Zema "Chief Zee" Williams ist das inoffizielle Maskottchen der Washington Redskins © imago

US-Senatoren fordern die Washington Redskins auf, ihren Namen zu ändern. Dumm nur: Die Mehrheit der Ureinwohner sieht das anders.

Von Eric Böhm

München - Früher waren es Unterdrückung und Vertreibung. Heute sind es hohe Arbeitslosigkeit und fehlende Krankenversicherungen.

Es gab und gibt eine Menge Probleme, mit denen die aktuell rund drei Millionen amerikanischen Ureinwohner zu tun haben.

Das allergrößte allerdings scheint aktuell mal wieder ein ganz anderes zu sein: der Name eines Footballteams.

So zumindest ist der Eindruck, den US-Senatoren und Interessengruppen im Streit um die Washington Redskins gerade wieder vermitteln (Die NFL-Saison 2014 LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Das tatsächliche Bild ist komplizierter - und wirft die Frage auf, wie sehr es darin wirklich um die Belange sich diskriminiert fühlender Menschen geht.

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Senatoren schicken Brief an die NFL

49 Senatoren haben soeben einen Brief an NFL-Commissioner Roger Goodell geschrieben, in dem die Namensänderung gefordert wird (SHOP: Jetzt Football-Artikel kaufen).

"Heute drängen wir die NFL, dem Beispiel der NBA zu folgen und klarzustellen, dass Rassismus und Bigotterie im Profisport nichts zu suchen haben", hieß es in dem Schreiben.

Tatsächlich führt die "Oneida Indian Nation" - ein Stamm im Staat New York - eine landesweite Kampagne zur Umbenennung an und beruft sich auf den "gemeinschaftlichen Willen unseres Volkes".

90 Prozent der Ureinwohner pro Redskins

Eine Studie des "Annenberg Public Policy Centers" sagt anderes aus. Demnach fühlten sich 90 Prozent der befragten Ureinwohner durch den Begriff, der früher tatsächlich als Schimpfwort benutzt wurde, nicht beleidigt.

Viele Stämme betonen im Gegenteil, wie stolz sie der dreimalige Super-Bowl-Champ macht, weil er dem Wort "Rothaut" eine neue Bedeutung gegeben hat.

"Viele Leute sprechen für uns, die keine Natives sind. Redskin wurde uns nicht vom weißen Mann verliehen, diese Identität wurde uns genommen. Mit dem Namen wird unsere Kultur in Ehren gehalten", sagt Häuptling Stephen Dodson vom Stamm der Aleuten aus Alaska (So spricht die NFL: Die wichtigsten Begriffe).

Erster Coach war Native

Tatsächlich ist die Geschichte der Washington Redskins keine Geschichte, die an den Ureinwohnern vorbei geschrieben wurde.

Das Team wurde 1932 als Boston Braves gegründet und ein Jahr später in Redskins umbenannt. Vier Spieler und Cheftrainer William "Lone Star" Dietz waren Ureinwohner.

Im Jahr 1971 entwarf der legendäre Coach George Allen gemeinsam mit dem "Red Cloud Athletic Fund" aus einem Reservat in South Dakota das nun als rassistisch gescholtene Helmlogo. Allen wurde für sein Engagement von der Stiftung später sogar ausgezeichnet.

"Das Team hat ein großes, von Respekt geprägtes Erbe. Es ist kein bisschen herabsetzend. Diese Kampagne irritiert unser Volk", erklärt Dodson.

Snyder antwortet

Viele Stämme sehen den Trend zur Aufgabe indianischer Spitznamen bei Sportteams (High Schools, Colleges) nicht als gute Entwicklung.

Im Gegenteil befürchten sie eine "endgültige Verdrängung unserer Kultur aus der Öffentlichkeit", wie Robert Green, Häuptling der Patawomeck, es ausdrückt.

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Name bleibt

Bei den Redskins muss Green sich keine Sorgen machen: Weder die NFL noch der Senat könnten Dan Snyder, den streitbaren Boss der Redskins, dazu zwingen.

Und dessen Haltung ist klar: "Ich bitte diejenigen, die sich beleidigt fühlen, die Meinung ihres Volkes und unser Vermächtnis als Team zu respektieren", schrieb Snyder - der Ureinwohner mit einer Stiftung unterstützt - vor wenigen Wochen in einem offenen Brief.

Fraglich, ob die Senatoren nun ernsthaft versuchen, ihn umzustimmen. Oder ob es nicht mehr um eine Polit-Show geht - um Wählerstimmen, Spenden, Lizenzen für die lukrativen Kasinos und damit verbundenen Einfluss.

Die Oneida streiten seit Jahrzehnten mit der Regierung um Land und Besteuerung des Glücksspiels.

Erfolg führt zu Kampagne

Was auffällt: Die Kampagne kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem die Redskins mehr Publicity versprechen als früher.

In der sportlich trostlosen Phase zwischen 1993 und 2011 war die Kritik an ihrem Namen weniger hörbar.

Erst seit der Ankunft des gehypten Quarterbacks Robert Griffin III und dem Divisionstitel 2012 ist sie wieder deutlich schriller geworden.

Green gefällt das nicht: "Unserem Volk sind im Laufe der Geschichte viele schlimme Sachen angetan worden. Ein Footballteam Redskins zu nennen, gehört bestimmt nicht dazu. Wir haben echte Probleme."

Probleme, die allerdings weniger medienwirksam sind als das berühmte Footballteam.

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