten noch einen größeren Wagen besorgen."

Weiterlesen