Robert Griffin III stellte den Rekord für das beste Passer-Rating eines Rookies auf © getty

Die Redskins hoffen, dass Quarterback Robert Griffin den Wettlauf gegen die Zeit bis zum Start gewinnt. Der Präsident gibt Tipps.

Von Eric Böhm

München - Steuern, Haushalt, Terrorgefahr? Statt der vielen Baustellen des US-Präsidenten Barack Obama steht in der Hauptstadt ein anderes Thema tagtäglich im Fokus.

Spielt er oder spielt er nicht? Die bange Frage, ob Robert Griffin III die Redskins im Monday Night Game des 1. NFL-Spieltages aufs Feld führt, hat Washington längst in Beschlag genommen. (Die NFL-Saison, ab 5. September LIVE im TV auf SPORT1 US)

Nach 20 wenig erfolgreichen Jahren machte "RGIII" die Redskins wieder hoffähig, zog sich in den Playoffs gegen die Seattle Seahawks aber einen Kreuzbandriss zu und arbeitet seit sieben Monaten auf jenen 9. September hin.

"Robert ist ein Phänomen. Er hat geschafft, was seit langem keinem Politiker oder Präsidenten gelungen ist. Er hat die Herzen erobert und ist Washingtons Gesicht", schrieb unlängst sogar die seriöse "Washington Post".

Liebling der Massen

Der ungeheuer charismatische Quarterback mit den explosiven Läufen und Pässen führte das Traditionsteam aus der Spielmacher-Depression und schwang sich in Rekordzeit zum Liebling der Massen auf.

Sein Trikot war das meistverkaufte der vergangenen Saison, auf Twitter und Facebook ist er längst eine Ikone, tausende Anhänger schickten ihm im Frühjahr sogar Hochzeitsgeschenke.

Trotz allen Hypes "bleibe ich Robert. Im Vordergrund steht der sportliche Erfolg, aber ich genieße den Kontakt mit den Fans", sagt der 23-Jährige mit dem ansteckenden Lachen.

Peterson als Vorbild

In den Vorbereitungsspielen gegen Pittsburgh (News), Buffalo und in Tampa Bay wird Griffin geschont, im Training mischt er allerdings schon wieder voll mit.

Die Ärzte um Dr. James Andrews sind von dem "übermenschlichen Heilungsverlauf" vollauf begeistert und geben dem aktuellen Rookie des Jahres eine realistische Chance, zum Saisonstart aufzulaufen.

Das Vorbild ist diesbezüglich Adrian Peterson. Minnesotas Running Back kam 2012 nach einem Kreuzbandriss zurück, verfehlte den Saisonrekord für Laufyards nur um neun Yards und wurde zum MVP gewählt.

"Ich habe mit Adrian gesprochen und mir einige Tipps geholt. Ich kenne den Prozess aber schon vom College", erklärt "RGIII".

Erfahrung mit Verletzungen

In seinem zweiten Jahr an der Baylor University in Texas musste er sich schon einmal am Kreuzband operieren lassen. Erst danach nahm seine Karriere richtig Fahrt auf. Der behandelnde Arzt war damals im Übrigen Mark Adickes - ein ehemaliger Redskin.

Diesen und andere Rückschläge steckte der im japanischen Okinawa geborene Sohn eines Army-Seargents weg. Die drei geopferten Erstrunden-Picks im im NFL-Draft 2012 zahlten sich für die Skins in jedem Fall aus.

Super Bowl nur mit RGIII drin

Trotz einer Gehirnerschütterung und bereits vorhandener Knieprobleme führte er die nun klug verstärkte Truppe mit sieben Siegen in Folge zum ersten Divisionstitel seit 1999.

Das Vertrauen in Backup Kirk Cousins ist groß: Aber nur mit dem gesunden Wunderknaben, dessen Markenzeichen Dreadlocks und Superman-Socken sind, zählt der dreimalige Champion zu den Super-Bowl-Anwärtern.

Unter Druck steht deshalb vor allem Head Coach Mike Shanahan. Dass er den deutlich angeschlagenen Griffin in den Wild-Card-Playoffs gegen Seattle vor der Verletzung nicht auswechselte, brachte ihm viel Kritik ein.

Weniger Risiko?

Gemeinsam mit Sohl Kyle, dem Offensive Coordinator, wird er seinen wertvollsten Spieler behutsam wieder heranführen.

Selbst Obama hielt Griffin schon zu einer zurückhaltenderen Spielweise an. Die risikoreichen Läufe des früheren Hürdensprinters sind zugleich Stärke und Schwäche.

Die 2012 nicht zuletzt von "RGIII" ausgelöste Stil-Revolution der mobilen Quarterbacks Russell Wilson, Colin Kaepernick und Co. ist schließlich immer nur einen Hit vom Scheitern entfernt. Die Abwehrreihen werden sich darauf auch noch besser einstellen.

Abwehr verbessert

Griffin wird sich in Zukunft mehr auf seine vorhandenen Qualitäten als Passer verlassen müssen. Mit Alfred Morris haben die Redskins einen hervorragenden Running Back, der die Last tragen kann.

Die größte Hilfe könnte eine stark verbesserte Verteidigung werden. Die Rückkehr einiger verletzter Leistungsträger, wie des früheren Pro Bowlers Brian Orakpo, und neue Defensive Backs sollten einen Schub geben.

Dennoch wird nur Griffin das Schicksal der Skins bestimmen und damit weiterhin Obama in den Schatten stellen.

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