In der vorigen Saison feierte "Megatron" Johnson nur fünf Touchdowns - elf weniger als im Jahr zuvor © getty

Um "MoTown" steht es schlecht. Und die Lions machen Minus. Großen Gehältern sollen nun große Taten folgen - dank zweier Zugänge.

Von Jan Bergholz

München ? Es steht nicht gut um Detroit.

80.000 Häuser sind verlassen, 40 Prozent der Straßenlichter funktionieren nicht und die durchschnittliche Dauer eines Polizei-Erscheinens nach einem Anruf beträgt 58 Minuten (US-Durchschnitt: 11 Minuten).

Der schleichende Verfall der Stadt in den letzten Jahren forderte ihre logische Konsequenz: Vor Kurzem musste die Stadt Bankrott melden, weil sie die 14 Milliarden Euro Schulden nicht mehr stemmen kann.

In einer Stadt, die in den letzten fünf Jahren von 140.000 Menschen verlassen wurde, stützen sich die verbliebenen Einwohner auf ihre Sport-Teams. (DATENCENTER: Der NFL-Spieplan)

Unrentable Lions

"Es ist ein großes Geschenk, die Last der Stadt zu tragen", verkündete Nate Burleson, Receiver der Detroit Lions, kürzlich. "Wir können nicht alle Probleme lösen, aber ein Pflaster geben, das zumindest kurzzeitig die offenen Wunden der Stadt heilen kann."

Sein Team sollte, immerhin Mitglied der lukrativsten Liga der Welt, eigentlich als finanzieller Leuchtturm herausragen.

Alleine im Jahr 2012 scheffelte die NFL umgerechnet 9,5 Milliarden Euro Umsatz. Nur ein Team macht dem Wirtschaftsmagazin "Forbes" zufolge Minus: Die Lions. Es scheint, als passen sie zur bankrotten "MoTown" wie der berühmte Deckel auf den Topf.

Nur bei der Gehaltsrolle spitze

Die Gründe sind vielfältig: Die Lions drückt eine erhebliche Schuldenlast durch ihren Anteil am Bau des Ford-Field-Stadions. Angeblich muss das Team aus Michigan 260 bis 280 Millionen Euro abbezahlen.

Zudem leistet sich das Team einen Luxus-Kader.

Die Verträge von Calvin Johnson, Ndamukong Suh und Matthew Stafford verschlingen Unsummen und sorgen dafür, dass die Lions die teuerste Payroll der Liga haben.

Ein gigantisches Missverhältnis, wenn man sich die sportliche Bilanz der Lions ansieht.

Zurück im Tabellenkeller

Mit nur vier Siegen in der vergangenen Saison machte Detroit die kleinen Schritte aus der chronischen Erfolglosigkeit wieder zunichte.

Dennoch versprüht Jim Schwartz vor dem Saisonstart großen Optimismus: "In den vier Jahren als Lions-Coach war ich noch nie so zuversichtlich."

Dafür muss er das Kunststück vollbringen, viele talentierte Einzelspieler zu einem Team zu formen.

Stafford bleibt fünf weitere Jahre

Stafford warf für rund 5000 Yards und Calvin Johnson brach mit knapp 2000 Yards Raumgewinn sogar den bisherigen Rekord von Jerry Rice - dennoch reichte es nur für 37 magere Touchdowns.

Immerhin darf der Trainer auch zukünftig mit seinem talentierten Spielmacher planen: Stafford verlängerte seinen Rookie-Vertrag vorzeitig um fünf weitere Jahre. Im Angriff mangelt es ihm aber an Unterstützung.

Während auf der Wide Receiver-Position neben "Megatron" Johnson weiterhin gähnende Leere herrscht, kann sich der 25-Jährige zumindest über eine Entlastung beim Laufspiel freuen.

Bekannte Zugänge

Reggie Bush wird ab der kommenden Saison versuchen, endlich für beständige Yards am Boden zu sorgen.

"Reggie ist eine erwiesene Waffe. Er hatte auf allen Karrierestufen Erfolg. Ich bin begeistert, ihn einen Teamkameraden nennen zu können", freut sich Stafford.

Der andere namhafte Neuzugang ist Glover Quin. Der Safety dürfte der wackligen Secondary die nötige Stabilität bringen ? in einer Division, in der auch Aaron Rodgers (Packers) und Jay Cutler (Bears) spielen, ist das keine schlechte Entscheidung.

Ansah fehlt die Erfahrung

Nach den Abgängen der Defensive Ends Cliff Avril und Kyle Vanden Bosch rüstete das Team zudem an Draft-Position Nummer fünf mit Ziggy Ansah nach.

Ob der Rookie, der erst vor wenigen Jahren mit dem Football-Spielen anfing, die sofortige Verstärkung ist, darf jedoch bezweifelt werden.

"Wir haben nicht nur unsere Augen geschlossen und Namen aus dem Hut gezogen. Wir hatten spezielle Rollen in unserem Kopf und ich glaube, dass alle neuen Spieler bewiesen haben, dass sie diese Rollen ausfüllen können", erhofft sich Schwartz.

Neue Pfennigfuchser

Scheinbar kehrt mittlerweile auch bei den Lions ein Sinneswandel ein. Ähnlich wie die Stadt, in der sie spielen, schnallt auch die Franchise den Gürtel enger.

Abgesehen von der unausweichlich teuren Verlängerung von Stafford glänzten die Lions durch Sparsamkeit.

Bush, Quin, sowie die Verlängerung von Cornerback Chris Houston kosteten insgesamt nur 14 Millionen Euro.

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