Der 26 Jahre alte Erik Lorig spielt seit 2010 für die Tampa Bay Buccaneers © imago

Erik Lorig ist für die Bucs eine unverzichtbare Allzweckwaffe. Bei SPORT1 spricht er über Tampas Chancen und deutsche Wurzeln.

Von Eric Böhm

München - Er ist in allen Belangen ein ungewöhnlicher Typ: Erik Lorig von den Tampa Bay Buccaneers sticht aus dem von Egoisten geprägten NFL-Business heraus.

Als gefeierter High-School-Star entschied sich der Enkel deutscher Einwanderer nicht für eine Party-Uni mit hochdekoriertem Football-Programm. (Die NFL-Saison, ab 5. September LIVE im TV auf SPORT1 US)

Unauffällig, aber unverzichtbar

Stattdessen ging er an die akademisch anspruchsvolle Stanford University und ließ sich von Jim Harbaugh, dem heutigen Cheftrainer der San Francisco 49ers, auch noch zum Fullback und Defensive End umschulen.

Selbst steht der 26-Jährige seither nur noch selten im Mittelpunkt, für seine Mitspieler ist der 1,93-Meter-Mann aber unverzichtbar. Laufwege freiblocken, Quarterback beschützen, Special Teams: Lorig ist die Allzweckwaffe.

Im SPORT1-Interview spricht der Modellathlet über die Chancen der hochtalentierten Bucs, seine Wurzeln, deutsche Tugenden und eine fast schon verlorene Kunst.

SPORT1: Mr. Lorig, es ist eher ungewöhnlich, dass ein amerikanischer NFL-Spieler so gut deutsch spricht. Liegt das an den familiären Wurzeln?

Erik Lorig: Ja, natürlich. Meine Großeltern stammen aus Trier. Bei uns wurde immer viel deutsch gesprochen. Auch mein Vater spricht deutsch. Ich bin damit aufgewachsen und war auch schon dreimal in Deutschland.

SPORT1: Wie hat es Ihnen gefallen?

Lorig: Es war toll. Ich liebe Deutschland!

SPORT1: Als Fullback bekommen Sie nicht oft den Ball und arbeiten eigentlich ausschließlich für die Offensiv-Stars als Blocker. Muss man dafür ein besonderer Typ sein?

Lorig: Ich glaube schon. Man braucht eine spezielle Einstellung. Mir macht es Spaß, viele verschiedene Aufgaben zu übernehmen. Ich komme ja auch in Special Teams zum Einsatz. Als Blocker bin ich stolz darauf, wenn unser Running Back einen tollen Lauf hinlegt. Denn ich hatte meinen Anteil daran.

SPORT1: In anderen Sportarten gelten Mannschaftsdienlichkeit, Kampfgeist und Ehrgeiz als deutsche Tugenden. Kommen Ihnen als Fullback also auch ihre Wurzeln zu gute?

Lorig: Das wusste ich nicht. Wenn ich darüber nachdenke, stimmt das natürlich. Ich war schon immer sehr ehrgeizig und will mit den Bucs an die Spitze kommen.

SPORT1: Heutzutage stehen in der NFL Pässe, viele Punkte und blitzschnelle Quarterbacks im Fokus. Gehören Sie als Fullback nicht schon fast zu einer aussterbenden Art?

Lorig: Das glaube ich nicht. Man muss sich nur die Super-Bowl-Teams der vergangenen Jahre anschauen. Die hatten alle einen starken Fullback. Es ist noch keine verlorene Kunst. Einige Team verzichten darauf, immer mehr kommen aber zu einem traditionelleren System zurück. Beinharter Football ist da und wird nie aus der Mode kommen.

SPORT1: Die Buccaneers sind ein junges, talentiertes Team, dem sehr viel Potenzial bescheinigt wird. In der NFL geht es aber um kurzfristige Erfolge. Wie meistert das Team diesen Spagat?

Lorig: Seit wir im vergangenen Jahr unter Head Coach Greg Schiano mit dem Neuaufbau angefangen haben, gibt es große Erwartungen. Wir haben einen richtig guten Kern, geben uns aber nicht mit dem Label "Talent" zufrieden. Wir haben die höchsten Ansprüche an uns selbst.

SPORT1: Können Sie uns einen potenziellen Buccaneers-Star nennen, den die deutschen NFL-Fans in dieser Saison kennenlernen werden?

Lorig: Ganz klar Da'Quan Bowers! Er ist ein Defensive End, der im letzten Jahr nach einer Verletzung richtig zugelegt hat. Wir haben noch lange nicht alles von ihm gesehen. Er wird Quarterbacks ins Schwitzen bringen.

SPORT1: Sie haben ihren Coach angesprochen. Er geht in seine zweite Saison und war vorher nur Cheftrainer am College. Was zeichnet ihn aus?

Lorig: Er ist genau der richtige Mann für uns, ein großartiger Coach. Er lebt eine professionelle Einstellung vor. Jeder Spielzug im Training wird angegangen wie der Super Bowl. Für ihn gibt jeder Spieler 120 Prozent. Bei ihm gibt es keine Sonderbehandlung. Das rechnen wir ihm hoch an.

SPORT1: Die NFC South ist eine sehr starke Division. Die Atlanta Falcons gehören für viele Experten zu den heißen Anwärtern auf den Super Bowl. Sind Sie das zu schlagende Team? Wo landen die Buccaneers?

Lorig: Die Falcons, wirklich? Nein, die sind schon sehr stark besetzt. Wir werden alles versuchen, um sie von der Spitze zu verdrängen. Unser Ziel ist immer gleich: Wir wollen Bucs-Football spielen und in die Playoffs. Dann ist alles möglich, dann hast du die Chance auf das große Spiel.

Weiterlesen