Receiver Golden Tate (u.) spielte am College für die Notre Dame Fighting Irish © getty

Trotz Foul und Interception entscheiden die Ersatz-Schiris in letzter Sekunde auf Touchdown für Seattle. Selbst LeBron meckert.

Von Eric Böhm

München/Seattle - Es war nur eine Frage der Zeit: Eine krasse Fehlentscheidung hat die Green Bay Packers in letzter Sekunde um einen verdienten Auswärtssieg gebracht.

Im Monday Night Game des dritten Spieltages verlor der Favorit bei den Seattle Seahawks mit 12:14 (0:0, 0:7, 6:0, 6:7).

Dabei erkannten die Ersatz-Schiedsrichter bei einem Verzweiflungspass von Seattles Quarterback Russell Wilson zu Golden Tate fälschlicherweise auf Touchdown (Die NFL-Saison LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM)

"Fragt mich nicht nach den Schiedsrichtern. So etwas habe ich in all meinen Jahren in der NFL noch nicht gesehen", musste sich Green Bays Coach Mike McCarthy extrem zügeln.

"Das ist grauenhaft"

Obwohl der Receiver vorher einen Gegenspieler weggeschubst hatte und erst am Boden Packers-Cornerback M.D. Jennings den Ball endgültig entriss, durften die Gastgeber feiern.

Im Anschluss wurde es noch chaotischer. Nach dem fälligen Videobeweis, der trotz eindeutiger Bilder keine Rücknahme der Entscheidung brachte, verließen die Packers wutentbrannt das Feld ( 614948 DIASHOW: Die Bilder des 3. Spieltages ).

Erst zehn Minuten später kehrten beide Teams für den obligatorischen Extrapunkt zurück. "Das ist grauenhaft. Seht euch die Wiederholung an. Dann wurde es sogar überprüft. Das ist eine grauenhafte Entscheidung", sagte Quarterback Aaron Rodgers.

Gipfel der Peinlichkeiten

Bereits an den ersten beiden Spieltagen hatte sich der andauernde Tarifstreit mit den NFL-Referees negativ ausgewirkt, aber an diesem Wochenende wurde es für die Liga richtig peinlich.

Am Sonntag gab es bereits diverse Fehlentscheidungen, falsche Regelauslegungen und viel zu lange Diskussionen (Bericht). In Seattle vergeigten es die Amateure aus unteren College-Ligen komplett.

"Das ist eine Schande. Bereits vorher gab es Benachteiligungen gegen die Packers, aber die letzte Aktion war beschämend", sagte TV-Experte Jon Gruden.

Packers außer sich

Der ehemalige Coach spielte auf eine angebliche Behinderung von Seattles Receiver Sidney Rice durch Cornerback Sam Shields wenige Minuten vor dem unfassbaren Ende an.

Shields wurde dann bei der entscheidenden "Hail Mary" von Tate (zwei Touchdowns) vor seinem angeblichen Catch ganz klar aus dem Weg geräumt.

"Wir wurden von den Schiris beklaut. Danke NFL!" beschwerte sich Green Bays Guard T.J. Lang.

James fühlt mit Green Bay

Über dieses Medium meldete sich auch Hall-of-Famer Troy Aikman zu Wort: "Diese Spiele sind ein Witz!"

NBA-Star LeBron James machte das skandalöse Ende "genauso krank, als hätte ich für die Packers gespielt."

Einzig Seattles Coach Pete Carroll jubelte: "Es war ein gleichzeitiger Catch, also die richtige Entscheidung." Diese Meinung hatten er und die Offiziellen exklusiv (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Rodgers ständig am Boden

Die Packers können ihre zweite Niederlage - 2011 gab es nur eine in der gesamten Saison - dennoch nicht ausschließlich auf die Referees schieben, schließlich lieferten sie in der ersten Hälfte eine unterirdische Leistung ab.

Quarterback Aaron Rodgers (223 Yards) wurde achtmal gesackt und fand nie einen Rhythmus.

Da die Seahawks im Angriff um Rookie Wilson (130 Yards) aber ebenfalls nur wenig zustande brachten, war nach der Pause noch alles drin.

Verkehrte Welt

Plötzlich kamen die Gäste in Schwung und gingen durch zwei Field Goals und einen Tochdown von Running Back Cedric Benson mit 12:7 in Führung.

Zwischenzeitlich hatten sie in der zweiten Hälfte 185 Yards Raumgewinn erzielt - die Gastgeber standen zu diesem Zeitpunkt bei -6.

Dann nahm das NFL-unwürdige Spektakel jedoch seinen Lauf und die Seahawks kamen zu ihrem zweiten Saisonerfolg wie die vielzitierte Jungfrau zum Kind.

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