Colin Kaepernick (r.) wurde im NFL-Draft 2011 in der zweiten Runde ausgewählt © getty

Der junge Quarterback führt die 49ers gegen Chicagos Ersatzmann Jason Campbell und die hochgelobte Bears-Abwehr zum Erfolg.

Von Eric Böhm

München/San Francisco - San Franciscos Colin Kaepernick hat im Monday Night Game des 11. Spieltages das Duell der Ersatzmänner gegen Chicagos Jason Campbell für sich entschieden.

Der Quarterback, der für den verletzten Alex Smith (Gehirnerschütterung) einsprang, führte die 49ers im NFC-Topspiel zu einem ungefährdeten 32:7 (10:0, 10:0, 7:7, 5:0) über die Bears.

Kapernick brachte 16 seiner 23 Pässe für 243 Yards und zwei Touchdowns an den Mann. Selbst Joe Montana oder Steve Young schafften bei ihrem Niners-Debüt nicht so viele Yards.

"Besser hätte ich es mir nicht vorstellen können. Es hat sich großartig angefühlt", schwärmte der Youngster (Die NFL LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

Campbell ständig unter Druck

Mit seiner Topleistung stellte er den Vertreter Jay Cutlers (ebenfalls Gehirnerschütterung) im Bears-Trikot deutlich in den Schatten.

Campbells Pässe brachten nur 107 Yards Raumgewinn. Der ehemalige Redskins-Starter leistete sich zwei Interceptions und wurde gleich sechsmal gesackt ( 640180 DIASHOW: Die Bilder des 11. Spieltages ).

Immer war Defensive End Aldon Smith an den harten Hits beteiligt, der mit insgesamt 15 Sacks die Spitzenposition unter den besten Quarterback-Jägern der NFL eroberte.

"Wir haben unser gewohntes Konzept durchgezogen. Erst wollten wir den Lauf stoppen, um dann bei den Pässen Druck machen zu können", sagte Smith, der den Sack-Rekord von Derrick Thomas (7) aus dem Jahr 1990 nur knapp verpasste.

Lob von Harbaugh

Der siebte Erfolg der 49ers in der neunten Partie war zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Chicagos bisher so herausragende Abwehr konnte Kaepernick nie kontrollieren und forcierte erstmals in dieser Spielzeit keinen einzigen Ballverlust.

"Er hat das abgerufen, was er kann. Das Team hat ihn gut unterstützt", lobte Coach Jim Harbaugh, der wenige Tage nach einem kleineren Eingriff am Herzen gewohnt enthusiastisch an der Seitenlinie unterwegs war.

"War nicht nervös"

Bereits nach dem ersten Viertel hatte Kaepernick 126 Yards auf dem Konto. Ein phänomenaler 57-Yard-Pass auf Kyle Williams versetzte die Fans ins Staunen.

Zu Beginn des zweiten Viertels führte San Francisco 17:0 - bis dato hatte Chicago pro Partie durchschnittlich nur 14,8 Punkte abgegeben.

"Die Jungs im Huddle haben mich sehr gut unterstützt. Ich war eigentlich nicht nervös. Schließlich kenne ich das System schon lange", meinte Kaepernick.

Wer spielt gegen die Saints?

Nach dem glanzvollen Debüt, das selbst den Einstand von Washingtons Phänomen Robert Griffin III in den Schatten stellte, droht nun sogar eine Quarterback-Kontroverse.

Am 12. Spieltag steht der Kracher gegen die New Orleans Saints an. Smith klagte noch am Sonntag über Kopfschmerzen, wird aber bis dahin wieder fit sein.

"Ich tendiere immer dazu, mit dem Quarterback zu starten, der besser in Form ist. Wir haben zwei, die gut drauf sind", schloss Harbaugh einen Wechsel zu Kaepernick nicht aus.

Divisionsführung futsch

Die Bears litten dagegen unter Campbells Schwächen im Kurzpassspiel und der schwachen Offensive Line, so kam auch Running Back Matt Forte (63 Yards) nicht wie gewohnt zum Zug.

Nach zuvor sechs Siegen in Folge kostete Chicago die zweite Pleite hintereinander die alleinige Führung in der NFC North. Green Bay liegt nun gleichauf (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

"Es war sicher nicht unsere beste Leistung. Wir können viel besser spielen", bilanzierte Campbell, der gegen Minnesota wohl wieder für Cutler Platz machen wird.

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