Alex Tanney kann sich nach Romos Ausfall bei den Cowboys beweisen © imago

Das Hall-of-Fame-Game mit Dallas' Youtube-Held läutet die Preseason ein. Mit Rookie Werner wird die NFL so deutsch wie nie.

Von Katharina Blum und Eric Böhm

München - Die Geschichte von Alex Tanney könnte eine werden, wie sie die Amerikaner lieben.

Ein Quarterback, den kaum jemand kannte, platziert bei You Tube eine Art Bewerbungsvideo. Millionen klicken drauf, darunter auch so mancher Scout der NFL-Profi-Teams, und sehen, wie Tanney einem Kumpel Gegenstände vom Kopf schießt, mit dem Football über 60 Yards die Pfosten des Fieldgoals klappern lässt oder Eimer auf vorbeifahrenden Trucks trifft.

Als Free Agent, der im Draft keinen Interessenten fand, geht der Mann aus Illinois dann 2012 nach Kansas City, fällt aber die gesamte Saison verletzt aus und wird im Mai dieses Jahres entlassen.

Chance auf Happy End

Aus amerikanischer Sicht hat dieser Stoff deshalb noch einen entscheidenden Makel: Aus dem Quasi-Tellerwäscher Tanney, der in die Welt hinauszog, ist noch kein glücklicher Millionär geworden.

Die Chance, aufs Happy End hinzuarbeiten, aber bietet sich aber womöglich, wenn mit dem Hall-of-Fame-Game (2 Uhr LIVE im TV auf SPORT1*US) zwischen den Miami Dolphins und den Dallas Cowboys die Preseason traditionell eröffnet wird ( 756324 DIASHOW: Die Hall of Famer 2013 ).

Denn weil Dallas' Etat-Quarterback Tony Romo verletzungsbedingt wahrscheinlich passen muss, kann der Trickshot-Quarterback seinem neuen Team, den Cowboys, beweisen, dass er auch das Football-Einmaleins auf dem Spielfeld beherrscht.

Romo hat gerade erst wieder mit dem Training begonnen, im April ist er am Rücken operiert worden.

"Zeigen, was man draufhat"

"Es ist eine Ehre, in dieser besonderen Woche dort zu sein und zu spielen. Da spürt man die Geschichte der NFL. Es werden Legenden in die Ruhmeshalle aufgenommen. Ich freue mich darauf, dabei zu sein", sagte Tanney zu SPORT1.

"Außerdem ist es für die jungen Spieler wie mich eine gute Gelegenheit, Erfahrung auf dem Feld zu sammeln und zu zeigen, was man draufhat."

Vollmer macht den Anfang

Was man draufhat, will dann auch wieder Titelverteidiger Baltimore Ravens zeigen, der seine Preseason am Donnerstag bei Tampa Bay startet.

Einen Tag später steigt aus deutscher Sicht das erste von vielen Highlights, schließlich ist die NFL in dieser Saison mit Björn Werner, Sebastian Vollmer und Markus Kuhn so deutsch wie noch nie.

Den Anfang macht Vollmer, der am Freitag mit seinen New England Patriots auf Philadelphia trifft, Kuhn startet mit den Giants tags darauf in Pittsburgh. Und Björn Werner feiert seine Premiere dann am Sonntag, wenn Buffalo in Indianapolis gastiert. Die Stimmung bei Werners Colts ist allerdings ein wenig gedämpft.

Das Team muss in der ersten Hälfte der kommenden Spielzeit ohne Weslye Saunders auskommen. Der 24 Jahre alte Tight End hat erneut gegen die Richtlinien zur Einnahme verbotener Substanzen verstoßen und wurde deshalb für acht Spiele gesperrt.

Erster deutscher Erstrunden-Draftee

Wenn von den drei Germanators - so nennen die Amerikaner fast alle Deutschen, wie Werner im SPORT1-Interview über seinen neuen Spitznamen verraten hat - nur einer eine klitzekleine Chance auf den Einzug in die Hall of Fame hat, dann ist es Rookie Werner.

Der Berliner ist im NFL-Draft 2013 an 24. Stelle von den Colts verpflichtet worden, vorher hatte er für die Florida State University gespielt.

Er ist der erste Deutsche, der überhaupt in der ersten Runde des Drafts gewählt worden ist ( 709347 DIASHOW: Der NFL-Draft 2013 ).

"Bald ein weltweiter Sport"

Und Werner glaubt, dass künftig noch mehr Deutsche in der besten Football-Liga der Welt aufs Feld wollen.

"Das ist ein Trend. Die NFL und Football werden immer größer und hoffentlich bald ein weltweiter Sport wie die NBA", sagte er bei SPORT1. "Ich hoffe, dass die NFL auch immer mehr in andere Länder geht und dort Talente entdecken kann."

Und womöglich wird dann wieder eines dieser Talente eine Geschichte erzählen, wie sie die Amerikaner lieben.

Weiterlesen