Eli Manning führte die New York Giants bereits zu zwei Meisterschaften © imago

Während Bruder Peyton brilliert, droht dem einstigen Comeback-König eine Minusmarke. Die Giants-Misere hat aber viele Väter.

Von Eric Böhm

München/Chicago - Das Bild auf der Pressekonferenz sprach Bände: Wie ein Häufchen Elend saß Eli Manning auf seinem Stuhl und stellte sich der Meute.

Wenige Minuten zuvor hatte der Quarterback der New York Giants in einer völlig verkorksten Saison den nächsten Nackenschlag eingesteckt.

Seine dritte Interception des Abends hatte zwei Minuten vor Schluss beim 21:27 in Chicago (Bericht) die sechste Niederlage im sechsten Spiel besiegelt. (Die NFL LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM)

"Es ist frustrierend. Ich schaffe es nicht, meinen Teil beizutragen. Die anderen Jungs machen ihren Job. Aber je mehr ich versuche, den ersten Sieg herauszuholen, desto bitterer wird es", flüsterte Manning.

Rekord droht

Der zweimalige MVP des Super Bowls versinkt immer mehr im Treibsand. Aktuell hat er bereits 15 Interceptions auf dem Konto - der Höchstwert nach 6. Spieltagen seit Dan Fouts im Jahr 1986.

Macht Manning so weiter, ist er auf dem besten Weg, George Blandas NFL-Rekord (42) von 1962 zu gefährden. Mannings persönliche Marke steht aus der Saison 2010 bei 25. (So spricht die NFL: Die wichtigsten Begriffe)

"Wir stehen trotzdem zu ihm. Ich weiß, er kann wieder der alte Eli werden und uns zum Sieg führen", gab Abwehrspieler Justin Tuck seinem Kapitän Rückendeckung.

Peyton hat Lauf

Der öffentliche Druck durch die wenig zimperlichen New Yorker Medien auf Manning wird durch den gigantischen Lauf des älteren Bruders noch potenziert.

Peyton Manning eilt mit den Denver Broncos von Rekord zu Rekord und würde bei seinem jetzigen Tempo Tom Bradys Saisonbestwert von 50 Touchdown-Pässen pulverisieren. (516729DIASHOW: Die Mannings)

"Dabei vergisst jeder, dass Eli in den Playoffs fast immer der bessere Manning war. Zweimal schlug er Brady im Super Bowl. Das hat außer ihm niemand geschafft. Er war ein Held und hat es ja nicht plötzlich verlernt", relativierte TV-Experte und Ex-Coach Jon Gruden bei "ESPN".

Super Bowl war das Ziel

Die Giants hatten vor Beginn der Spielzeit darauf spekuliert, als erstes Team überhaupt im heimischen Stadion einen Super Bowl zu spielen.

Dieses Ziel hatte auch der deutsche Verteidiger Markus Kuhn im SPORT1-Interview ausgegeben - er könnte gegen Minnesota erstmals nach seinem Kreuzbandriss im Kader stehen.

Die Voraussetzungen waren ja auch vielversprechend: eine auf Quarterback-Jagd spezialisierte Abwehr, das starke Receiver-Trio Victor Cruz, Hakeem Nicks und Rueben Randle, der aufstrebende Running Back David Wilson und "Easy E" als Quarterback.

Magie ist weg

Die Aura des Comeback-Königs hat der 32-Jährige mittlerweile jedoch verloren. Das wurde auch in Chicago deutlich. Zunächst roch es noch nach einem typischen Manning-Erfolg.

Sechs Punkte Rückstand, gute fünf Minuten auf der Uhr: ein methodischer Touchdown-Drive hätte den ersten Saisonsieg eingebracht. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Wie so oft in dieser Saison wirkte sich dann aber ein kleiner Fehler verheerend aus. Der Pass auf Brandon Myers war einen Tick zu hoch. Von den Fingerspitzen des Tight Ends fiel der Ball Chicagos Tim Jennings in die Hände - das Spiel war verloren.

Viele Probleme

Das Ende machte Grudens Punkt überdeutlich. Manning ist mitnichten der alleinschuldige Flattermann für den schlimmsten Start seit 1976. Vielmehr leidet er unter einer Offensive Line, der mit der Metapher vom Schweizer Käse geschmeichelt wäre. (790299DIASHOW: Die Bilder des 6. Spieltages)

Zudem machte der aktuell verletzte Wilson bisher nicht den erhofften Leistungssprung. Das Laufspiel ist trotz Brandon Jacobs' guter Leistung in Chicago das schwächste der Liga.

Coughlin wackelt

Die Abwehr ist ein Schatten früherer Jahre und lässt fast 35 Punkte im Schnitt zu - auch das ist der letzte Platz in der NFL.

"Unser Problem ist nicht Eli, es ist das gesamte Football-Team. Er hat über Jahre erfolgreich für uns geworfen. Wir werden damit nicht aufhören", stellte sich Coach Tom Coughlin vor seinen Star.

Der 67-Jährige ist lang genug dabei, um zu wissen, dass trotz Vertrages bis 2014 auch sein Schicksal an Mannings Leistungen geknüpft ist. Tritt keine Besserung ein, könnte 2014 ein radikaler Schnitt bei den "G-Men" folgen.

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