Michael Sam wird an der 249. Stelle im NFL-Draft 2014 ausgewählt. Die Top Ten ZUM DURCHKLICKEN © twitter

Michael Sam rutscht in die 7. Draft-Runde. Sportliche Gründe sind dünn. Der erste homosexuelle NFL-Akteur kämpft an zwei Fronten.

Von Eric Böhm

München - Nur ein Team muss dich mögen.

Diese Weisheit hat im NFL-Draft seit Jahr und Tag Gültigkeit. Im Fall von Michael Sam zierten sich die 32 Manager lange, ehe die St. Louis Rams doch noch Geschichte schrieben.

In der siebten und letzten Runde mit Pick Nummer 249 machten sie den jungen Linebacker zum ersten offen homosexuellen Spieler der Liga-Historie.

"Das ist der größte Moment meines Lebens. Seit Februar gab es viele Schlagzeilen und Spekulationen, aber es geht um Football", sagte der überwältigte Sam (Die NFL LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

So schön die Story auch ist, zeigt sie die Doppelmoral im Milliardengeschäft NFL - trotz Gratulationen diverser Stars und sogar des US-Präsidenten Barack Obama. Denn vor seinem Outing galt Sam noch als sicherer Kandidat für die ersten drei Runden.

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Vorbehalte gegen Sam bleiben

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Dazu passt es nicht, wenn ein frisch gedrafteter Spieler im landesweiten Fernsehen und auf Twitter zu sehen ist, wie er einen anderen Mann küsst.

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Seit dem Outing im Februar kursierte selbst in Spieler- aber noch mehr in Fankreisen eine neue und grob beleidigende NFL-Bedeutung: "No Fags League" ("Keine Liga für Schwuchteln").

Schwaches Probetraining

Natürlich trug ein schwacher Auftritt beim traditionellen Probetraining der Anwärter ("Scouting Combine") zu Sams Absturz auf den Draftboards bei.

Schließlich sucht jedes Team nach dem zwei Meter großen, 150 Kilogramm schweren Alleskönner, der hoch springt und die 100 Meter unter elf Sekunden läuft.

In Wahrheit werden jedoch aus Combine-Stars nur selten NFL-Größen. Umgekehrt gab es in der Vergangenheit unzählige Beispiele.

Ein kleiner, schmächtiger Quarterback ohne guten Wurfarm namens Joe Montana wurde zum Idol. Auch die Pro Bowler Terrell Suggs oder Drew Brees stanken bei der alljährlichen Fleischbeschau ab (So spricht die NFL: Die wichtigsten Begriffe).

Sam gibt sich kämpferisch

Sie alle waren aber am College Gewinner. Gleiches gilt für Sam, der in der Southeastern Conference - die beste und härteste College-Division - eine unglaubliche Produktivität nachwies.

Mit 11,5 Sacks wurde der Quarterback-Jäger zum Abwehrspieler des Jahres gewählt. Scouts kritisierten, die meisten davon seien nicht auf Talent sondern auf "Hustle" (unbändiger Einsatzwille) zurückzuführen. Solche Profis wünscht sich freilich jeder Coach - speziell für die Special Teams.

"Kann Michael Sam Football spielen? Ja, das kann ich. Ich hätte locker in den ersten drei Runden weggehen müssen. Wenn wir heute gegen die Vikings spielen würden, hätte ich drei Sacks", zeigte Sam bereits den nötigen Biss mit Blick auf den 1. Spieltag am 7. September.

Sein Risiko im Vergleich zu Fußballer Thomas Hitzlsperger oder Basketballer Jason Collins ist wesentlich höher. Sie warteten bis zum Ende ihrer Laufbahn, während Sam nun an zwei Fronten kämpft.

Luck macht Mut

Für keinen Rookie ist es einfach, sich einen Kaderplatz zu sichern. Beim gnadenlosen Aussieben blieben auch ohne Nebenschauplätze schon viele Talente auf der Strecke.

"Ich glaube, es wird für ihn und das Team, das ihn holt, nur gut sein", sagte unlängst Colts-Star Andrew Luck im SPORT1-Interview. Dem intelligenten Stanford-Absolventen nimmt man das ab, ob es die meisten Kollegen und Gegner so sehen, sei dahingestellt.

Selbst die im Zuge des Clippers-Skandals von Diskriminierung betroffene NBA-Legende Magic Johnson äußerte sich bei Twitter zurückhaltend:

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Lob von Collins

Die Rams nutzten zum zweiten Mal die Chance, eine Barriere zu durchbrechen. 1946 hatten sie in Kenny Washington bereits den ersten afro-amerikanischen Spieler in die NFL geholt. Bei Sam warteten sie offenbar so lange, weil von anderen Teams keine Gefahr drohte.

Jason Collins lobte die Verpflichtung noch vor dem NBA-Playoff seiner Brooklyn Nets die Verpflichtung als "großen Tag für die NFL".

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Auch Rams-Coach Jeff Fisher sprach von einem historischen Moment. Er liebt Verteidiger, die etwas beweisen wollen und wird Sam jede Chance geben, einen Platz zu ergattern. Es gab also doch ein Team, das Sam mochte.

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