Die L.A. Kings haben nacheinander die Topfavoriten der Western Conference eliminiert © getty

Die Kings marschieren durch die Playoffs und jagen den populären NBA-Stars sogar die VIPs ab. Der Hype erinnert an Gretzkys Zeit.

München/Los Angeles - Die Glitzerwelt am Venice Beach steht Kopf. Eishockey boomt wieder in Los Angeles wie es das in der südkalifornischen Metropole seit Wayne Gretzky nicht mehr gegeben hat.

In den NHL-Playoffs haben die Kings nacheinander die Nummer eins und zwei der Western Conference ausgeschaltet, überraschend deutlich und beängstigend souverän. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

L.A., das sich als Achter nur mit Ach und Krach für die Endrunde qualifiziert hatte, steht im Conference-Finale und die Chance auf den ersten Stanley-Cup-Titel in der Franchise-Geschichte ist so groß wie seit 19 Jahren nicht mehr.

Ab Sonntagnacht (Spiel eins, ab 2 Uhr LIVESCORES) sollen nun die Phoenix Coyotes als nächstes Team daran glauben müssen. "Wir sind total glücklich, soweit gekommen zu sein", sagt Verteidiger-Jungstar Drew Doughty: "Aber wir sind noch nicht fertig."

Hollywood und Sportlegenden sind Fans

Die Stadt goutiert den Siegeszug der Kings, mit einem mal ist es laut im Staples Center und eine längst verloren geglaubte Begeisterung ist entbrannt.

Bester Indikator für das emporgeschossene Interesse ist der Starfaktor bei den Heimspielen der Kings. Die angesehene Los Angeles Times schreibt von einer regelrechten "Kingsanity" - dem Wahnsinn rund um die Kings.

Da tummeln sich inzwischen Hollywood-Größen wie Tom Hanks, Matthew Perry oder Kurt Russell unter den Zuschauern, wirbt Basketball-Legende Magic Johnson um Unterstützung.

Selbst Lakers-Superstar Kobe Bryant und die Fußballer der L.A. Galaxy mit Englands Glamour-Boy David Beckham und dem Ex-Bundesligaspieler Landon Donovan finden es chic, zum Eishockey zu gehen.

Goalie als Erfolgsgarant

Die Kings sind wieder in, erleben einen Aufschwung wie damals, als Wayne Gretzky die Filmmetropole verzückte. Es war ein Meilenstein für die US-Expansion der NHL, als "The Great One" 1988 die Edmonton Oilers verließ und unter Tränen seinen Wechsel nach Kalifornien bekanntgab.

Was in Alberta zu einer Eruption führte, löste nicht nur in L.A. eine nie geahnte Eishockey-Popularität aus, sondern lieferte das Fundament für die Gründung weiterer NHL-Teams im Süden der USA.

Zu Gretzkys Zeiten lebten die Kings vom Offensivspektakel, am aktuellen Erfolg hat Torhüter Jonathan Quick, der von den teils hoch dekorierten gegnerischen Stürmern bislang kaum zu überwinden war, den größten Anteil.

Die schwedischen Sedin-Zwillinge Henrik und Daniel bissen sich mit den Vancouver Canucks ebenso die Zähne aus wie die St. Louis Blues. Quick überzeugt mit extravagantem Stil und unglaublichen Reflexen. Vergleiche zu Tschechiens Legende Dominik Hasek werden bereits gezogen.

"Jeder hat großen Spaß"

Dazu steht die Defensive um den Kanadier Doughty wie ein Fels in der Brandung und selbst der Angriff offenbart plötzlich die Tiefe und Ausgeglichenheit, die in der Vorrunde lange vermisst worden war. Nur die Minnesota Wild erzielten dort noch weniger Tore als Los Angeles.

An der Seite von Kapitän Dustin Brown und dem Slowenen Anze Kopitar haben jetzt aber selbst Ergänzungsspieler wie Trevor Lewis entscheidenden Einfluss gewonnen.

"Wir spielen mit unglaublich viel Selbstvertrauen. Jeder hat großen Spaß und fühlt sich als wichtiger Teil des Teams", sagt Doughty.

Happy End in den Finals?

Als Gretzky vor 19 Jahren die Chance auf den großen Pott hatte, unterlag L.A. im Stanley-Cup-Finale den Montreal Canadiens dann deutlich.

Seine Nachfolger, die vom kauzigen Darryl Sutter gecoacht werden, wollen die Mission nun vollenden. Es gibt bestimmt schon jemanden in Hollywood, der dies gerne als Drehbuchvorlage nutzen würde.

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