Drew Brees (l.) hält seit 2011 mit 5476 Pass-Yards den NFL-Rekord für eine Saison © getty

Einige hochgewettete Teams erleiden Fehlstarts. Brees hakt den Super Bowl zunächst ab. Die Pats gehen auf die Ersatz-Schiris los.

Von Eric Böhm

München - Die Schwergewichte kriseln, und die Kellerkinder begehren auf: Die NFL steht nach drei Spieltagen auf dem Kopf (Die NFL-Saison LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

New Orleans, New England, Pittsburgh und Denver wurden vor Saisonbeginn allesamt als Super-Bowl-Kandidaten gehandelt. Aktuell hat keines der Teams eine positive Bilanz stehen.

Vor allem die Saints sind ohne ihren gesperrten Head Coach Sean Payton unsanft auf dem Boden der Realität gelandet - dabei wollten sie unbedingt den Super Bowl im heimischen Superdome erreichen.

"Wir sind weit davon entfernt, an den Super Bowl denken zu können. Alle sollten sich darauf konzentrieren, ein Spiel zu gewinnen", kritisierte Quarterback Drew Brees sein Team.

Bounty-Gate hinterlässt Spuren

Auch dem seit dieser Saison bestbezahlten NFL-Akteur (Jahresgehalt: 40 Millionen Dollar) ging bei den drei bitteren Auftaktpleiten die alt bekannte Magie ab.

Beunruhigende Statistik: Kein Team erreichte nach so einem miserablen Auftritt noch das Endspiel. Der Rummel um den Kopfgeld-Skandal hat der Truppe neben den Ausfällen offenbar auch mental geschadet.

Anders ist der kolossale Einbruch in der zweiten Hälfte gegen die biederen Kansas City Chiefs nicht zu erklären.

"Ich kann nur sagen, dass Sean ein großartiger Coach ist, aber er ist nicht hier. So kannst du dich nicht präsentieren", haderte Brees.

Saints vergeigen Führung

Innerhalb der letzten gut 20 Minuten verspielten die Hausherren eine Führung von 18 Punkten und kassierten bereits ihre zweite Heimschlappe.

In der kompletten vergangenen Spielzeit hatte kein Team den Sieg aus dem "Big Easy" entführen können.

"Wir sind enttäuscht, aber nicht entmutigt. Ich weiß nicht, was wir jetzt tun sollen", gestand der überforderte Interimstrainer Aaron Kromer.

Manning und Steelers angeknockt

Katzenjammer herrscht auch in Pennsylvania. Rekord-Super-Bowl-Champion Pittsburgh Steelers hat nach drei Partien nur einen Sieg auf dem Konto.

In Oakland machte sich erneut der Ausfall der Abwehrstars Troy Polamalu (Wadenprobleme) und James Harrison (Knieverletzung) bemerkbar ( 614948 DIASHOW: Die Bilder des 3. Spieltages ).

Die Hoffnungen der Denver Broncos, mit Peyton Manning wieder an erfolgreiche Zeiten anknüpfen zu können, haben in Atlanta und Houston einen herben Dämpfer erlitten.

Der viermalige MVP hat seine alte Klasse noch nicht erreicht. Dem Team fehlt das Verständnis für sein Angriffssystem.

Pats zweimal ohne Killerinstinkt

Den New England Patriots erging es kaum besser. Nach einem lockeren Sieg am ersten Spieltag setzte es nun für das Team des deutschen Offensive Tackles Sebastian Vollmer zwei Last-Minute-Niederlagen in Folge.

Neben dem Ärger um Receiver Wes Welker und seinen auslaufenden Vertrag machen den Pats auch Verletzungen zu schaffen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Der wichtige Tight End Aaron Hernandez laboriert an einer Knöchelverletzung. Mit den neuen Receivern fehlt Spielmacher Tom Brady noch die Abstimmung.

Spikes teilt aus

Zum ersten Mal seit 145 Spielen - einsamer NFL-Rekord - und neun Jahren weist das erfolgsverwöhnte Team wieder eine negative Bilanz auf.

Die Nerven liegen schon etwas blank. Der sonst so stoische Head Coach Bill Belichick packte nach dem 30:31 in Baltimore (Spielbericht) einen Schiedsrichter wutentbrannt am Arm.

"Was machen diese verdammten Zebras. Foot Locker hat angerufen, ihr sollt wieder zur Arbeit kommen", motzte Linebacker Brandon Spikes via "Twitter".

Kritik an Referees

Die Kritik ist durchaus nachvollziehbar. Die völlig überforderten Ersatz-Schiedsrichter haben allerdings auch einen großen Anteil an den vielen überraschenden Ergebnissen.

Endlose Diskussionen, keine Linie bei persönlichen Strafen und Unkenntnis des NFL-Regelwerks führen immer wieder zu haarsträubenden Fehlentscheidungen (Bericht).

Überlange Spiele und Verletzungen sind die schlimmsten Folgen. Oaklands Darius Heyward-Bey wurde von Pittsburgh Ryan Mundy viel zu hart getackelt - eine Strafe blieb aus.

"Das kann so nicht weitergehen. Sie gefährden die Spieler und die Attraktivität der Liga. Sie sind für diese Aufgabe nicht qualifiziert", sagte der frühere Receiver und heutige TV-Experte Chris Collinsworth.

Cardinals an der Spitze

Einige Teams kommen mit diesen Bedingungen augenscheinlich besser zurecht. Die Buffalo Bills stehen vor Pats und New York Jets an der Spitze der AFC East.

Die größte Überraschung sind aber die Arizona Cardinals. Dort stand vor dem ersten Spieltag noch nicht einmal der Quarterback fest.

Durch den deutlichen Erfolg gegen die hochgewetteten Philadelphia Eagles feierte Arizona mit dem dort ausgemusterten Spielmacher Kevin Kolb seinen ersten 3:0-Start seit 38 Jahren.

"Es ist toll, ohne Niederlage da zu stehen. Wir haben uns das redlich verdient, aber in dieser Liga kann das nächste Woche schon wieder ganz anders aussehen", sagte Kolb.

Eine Einschätzung, die den Krisenteams Hoffnung machen sollte.

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