Bei SPORT1 spricht YouTube-Star Alex Tanney über den Status als Internet-Ikone, "America's Team", Tony Romo und den NFL-Alltag.

[kaltura id="0_je39q0fh" class="full_size" title=""]

Von Eric Böhm

München/Dallas - Er ist vielleicht der wurfgewaltigste Spieler der NFL: Trotzdem kennen den Namen Alex Tanney eigentlich nur Experten.

Wird der 25-Jährige jedoch als Trickshot-Quarterback geoutet, macht es im wahrsten Sinne des Wortes klick. Denn schon vor seinem Wechsel ins Profilager erlangte Tanney so weltweite Berühmtheit.

Sein spektakuläres Internet-Video mit Würfen in fahrende Autos oder Basketballkörbe wurde mittlerweile bereits über drei Millionen Mal aufgerufen.

Dabei ist Tanney viel mehr als eine Zirkusnummer. Mit 157 Touchdown-Pässen hält er den College-Rekord und sucht nach einem verletzungsgeplagten Rookie-Jahr in Kansas City seine Chance bei den Dallas Cowboys (Die NFL und College Football LIVE im TV auf SPORT1 US).

Beim ersten Test im sogenannten Hall-of-Fame-Game gegen die Miami Dolphins gab Tanney eine erste, wenn auch weit wenigher spektakuläre Kostprobe seines Könnens (News). Fünf seiner elf Pässe fanden den Weg zum Mitspieler.

Im SPORT1-Interview spricht der Spielmacher unter anderem über den Status als Internet-Ikone, den Alltag in "America's Team", Starter Tony Romo und sein NFL-Potenzial.

SPORT1: Mr. Tanney, Sie bekamen erst eine Woche vor dem Start der Vorbereitung einen Vertrag bei den Cowboys. Wie fühlt es sich an, bei einem der populärsten NFL-Teams zu spielen?

Alex Tanney: Es ist eine große Chance für mich. Es ist schon eine Umstellung, hier ist alles eine Nummer größer. Die Herausforderung ist, mein Spiel auf dieses Niveau zu bringen.

SPORT1: Obwohl Sie den ewigen College-Rekord für Touchdown-Pässe halten, haben Sie erst durch Ihr unglaubliches Trickshot-Video große Aufmerksamkeit erregt. Wie kam es dazu?

Tanney: Das hat als Wettbewerb mit Kumpels angefangen. Wir haben nach den Uni-Kursen und dem Training kleine Wetten abgeschlossen. Ich hätte nie gedacht, dass es so groß werden würde. Die Tricks wurden immer verrückter, deshalb haben wir angefangen zu filmen. Wir haben das Video an einem Sonntag online gestellt, am Montag lief es dann schon auf sämtlichen Sportkanälen.

SPORT1: Sind solche Tricks auf reines Talent zurückzuführen oder kann man sich diese Genauigkeit aneignen?

Tanney: Einige der Aktionen brauchten schon ein paar Versuche. Aber ich habe schon ein verrücktes Händchen für diese Dinger. Viele haben sofort geklappt.

SPORT1: Wie konnten sich die NFL-Teams im Draft einen Spielmacher mit so einem Arm entgehen lassen?

Tanney: Diese Fähigkeiten lassen sich natürlich nicht unbedingt auf die NFL übertragen. Wurfgenauigkeit ist sicher eine gute Basis, aber hier musst du so viel mehr drauf haben. Außerdem habe ich für ein relativ kleines College gespielt, da stand ich nicht so im Fokus der Medien.

SPORT1: Im vergangenen Jahr haben Sie als Rookie für Kansas City in der Vorbereitung gespielt, dann aber die Saison wegen eines Fingerbruchs verpasst. Wie haben Sie ihr erstes NFL-Jahr erlebt?

Tanney: Ich bekam ja durch die Verletzung nicht so viele Gelegenheiten auf dem Feld, aber ich habe das positiv gesehen. So konnte ich das ganze Drumherum kennenlernen. Am Beispiel der Teamkollegen habe ich gelernt, was es bedeutet, ein NFL-Profi zu sein. Auch die Video-Sitzungen haben mir bei den komplizierten Spielzügen geholfen ( 709347 DIASHOW: Der NFL-Draft 2013 ).

SPORT1: Die Cowboys haben im Moment vier Quarterbacks. Normalerweise schaffen es höchstens drei in den endgültigen Kader. Wie stehen Ihre Chancen?

Tanney: Hoffentlich gut. Ich denke nicht viel darüber nach. Ich will es den Coaches so schwer wie möglich machen, mich rauszuschmeißen ( 756324 DIASHOW: Die Hall of Famer 2013 ).

SPORT1: Einige Beobachter halten Sie jetzt schon für besser als Tony Romos ersten Backup Kyle Orton. Trotzdem ist die NFL-Vorbereitung ein Hauen und Stechen um die Plätze. Können Sie den deutschen Fans beschreiben, wie dieser tägliche Kampf aussieht?

Tanney: Die NFL ist das am härtesten umkämpfte Business der Welt. Du kannst dich nie zurücklehnen. Auf jeder Position gibt es großartige Konkurrenz.

SPORT1: Einer Ihrer Konkurrenten ist Star-Quarterback Romo, der nicht zuletzt durch seinen neuen 108-Millionen-Dollar-Vertrag extrem unter Druck steht. Wie geht er damit um?

Tanney: Tony ist ein toller Typ. Ich habe sehr großen Respekt vor ihm. Er ist ein Profi und hat das alles im Griff. Selbst wenn du ihn nur beobachtest, kannst du viel lernen.

SPORT1: Der Arm ist offensichtlich nicht ihr Problem. Woran müssen Sie noch arbeiten, um sich in der Liga zu etablieren?

Tanney: Am schwierigsten sind die Ansagen direkt vor dem Spielzug. Du versuchst, die Abwehr zu lesen und musst dein Team darauf einstellen. Das passiert in Sekundenbruchteilen. Das kannst du nur durch Spielerfahrung meistern.

SPORT1: Die Erwartungen bei den Cowboys sind immer sehr hoch, aber in den vergangenen Jahren gelangen nur wenige Playoff-Teilnahmen und keine Siege. Ist das Team reif für den Umschwung?

Tanney: Wir haben ein sehr erfahrenes Team, das weiß, was nötig ist, um zu siegen. Das Talent ist da, jetzt müssen wir es auf dem Feld umsetzen. Daran arbeiten wir.

Weiterlesen