LaMarr Woodley brachte es in bisher sechs NFL-Jahren auf 263 Tackles © getty

Pittsburghs LaMarr Woodley macht im SPORT1-Interview eine Kampfansage an den Meister. Er spricht auch über Big Ben und London.

Von Eric Böhm

München - Er personifiziert den "Steel Curtain": Seit Jahren gehört Star-Linebacker LaMarr Woodley bei den Pittsburgh Steelers zu den absoluten Leistungsträgern.

Der 28-Jährige hat schon einen Super Bowl gewonnen, stand im Pro Bowl und ist mittlerweile Teil der exzellenten Linebacker-Tradition in Pittsburgh.

In den vergangenen beiden Jahren hatten der Quarterback-Jäger und die Steelers jedoch große Verletzungsprobleme, Erzrivale Baltimore nutzte die Schwächephase zur Meisterschaft.

Im Sommer ging auch noch Woodleys langjähriger Partner James Harrison zum Divisionskonkurrenten nach Cincinnati. Receiver Mike Wallace wanderte nach Miami ab.

In der kommenden Saison will der AFC-Rekordchampion aber wieder oben mitmischen. (Die NFL-Saison, ab 5. September LIVE im TV auf SPORT1 US)

Im SPORT1-Interview spricht Woodley unter anderem über Pittsburghs Abwehrstärke, Ben Roethlisbergers Führungsqualitäten, Harrisons Nachfolger, den Trip nach London und gibt seinen Super-Bowl-Tipp ab.

SPORT1: Mr. Woodley, seit Jahren besteht zwischen den Steelers und den Baltimore Ravens eine große Rivalität. Während Baltimore den Super Bowl gewann, verpassten Sie die Playoffs. Schlagen die Steelers in der neuen Saison zurück?

LaMarr Woodley: Definitiv! Die Pittsburgh Steelers schlagen zurück. Für mich war die vergangene Saison eine bittere Enttäuschung. Ich bin als Fan der Steelers aufgewachsen und habe dieses Team im Blut. Bei uns ist allen klar: Hier zählt nur der Super Bowl. Es geht nicht um die Playoffs, es geht um den großen Titel. (DATENCENTER: Der NFL-Spieplan)

SPORT1: Die Steelers sind als Linebacker-Schmiede bekannt. Sie gehören natürlich dieser Tradition an, aber wer schlüpft in die Rolle ihres langjährigen Partners James Harrison (nun in Cincinnati)?

Woodley: Wir waren einen großartiges Duo und hatten beide immer eine zweistellige Anzahl Quarterback-Sacks. Es ist natürlich schade, dass James nicht mehr da ist, aber Rookie Jarvis Jones ist eine Rakete und kann seine Schuhe füllen. Auch Jason Worilds wird einen guten Job machen.

SPORT1: Sie hatten in den vergangenen beiden Jahren sehr viele Verletzungen extrem wichtiger Spieler wie Ihnen oder Troy Polamalu. Einige Experten machen dafür das vergleichsweise hohe Alter vieler Starter verantwortlich. Ist es eine zusätzliche Motivation, die Kritiker zu widerlegen?

Woodley: Das haben wir nicht nötig. Manche Dinge kannst du nicht kontrollieren. Wir wissen: Wenn alle fit sind, können wir jeden Gegner fertigmachen. Es war einfach Pech, das uns über die vergangenen zwei Jahre gebremst hat. Das hat nichts mit dem Alter zu tun.

SPORT1: Zu Beginn der Vorbereitung hat Head Coach Mike Tomlin von Quarterback Ben Roethlisberger öffentlich gefordert, ein besserer Anführer und ein strahlendes Vorbild zu sein. War das für ihn in der Vergangenheit ein Problem und kann er diese Rolle jetzt ausfüllen?

Woodley: Aus meiner Sicht war Big Ben schon immer ein Anführer. Der Coach möchte, dass er verbal noch mehr vorangeht. Er hatte in der Vergangenheit ein paar Probleme. Das trifft aber auf uns alle zu. In erster Linie ist er unsere Führungsfigur auf dem Feld.

SPORT1: Bei den Steelers denkt man immer an eine beinharte Verteidigung. Auch 2012 waren Sie nach zugelassenen Yards wieder die Nummer eins. Wie schaffen Sie das Jahr für Jahr?

Woodley: Wir sind eine sehr stolze Einheit. Unsere erste Pflicht ist immer, den Lauf zu stoppen. Außerdem sind wir sehr aggressiv und forcieren viele Ballverluste. Das bringt den Angriff in gute Positionen, der dann die Uhr kontrollieren kann.

SPORT1: Viele NFL-Spieler sorgen neben dem Feld oftmals mit Eskapaden für Schlagzeilen. Sie engagieren sich sehr stark für soziale Projekte. Wieso?

Woodley: Das ist mir besonders wichtig. Man muss sich vor Augen halten, dass viele NFL-Spieler früher selbst in einer schwierigen Situation waren und sich nur wenig leisten konnten. Ich hätte früher jemanden zu schätzen gewusst, der sich für mich einsetzt. Ich glaube, Gott hat mich in diese Position gebracht, um Menschen zu helfen.

SPORT1: Die Steelers spielen im September im Rahmen der International Series zum ersten Mal in London. Spieler anderer Teams haben sich in der Vergangenheit über den Reisestress beschwert. Freuen Sie sich darauf?

Woodley: Absolut, ich freue mich sehr darauf. Ich weiß, wir werden nicht lange dort sein, aber wir werden eine tolle Zeit haben. Das wichtigstes ist aber der Sieg. Minnesota ist nicht zu unterschätzen. Jedes Team auf unserem Spielplan ist eine Bedrohung, denn gegen die Pittsburgh Steelers gibt jeder 1000 Prozent. Da spielt es auch keine Rolle, ob sie die beste oder schlechteste Bilanz der Liga haben.

SPORT1: Jacksonville absolviert in den nächsten drei Saisons jeweils ein Spiel in London. Können Sie sich ein europäisches NFL-Team vorstellen?

Woodley: Es wäre eigentlich ganz cool. Die Organisation müsste aber stimmen, du kannst nicht jede Woche hin und her fliegen.

SPORT1: Der Deutsche Björn Werner wurde von den Indianapolis Colts in der ersten Runde gedraftet. Kennen Sie ihn? Was ist für einen Linebacker in der NFL am wichtigsten?

Woodley: Ja, ich habe ihn schon spielen sehen. Der Junge hat das Talent, aber in der NFL ist der mentale Aspekt entscheidend. Du musst dein Playbook perfekt beherrschen, die Ruhephasen optimal nutzen und auf deinen Körper achten. Nur so kannst du eine komplette Saison überleben.

SPORT1: Die Antwort ist eigentlich klar, aber wer holt den Super Bowl?

Woodley: Da muss ich natürlich sagen, die Pittsburgh Steelers. Sie haben ein großartiges und sehr erfahrenes Team. Sie hatten zuletzt eine schwache Saison, aber diese Jungs werden zur Stelle sein.

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