Torrey Smith (l.) spielte am College in der Nähe von Baltimore für Maryland © getty

Im Gegensatz zum AFC-Finale gelingt den Ravens der Last-Minute-Treffer. Nach einem Schicksalsschlag wird Smith zum Helden.

Von Eric Böhm

München/Baltimore - Diesmal haben sie den Spieß umgedreht.

Den Baltimore Ravens glückte am 3. Spieltag der NFL die Revanche für das verlorene AFC-Finale der vergangenen Saison (Die NFL-Saison LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

Das Team gewann durch ein Field Goal in den Schlusssekunden gegen die New England Patriots mit 31:30 (0:13, 14:7, 7:7, 10:3) - im Januar hatte der alte Kicker Billy Cundiff solch eine Chance noch ausgelassen.

Rookie Justin Tucker machte es nun besser. Sebastian Vollmers Patriots verspielten dabei im letzten Viertel ein vermeintlich sichere 30:21-Führung.

"Damals war es eine bittere Niederlage, aber wir wussten, dass wir sie wiedersehen würden. Heute haben wir es durchgezogen", sagte Ravens-Linebacker Ray Lewis bei "ESPN".

"Das ist für meinen Bruder"

Receiver Torrey Smith war mit 127 Yards sowie zwei Touchdowns Baltimores herausragender Spieler. Einen Tag zuvor war sein Bruder bei einem Motorradunfall gestorben.

"Es war schon sehr emotional. Ich wusste nicht, ob ich es durchstehen würde. Ich habe nur eine Stunde geschlafen. Der Sieg bedeutet mir und meiner Familie sehr viel. Das ist für meinen kleinen Bruder", betonte Smith.

Vor dem Spiel hatte es eine Schweigeminute für den 19-jährigen Tevin Smith gegeben. Die Fans feierten ihren Matchwinner immer wieder mit "Torrey"-Sprechchören ( 614948 DIASHOW: Die Bilder des 3. Spieltages ).

Flacco ganz cool

Quarterback Joe Flacco zeigte - abgesehen von einer Interception - mit Pässen für 382 Yards Raumgewinn und drei Touchdowns ebenfalls eine starke Leistung.

Er führte die Gastgeber innerhalb der finalen zwei Minuten unwiderstehlich übers Feld und ermöglichte Tucker seinen goldenen Schuss.

Nach Smiths zweitem Touchdown verpasste New England knapp vier Minuten vor dem Ende die Chance, den Sack mit zwei First Downs zuzumachen und gab den Ball noch einmal ab.

Pats-Serie gerissen

Somit weisen die Patriots erstmals seit 2003 und 145 Partien (einsamer NFL-Rekord) wieder eine negative Bilanz auf, obwohl Tom Brady (335 Yards, ein Touchdown) nicht enttäuschte.

Der Spielmacher überholte - beschützt vom soliden Vollmer - mit nun 40.866 Yards sogar sein Kindheitsidol Joe Montana und übernahm Rang zwölf der ewigen Pass-Rangliste.

Baltimore gelang durch den zwölften Heimerfolg in Serie der zweite Saisonsieg.

Wut über amateurhafte Schiedsrichter

Nach einem dominanten ersten Spielabschnitt (13:0) ließ die bis dahin exzellente Verteidigung des Patriots-Cheftrainers Bill Belichick nach und ermöglichte Flacco und Running Back Ray Rice (101 Yards, ein Touchdown) mehr Räume.

Dazu kamen teils haarsträubende Fehlentscheidungen der Ersatz-Schiedsrichter - insgesamt 24(!) Strafen.

"Ich sage gar nichts. Jeder hat doch das Spiel und die knapp 30 Strafen gesehen. Fragt die Liga danach", echauffierte sich Belichick, der nach Spielende sogar einen Referee aus Wut am Arm packte.

SPORT1 blickt auf zwei weitere Partien des 3. Spieltages der NFL:

Denver Broncos - Houston Texans 25:31

Peyton Manning kassierte beim 25:31 (5:7, 6:14, 0:10, 14:0) seiner Denver Broncos gegen die Houton Texans bereits die zweite Saisonniederlage.

Houstons Quarterback Matt Schaub stahl dem viermaligen MVP dank vier Touchdowns die Show. Vor dem Schlussviertel führten die Texaner bereits 31:11.

"Es war klar, dass sie unser Laufspiel stoppen wollten, deswegen wollten wir einige lange Pässe einstreuen. Das hat gut geklappt", freute sich Houstons Coach Gary Kubiak.

Manning stellt Rekord auf

Manning leistete sich zwar keine Ballverluste, aber die Gäste kontrollierten das Geschehen und nutzten die Fehler der Broncos-Verteidigung aus.

So konnte sich der unterlegene Quarterback (26 von 52 für 330 Yards) nicht über sein 64. 300-Yard-Spiel und den neuen NFL-Rekord freuen - vorher lag er mit Dan Marino gleichauf.

"Ich kann mich damit nicht beschäftigen. Wir haben zweimal hintereinander verloren. Das ist sehr ärgerlich", haderte Manning.

San Diego Chargers - Atlanta Falcons 3:27

Die Atlanta Falcons bleiben nach dem souveränen 27:3 (6:0, 14:0, 0:3, 7:0) bei den San Diego Chargers eines von nur drei ungeschlagenen Teams der NFL (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Erneut lieferte Spielmacher Matt Ryan eine spektakuläre Leistung ab. Nur zehn seiner 40 Pässe landeten nicht bei Mitspielern. Zudem sprangen 275 Yards und drei Touchdowns heraus.

"Wir waren ausgeruht und haben richtig stark angefangen. Angriff, Abwehr und Special Teams waren ganz stark. Ein toller Sieg für das gesamte Team", lobte Ryan.

Turner ärgert Chargers

Die Gastgeber halfen mit ihren vier Ballverlusten aber auch heftig nach. Quarterback Philip Rivers warf zwei Interceptions.

Der nach seinem Schlüsselbeinbruch erstmals wieder eingesetzte Running Back Ryan Mathews leistete sich einen Fumble.

Auch im sechsten Heimspiel gegen Atlanta gelang kein Sieg. Ex-Charger Michael Turner erlief 80 Yards und einen Touchdown.

"Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir in den vergangenen neun Jahren einmal keinen Touchdown erzielt hätten. Wir hatten den Sieg nicht verdient", sagte Rivers.

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