Die Seahawks marschieren und qualifizieren sich als erstes Team für die Playoffs. Ein Jungstar soll die Leidenszeit beenden.

[kaltura id="0_licidjp7" class="full_size" title="Seahawks mit Weltrekord zum Sieg"]

München - Der vergangene Montagabend in Seattle lässt sich gut in Zahlen zusammenfassen.

68.387 Zuschauer drängten sich im CenturyLink Field, so viele wie noch nie (Die NFL LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Ihr Geschrei zur Beeinflussung der gegnerischen Mannschaft erreichte 137,8 Dezibel, das wird als Weltrekord gewertet und ist so laut, als stünde man ohne Ohrstöpsel neben einem Düsenjäger.

34:7 endete das Spitzenspiel der NFC , die einheimischen Seahawks demontierten im Monday Night Game der NFL die New Orleans Saints (Bericht).

Erstes Team in den Playoffs

"Laut und deutlich" - so lautete am Morgen danach die treffende Überschrift der Tageszeitung "USA Today".

Die Saints, bislang selbst als heißer Anwärter für die Teilnahme an Super Bowl XLVIII am 2. Februar in New York gehandelt, wurden mehr oder weniger filetiert von Seattles Offensive um Russell Wilson (So spricht die NFL: Die wichtigsten Begriffe).

Der 25 Jahre alte Quarterback bestritt erst sein 15. Spiel in der NFL, zum 14. Mal gewannen die Seahawks. Mit 11:1 Siegen sind sie nun als erste Mannschaft bereits für die Play-offs qualifiziert.

Lange Durststrecke

In Seattle können sie kaum glauben, was da passiert.

Die Stadt im nordwestlich gelegenen Bundesstaat Washington, sportverrückt wie so viele in den USA, hat seit 1979 keinen Titel einer seiner Profimannschaften mehr feiern können.

Damals gewannen die Seattle SuperSonics, lange Jahre auch Klub des Deutschen Detlef Schrempf, die Finalserie der NBA. Mittlerweile spielt die Mannschaft in Oklahoma City und heißt Thunder.

Schmerzhafte Niederlagen

Es folgten mehr als drei Jahrzehnte voller Mittelmaß und beinahe Apathie. Chancen auf Glanz und Gloria für Seattle, in Anspielung auf das viele Grün im Stadtbild Emerald City (Smaragdstadt) genannt, gab es nicht viele.

Die SuperSonics verloren 1996 die NBA-Finalserie gegen die Chicago Bulls. Die Baseballer der Mariners unterlagen im Jahre 2001 nach einer grandiosen Saison in Runde eins der Playofoffs den New York Yankees.

Aber haften geblieben im Gedächtnis der Menschen ist vor allem Super Bowl XL 40 im Februar 2006, als die Seahawks gegen die Pittsburgh Steelers verloren.

Der Seattle-Fluch

Zu dieser Niederlage vor knapp acht Jahren in Detroit hat so ziemlich jeder in Seattle etwas zu sagen - vor allem zu zahllosen angeblichen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter.

Wir sind damals betrogen worden, das ist das Gefühl in der Stadt.

Und deswegen ist die Freude über 14 Seahawks-Heimsiege nacheinander, über die derzeit so bemerkenswerte Bilanz unter dem seit Januar 2010 wirkenden Coach Pete Carroll auch begleitet von einem mulmigen Gefühl: Irgendetwas Blödes wird uns wahrscheinlich doch wieder passieren.

Stadion als Taktikoption

Es ist ja nicht so, dass sie in Seattle nicht alles versucht hätten.

Das seit 2002 bespielte Stadion hat Seahawks-Eigentümer und Microsoft-Mitbegründer Paul Allen so bauen lassen, dass sein Team bei Regen und Wind aus der Hauptwindrichtung geschützt ist, die auf der anderen Seite des Spielfeldes stehenden Gegner das Wetter aber voll abbekommen.

Und die Achitektur der Tribünendächer sorgt zudem dafür, dass der Lärm der Zuschauer verstärkt und damit die Verständigung der Gastmannschaft vor Spielzügen behindert wird.

Houdini und ein Schwarm Piranhas

Im Moment scheint alles zusammenzupassen für die Seahawks. Sie haben derzeit in Wilson, ob seiner Gabe, sich oft aus aussichtslosen Situationen zu befreien, auch "Houdini" genannt, einen der besten jungen Quarterbacks der Liga (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Ihre Verteidigung ist hungrig wie ein Schwarm Piranhas.

Sie haben sich bereits das Heimrecht für alle möglichen Playoff-Spiele bis zum Super Bowl gesichert - wer zu ihnen muss, wird also mindestens mit einem Hörschaden wieder abreisen, wenn er von "The 12th Man", wie das Publikum genannt wird, angebrüllt wird.

"Unser Ziel ist, alles zu gewinnen"

Alles schön und gut, sagt Quarterback Wilson, die Bilanz von jetzt 11:1 sei ja ganz nett, sie bedeute auch viel, aber: "Das war nicht unser Ziel. Unser Ziel ist, alles zu gewinnen."

Sonst wirkt der Freiluft-Lärm-Weltrekord ja auch ein bisschen lächerlich.

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